Gesellschaft | 15.01.2013

Ende mit dem Weltende

Text von Veronika Henschel | Bilder von Pixelio.de
Der grosse Tag ist vorbei. Er war wie jeder andere, es kam einer vorher, es folgte ihm ein nächster. Die Welt ging nicht wie vielerorts angekündigt am 21. Dezember 2012 unter. Mittlerweile schreiben wir sogar schon das Jahr 2013, und alles ist beim Alten. Oder ist die Welt womöglich untergegangen, ohne dass wir es gemerkt haben? Und wie sollen wir nun weiterleben?
Die Maya sorgten mit ihrem Kalendersystem für Weltuntergangsstimmung.
Bild: Pixelio.de

Unzählige Spekulanten aus aller Welt fanden Erklärungen für den Untergang der Welt, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sonnenstürme, ein Meteorit oder ein tödlicher Virus sind nur einige Beispiele. Merkwürdigerweise kamen fast alle Theoretiker zum gleichen Datum, an dem das Weltende hätte stattfinden sollen. Angeblich hört der Kalender der als Hochkultur bekannten Maya am 21. Dezember 2012 auf. Einige kamen so zu der Annahme, dass dann auch die Welt endet. Doch am 21. Dezember 2012 passierte nichts. Alles blieb gleich.

 

Was die Maya wirklich glauben

Der  Langzeitkalender der Maya beginnt im Jahr 3114 vor Christus. Es gibt verschiedene Einheiten, in denen gezählt wird, ähnlich den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren. Am 21. Dezember 2012 kehrte er erstmals an den Nullpunkt zurück. Der Kalender hat sozusagen erstmals alle Tage, Wochen und Monate durchlaufen. In Fachsprache sagt man, dass nun ein ganzer Zyklus beendet ist.  Die Maya sprachen nie von einem Kalender, der ein Ende hat. Schliesslich lassen sich in ihren Schriften auch Prophezeiungen zu Jahren nach 2012 finden. Laut dem Experten David Stuart sei dieser «Weltuntergangstag« nur ein spezieller Jahrestag der Schöpfung  und kein Grund zur Sorge.

 

Heute leben etwa sechs Millionen Maya in Südamerika verteilt. Während sich der moderne Mensch  mit Apokalypsen und Bunkern beschäftigt, haben die Maya mit Problemen wie ausbleibendem Regen oder Landraub zu kämpfen. Sie glaubten nicht an einen Untergangam 21. Dezember 2012, sondern vielmehr an einen Bewusstseinssprung, eine Veränderung der Welt – auch ihrer Welt . Deshalb feierten sie den 21. Dezember 2012 auch mit einem grossen Fest.

 

 

Und was nun?

Da man sich dem Hype um den Weltuntergang ähnlich dem einer Fussballweltmeisterschaft kaum entziehen kann, beschloss ich zu Anfang des Jahres, mich voll auf das Ende einzustellen. Ich nahm an, die Welt würde wirklich am 21. Dezember 2012 untergehen.Das ganze Jahr lang habe ich mir immer wieder Gedanken darüber gemacht, was die zwölf Dinge sind,  die jeder unbedingt erlebt haben sollte. Es war aufregend und spannend, die Liste abzuarbeiten. Doch je näher der Dezember kam, desto mehr Dinge fielen mir ein, die eigentlich auch noch dazu gehören würden. Knallhart musste selektiert werden.

 

Die Welt ist nicht untergegangen. Man könnte sagen, dass das sowieso klar war und natürlich alles weitergehe wie bisher. Man kann sich aber auch ein Herz fassen  und die neue Chance nutzen, die uns durch den Nicht-Untergang der Welt geschenkt wurde. Um Dinge zu tun, die man schon immer einmal tun wollte. Um Vorsätze einzuhalten und nicht weiter zu verschieben. Ganz einfach um zu leben, ganz nach dem Motto “Carpe Diem” – nutze den Tag. Das Weltende kann dann den Apokalypse-Theoretikern überlassen werden. Denn die werden überraschend schnell vergessen, dass die Welt schon wieder nicht untergegangen ist und ein neues Datum finden, vor dem wir uns fürchten dürfen.

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der letzte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legte Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember hätteuntergegangen sein sollen.