Kultur | 29.01.2013

Jugendliche Grenzerfahrungen

Text von Mayra Jenzer | Bilder von zVg.
«I'm living out my life like I'm on the run..." Mit diesen Worten beginnt das Theaterstück "Morning", inszeniert von Sebastian Nübling, das am Samstag im Jungen Theater Basel Premiere feierte. Das Stück, geschrieben von dem englischen Autor Simon Stephens, wurde zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum aufgeführt.
Das Junge Theater Basel überzeugt mit einem starken und physischen Stück.
Bild: zVg.

Stephanie ist gelangweilt. Ihre Mutter ist todkrank, ihr kleiner Bruder hat damit schwer zu kämpfen, ihr Freund geht ihr auf die Nerven und ihre beste Freundin Cat wird wegziehen. In ein Internat. Letzteres beschäftigt Stephanie am meisten. Was sie ohne Cat machen soll, fragt sie sich. Doch ihre beste Freundin ist froh, wegzukommen, schliesslich sind ihrer Meinung nach alle ihre Freunde langweilig, die Stadt stinkt nach Zucker und alle Menschen sind “behindert im Kopf”, wie sie findet. Aus Langeweile und dem Wunsch, noch etwas Spannendes zusammen zu erleben, planen Stephanie und Cat einen flotten Dreier mit Stephanies Freund Stephen. Doch auch das wird nicht so interessant wie erhofft und so gehen die Mädchen noch einen Schritt weiter und die Situation eskaliert. Plötzlich gilt es, einen Mord zu vertuschen. Doch nicht einmal Stephanies verzweifelte Aktionen haben Konsequenzen. Cat geht weg. Ihre Mutter stirbt und Stephanie ist zwischen Gleichgültigkeit, schlechtem Gewissen und Trauer hin und hergerissen. Ihr bester Freund Jakob hat nur noch seine neue Freundin Anna im Kopf und ihr Bruder Alex reibt ihr unter die Nase, dass alle sie hassen.

 

Grosse Fragen

“Morning” ist ein düsteres, starkes Stück voller Energie und einer grossen Frage: Was ist, wenn nichts einen Wert hat? Wenn unser Handeln keine Konsequenzen hat? Wenn uns die Dinge und Menschen um uns gleichgültig werden? Von düsteren Dubstep-Klängen untermalt und mit Mehl bedeckt fragen uns sechs Jugendliche nach dem Tod, nach dem Wert des Todes und nach dem Wert des Lebens. Und wie es Sebastian Nübling gerne und oft macht, bringt er viel Bewegung in diese Inszenierung ein. Die physische Präsenz der Schauspieler ist beeindruckend. Was die Sprache nicht kann, drückt der Körper aus – und umgekehrt. Die Schauspieler sind da. Sie stehen auf der Bühne und fordern den Zuschauer heraus.

 

An die Grenzen gehen

Wie viele Stücke von Simon Stephens beschäftigt sich “Morning” mit den grossen Fragen des Jungseins, die Erwachsene jedoch genauso ansprechen: Tod, Vergänglichkeit, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit. Stephens bringt die Figuren in seinen Stücken, fast ausschliesslich Jugendliche, dazu, an ihre Grenzen zu gehen, das Leben zu hinterfragen und mit der Idee von Macht zu spielen. Zum Beispiel die Macht, die ihre Gefühle oder die Verweigerung ihrer Gefühle gegenüber ihren Mitmenschen mit sich bringt. Cat aus “Morning” ist ein gutes Beispiel dafür: Sie spielt mit Stephanie, mit ihren Gefühlen und übt so eine grosse Macht auf ihre Freundin aus, wie keine andere es kann. Am Ende hängt nur noch der altbekannte Wunsch nach einem Versprechen in der Luft – dem Versprechen das alles wieder gut wird.

 

 

Info


“Morning” wird am 30.1, 31.1 und am 1.2 auf dem Kasernenareal nochmals aufgeführt.

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