Gesellschaft | 29.01.2013

Die Filmindustrie unter der Lupe

Text von Dr. Radegeber | Bilder von Archiv Tink.ch
Dr. Radegeber schafft zwischen Solothurner Filmtagen und Oscar-Verleihungen (Un)klarheit in der Filmindustrie, worum es beim Drehen geht. Diese Woche informiert er deshalb über Silikon, Filesharing und Independentfilme.
Nicht immer beim Wort zu nehmen: Dr. Radegeber.
Bild: Archiv Tink.ch

Lieber Dr. Radegeber,

Ich bin zwar angehende Kellnerin, träume aber von einer Karriere vor den Kameras. Ich übe die Schauspielerei zu Hause vor dem Spiegel. An ein Casting hab’ ich mich noch nie gewagt. Zurest möchte ich erfahren, was eine gute Schauspielerin mitbringen muss.

Aline, 19

 

Hallo Aline,

Emotionen, Ausstrahlung, Wille und Disziplin – das war Schauspiel einmal. Heute misst man bedeutende Schauspieler an der Popularität ihres Schönheitschirurgen und ihren gewonnen Preisen an aussagekräftigen amerikanischen Filmpreisverleihungen wie etwa den Golden Globes oder den Academy Awards. Also merke dir, wie du spielst ist zweitranging. Es zählt nur Vitamin B. Und das sammelst du am ehesten, indem du mit den richtigen Produzenten und Regiesseuren schläfst.

 

 

Lieber Dr. Radegeber,

Ich bin ein absoluter Filmliebhaber. Von den Neuen bis zu den Klassikern. Von den japanischen Animes bis zu deutschen Kriminalfilmen, stürze ich mich in alle Filmabenteuer. Das Problem ist, dass ich herzlich pleite bin und viel zu faul, um in’s Kino zu gehen. Deshalb sauge ich mir alle Filme, Serien usw. im Internet runter. Nun habe ich gehört, dass dies rechtlichen verboten sein soll. Kann man mich dafür bestrafen?

Sandro, 22

 

Hallo Sandro,

Nur wenn man dich erwischt.

 

 

Lieber Dr. Radegeber,

Ich bin bekennender Fan von Arthouse- und Independentfilmen. Denen wird viel zu wenig Beachtung geschenkt. Wie kommt es, dass in einer solch fortgeschrittenen Gesellschaft wie der unseren, immernoch so viele Leute Blockbuster richtigen Filmen vorziehen?

Marianne, 26

 

Hallo Marianne,

Arthouse ist für Besserwisser und Hipster. In richtig guten Filmen muss es krachen! Der Zuschauer braucht Botox Action, retouchierte Bauchmuskeln und silikongeladene Liebesszenen. Teuere Filme sind eben gute Filme. Denn gute Regiesseure und gute Schauspieler kosten nun mal. Besonders wenn sie so talentiert sind, dass sie nicht nur perfekt schauspielen, sondern auch singen können wie z.B. Jennifer Lopez und Justin Timberlake. So richtig hochbegabte eben. Aber zurück zu Arthouse und Independent: die meisten dieser Filme sind etwa so lasch wie das Popkorn, welches man für 12 Franken kauft und schon während den Trailern aufgegessen hat.