Kultur | 26.01.2013

“Es geht um die Geschichte”

In den letzten acht Jahren hat Michael Steiner vier Filme herausgebracht: Drei mal Top, einmal Flop. Im Gespräch mit Tink.ch erzählt er, warum er trotz Flop an den Kinokassen klar hinter dem "Missen Massaker" steht, worum es beim Filmemachen eigentlich geht und wie seine Zukunft ausschaut.
Unterhalten und Geschichten erzählen sind Michael Steiners Ziele.
Bild: Kaspar Rechsteiner.

Tink.ch: Michael Steiner, gestern Abend lief das “Missen Massaker” als nächtliche Vorstellung an den Filmtagen. Sie waren dabei nicht das erste Mal in Solothurn. Wie lief es?

Michael Steiner: Die Vorstellung war gut, es hatte ein paar Leute und die hatten Spass. Es wurde gut gelacht. Zumindest in der ersten Viertelstunde, dann bin ich gegangen. Mit “Sennetuntschi” war es damals vor zwei Jahren etwas anderes, das war ein viel ernsthafterer und komplexerer Film. Das “Missen Massaker” ist… Spass.

 

Während Ihrer Einleitung haben Sie Filmkritiken zum “Missen Massaker” vorgelesen, die einander an Missbilligung gegenseitig überboten. Worin besteht der Unterschied, einen mehr oder einen weniger erfolgreichen Film zu präsentieren?

Wenn er gut angekommen wäre, hätten wir kaum schlechte Kritiken vorgelesen (lacht). Aber das war mehr ein Gag von mir und dem Drehbuchautor: Lass uns die Erwartungshaltung runterschrauben, dann finden die Leute den Film super. Es ist jetzt mein vierter Film in den letzten acht Jahren, und drei davon waren extrem erfolgreich. Darum sehe ich es doch ziemlich locker, dass nun einer an den Kinokassen nicht so gut läuft. Ich glaube, er wird ohnehin ohne Ende heruntergeladen, wenn erst die DVD erschienen ist. Ich hoffe natürlich, dass die Leute die DVD kaufen, aber  ich weiss natürlich, dass gerade die junge Generation sich stark an Downloads orientiert.

 

Sie können sich also gut von den schlechten Kritiken distanzieren?

Natürlich ist dieser Film mein Baby und ich stehe dazu. Aber wenn ein Film kein riesiger Erfolg wird, dann gibt es immer tausende von Gründen, warum das nicht passiert ist oder das Publikum oder die Zeit nicht getroffen wurde. Du kannst nicht wissen, ob ein Film erfolgreich wird oder nicht. Es lohnt sich nicht, gross darüber nachzugrübeln. Meine Arbeit ist beendet, wenn der Film anläuft, dann man kann nichts mehr machen.

 

Und davor…

Der Prozess davor ist Filmemachen. Es gehört dazu, dass es manchmal nicht klappt. Sei es mit der Finanzierung oder mit dem Schnitt, der stockt, oder mit was ganz anderem. Ein Schauspieler kann zum Beispiel krank werden. Irgendwo gibt es immer etwas, das schief gegen kann, vor allem beim Film. Man muss auch akzeptieren, dass hin und wieder etwas nicht funktioniert. Filmemachen ist kein Beamtenjob.

 

2011 kam “One Way Trip” in die Kinos und floppte auch.

Nein, das ist eine ganz andere Geschichte. “One Way Trip” ist ein richtiger Horrorfilm und das “Missen Massaker” ist eine Persiflage. Klar haben beide mit Horror zu tun. “One Way Trip” kam ausserdem in Österreich sehr gut an und hatte rund 60’000 Eintritte. Das unterscheidet sich von Land zu Land. Das “Missen Massaker” lief bisher noch in keinem anderen Land. Wir hoffen, dass er demnächst in Italien laufen kann. Er würde gut dahin passen.

 

Zielgruppe Teenager: Was wollen Sie den Teenagern denn mitgeben? Gibt es eine Botschaft?

Pure Unterhaltung. Und vielleicht, dass Du als schöne Frau aufpassen musst, nicht umgebracht zu werden.

 

Also würden Sie den Zuschauern als Tipp mitgeben: Kopf abschalten und geniessen?

Kopf ab ist gut (lacht). Der Film nimmt sich nicht so ernst, das ist wahr. Es ist natürlich auch eine Parodie auf den Schönheitswahn… und die Figuren sind nicht wirklich die klügsten. Nadine Vinzens zum Beispiel spielt eine hervorragende, lustige Figur, die nur die Simpsons mag und sonst nicht wirklich etwas im Kopf hat und schlussendlich dummerweise auf einen Rechen tritt. Diese Szene haben wir bei den Simpsons abgeschaut.

 

Was ist Ihnen wichtig beim Filmemachen? Unterhaltung ja, aber was muss ein Film sonst noch mitbringen?

Ein Film muss eine Geschichte erzählen. Egal ob sie komisch oder tragisch ist, ein Film muss eine Geschichte erzählen und der Filmemacher muss dabei acht geben, den Zuschauer nicht zu langweilen. Das Erzählen muss sehr präzise sein, mit Bildern und Dialogen. Wenn man einen Film macht, muss man etwas erzählen wollen, eine Geschichte haben und dann überlegen, wie ich von der Geschichte zum Film komme. Und das ist das Schöne und Schwierige am Filmemachen. Aber natürlich ist das lernbar. Ein Drehbuch hat gewisse Regeln, die man benutzen oder nicht benutzen kann, aber es ist gut, sie mal zu lernen.

 

Was ist der Bildungswert von einem Film?

Ich glaube, prinzipiell bildet alles und ich will etwas auch nicht danach bewerten. Filme bedeuten auch immer emotionale Bildung, immerhin betrittst Du ein Kino und übernimmst die Gefühle von jemand anderem. Du gehst emotional mit den Figuren mit.

 

Was ist das Ziel Ihrer zukünftigen Filme?

Es bleibt gleich: Eine Geschichte zu erzählen, die die Leute interessiert. Nächstes Jahr werden die Schweizer Spielfilme mehr Leute in die Kinos holen, mit Garantie. Ich weiss ungefähr, was erscheinen wird und darum wird 2013 sicher besser als 2012, auch wenn ich nichts dazu beitrage.

 

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Es wird eine Liebesgeschichte zwischen Jugendlichen. Daran arbeite ich gerade. Mehr kann ich noch nicht sagen.

 

 


Das “Missen Massaker” von Michael Steiner wird am Dienstag, 29.1. 17:45 Uhr im Kino Canva erneut vorgeführt.