Kultur | 22.01.2013

Die Schattenseiten der Museumsnacht

Text von Sabina Galeazzi
Letzten Freitag war es wieder soweit: Die Museumsnacht lockte mit ihrem Programm erneut grosse Besucherscharen in die ehrwürdigen Institutionen. Dass sich die nächtliche Museumstour durchaus auch zur nervenzehrenden Geduldsprobe entwickeln kann, verschweigen die offiziellen Verlautbarungen wohlweislich.

Zum dreizehnten Mal in Folge öffneten am Abend des 18. Januar rund 42 Museen in Basel ihre Tore anlässlich der Museumsnacht und präsentierten sich mit einem abwechslungsreichen Programm für Jung und Alt von ihren besten Seiten. Für wenig Geld wurde den Besuchern bis in die frühen Morgenstunden  hinein eine geballte Ladung an Kunst, Kultur und Wissenschaften geboten. Wen nach der anstrengenden Museumstour die Lust nach profaneren Genüssen überkam, der konnte sich an einem der zahlreichen Essensstände in den einzelnen musealen Institutionen mit lokalen oder exotischen Köstlichkeiten verpflegen.

 

Auf dem Boden der Realität

So oder ähnlich lauten die meisten offiziellen Verlautbarungen zur Museumsnacht, gleichgültig, ob diese nun in Basel, Bern oder Zürich stattfinden mag. Eine berechtigte Frage ist jedoch, ob diese schönfärberischen Darstellungen einem Vergleich mit der harten, ungeschönten Realität standhält. Das Konzept der „Langen Nacht der Museen“ mag seine Reize haben und das aufgelistete Rahmenprogramm hat auch mich erneut wieder dazu verleitet, am Freitagabend diverse museale Einrichtungen aufzusuchen. Die nächtliche Museumsbesuche erwiesen sich jedoch als ziemlich ernüchternd.

 

Von den Schattenseiten: Massenzulauf und überteuerte Cüplis

Für einen Grossteil der Besucher präsentiert sich die Museumsnacht anscheinend als eine willkommene Ausrede, um einmal im Jahr für wenig Geld in hoffnungslos überfüllten Ausstellungsräumen hoffnungslos überteuerte Cüplis zu trinken und sich kulturell beflissen zu fühlen. Ab und zu erhascht der unbedarfte Besucher gar, man glaubt es kaum, einen kurzen Blick auf eines der ausgestellten Exponate und nicht nur auf den illustren Hinterkopf seines Vordermanns. Für ein ausführliche Studium der einzelnen Ausstellungsobjekte und ein längerer Aufenthalt in den einzelnen Räumen bleibt jedoch weder Zeit noch Raum. Vor allem kleinere Institutionen wie das Basler Cartoonmuseum oder das Pharmazie- Historische Museum kommen angesichts der strömenden Massen  rasch an ihre räumliche „Füllungsgrenze“.

 

Lohnende Insidertipps

Trotz aller anfänglichen Widrigkeiten kann sich der Besuch der Museumsnacht durchaus lohnen, wenn man sich nicht zu schade ist, Schlange zu stehen oder aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. „Geheimtipps“ wie das Museum für Gegenwartskunst oder die Kunsthalle warteten mit Performances, Konzerten und Klanginstallationen auf und ihre geräumigen Hallen boten den Besuchern am späten Abend die Möglichkeit, einfach mal in Ruhe nach Luft zu schöpfen, sich umzusehen und zu verweilen.

 

Fazit und Empfehlung

Kurz und knapp lässt sich sagen, dass die Idee, mittels einer „Nacht der offenen Türen“ bei Menschen aller Altersklassen das Interesse für museale Einrichtungen  zu wecken durchaus ihren Reiz hat. Interessierten Museumsgängern, welche die sorgfältige Kontemplation einzelner Objekte schätzen, ist jedoch zu empfehlen, auf den Massenandrang während der Museumsnacht zu verzichten und die einzelnen Institutionen durchs Jahr zu weniger frequentierten Zeiten aufzusuchen.

Links