Kultur | 27.01.2013

Massakrierter Missen-Film

Text von Jana Schmid | Bilder von zVg.
Der an den Kinokassen gefloppte Film "Das Missen Massaker" lief am Freitag das erste Mal an den Solothurner Filmtagen. Regisseur Michael Steiner und Drehbuchautor Michael Sauter überraschten mit einer originellen Einleitung - die leider den eigentlichen Film um Längen übertrumpfte.
Das Missen-Team findet sich im Camp ein. Wer überlebt das Massaker und wird Miss Schweiz.
Bild: zVg.

Freitag, kurz nach 23 Uhr in der Reithalle: Knapp 200 Zuschauer warten auf die erste Vorführung von “Das Missen Massaker” an den Solothurner Filmtagen. Regisseur Michael Steiner und Drehbuchautor Michael Sauter betreten die Bühne. Alle fragen sich, wie die beiden Filmemacher vor dem Festivalpublikum auftreten werden, schliesslich war ihr Film ein phänomenaler Flop an den Kinokassen und wurde von den Kritikern mehrheitlich böse verrissen.

 

Die Antwort: Mit Humor. “Oh, so viele Menschen habe ich in einer Vorstellung des Films noch nie gesehen”, stellt Steiner mit einem prüfenden Blick ins Publikum fest. Lacher. Das Eis ist gebrochen. Es folgen mehrere Zitate aus Filmkritiken, allesamt von Steiner und Sauter persönlich vorgelesen, ein Massaker des Films vor dem Massaker der Missen. Michael Steiner meint später im Interview mit Tink.ch: “Wenn er gut angekommen wäre, hätten wir kaum schlechte Kritiken vorgelesen. Aber das war mehr ein Gag von mir und dem Drehbuchautor: Lass uns die Erwartungshaltung runterschrauben, dann finden die Leute den Film super.”

 

“Der Film ist strunzdumm”

Der Versuch der Filmschaffenden, das Werk durch diese Einleitung zu retten, ist zwar lustig, aber nachdem der Abspann des Massakers über die Leinwand geflimmert ist, bin auch ich überzeugt: “Strunzdumm” ist treffend.

 

In den ersten zehn Minuten lässt sich der Film noch als gelungene Parodie auf den Schweizer Missenzirkus und die damit verbundene oberflächliche Show-Welt verstehen. Ein unglücklicher Vorfall bei der Entscheidungsshow endet für die frisch gekürte Miss Zürich tödlich. Somit rückt die Zweitplatzierte Jasmin an ihren Platz und reist mit ihren Mitstreiterinnen und der Crew ins Missen-Camp auf eine exotischen Insel, um sich auf die Wahl zur Miss Schweiz vorzubereiten.

 

Aber jetzt wird es problematisch: Kaum gelandet, verkommt der Film zu einem übertriebenen Theater mit schlechten Witzen, sexistischen Klischees und primitiv oberflächlicher Handlung. Ein Killer anonymer Identität treibt auf der Insel sein Unwesen und ermordet ein Mitglied des Missen-Teams nach dem anderen. Panik bricht aus und die jungen Frauen stellen sich bei der Auseinandersetzung mit der Situation übertrieben blöd an. Dummheit wird zum zweiten Killer.

 

Leider entfällt im Verlauf des Films der parodisierende Unterton und die Klischees werden zum realen Fundament. Sexismus und Rassismus bleiben unhinterfragt, die Inselbewohner werden als affenähnliche Menschen dargestellt, die die Crew auf der Insel feige im Stich lassen. Das Lachen fällt zunehmend schwer.

 

Wo ist die Grenze?

Nach einem Blick auf Kosten und Ertrag tauchen noch ganz andere Fragen auf: Welche Ansprüche muss ein Film erfüllen, der vom Bundesamt für Kultur (laut 20Min) mit 900’000 Franken unterstützt wurde? Unterhaltung in allen Ehren, aber wie steht es mit dem Niveau eines staatlich subventionierten Films? Gibt es so etwas wie einen “kulturellen Standard” und wo sind die Grenzen gegen unten? Michael Steiner sagte gegenüber Tink.ch, es gehe ihm bei diesem Film um Unterhaltung und dagegen ist nichts einzuwenden. Ich zweifle jedoch, dass das brutale Abschlachten von jungen Frauen ohne tiefere Bedeutung Unterhaltung ist. Den verkauften bzw. nicht verkauften Kinotickets zufolge, teilen viele diese Meinung.

 

Die 900’000 Franken hätte ich lieber in originellere Filme investiert gesehen. Fantastische Beispiele gibt es an den Solothurner Filmtagen viele zu sehen – mit einem viel geringerem Budget produziert.

 

 


“Das Missen Massaker” wird am Dienstag 29.1. um 17:45 im Kino Canva erneut vorgeführt.