Kultur | 28.01.2013

Begegnungen mit Soldini

Der diesjährige Programmblock "Rencontre" der 48. Solothurner Filmtage steht ganz im Zeichen des Regisseurs Silvio Soldini, welcher den meisten Leuten durch seine skurrilen Komödien ein Begriff ist. Nebst den zehn bekannteren Kinospielfilmen werden jedoch auch das Frühwerk sowie die Dokumentationen und Kurzfilme des "unbekannteren" Soldini gezeigt. Damit sollte ein umfassenderer Einblick in das Oeuvre des Regisseurs gewährt werden.
Soldini gilt als "gran regista", als grosser Regisseur des italienischen Films.
Bild: zVg. Während den Filmtagen kann man auch Fotos von Soldinis Filmsets bestaunen. Antonellos Aufnahmen bestechen durch ihre besondere Komposition. Bilder: Sabina Galeazzi

Seit gut 16 Jahren ehrt der Spezialblock “Rencontre” an den Solothurner Filmtagen jeweils das Oeuvre einer herausragenden Persönlichkeit des Schweizer Films, gleichgültig, ob es sich dabei um einen Schauspieler, Regisseur, Produzenten oder einen Komponisten handelt. Der diesjährige Ehrengast Silvio Soldini ist bereit seit dreissig Jahren im Filmgeschäft und erlangte mit surrealen, tragikomischen Romanzen wie “Pane e tulipani” und “Agata e la tempesta” internationale Berühmtheit. Sein neuster skurriler Streich, “Il comandante e la cicogna”, welcher für den Prix du Public nominiert wurde, feierte am Freitagabend im Landhaus Premiere. Während diverser Filmgespräche und einem morgendlichen Film-Brunch im Barock-Café war ausserdem ein persönlicher Austausch mit dem Filmschaffenden möglich.

 

Jeder Film ist eine Reise

Auf die Rolle des Regisseurs leichter, romantischer Komödien möchte sich der Mailänder mit Tessiner Wurzeln jedoch nicht festlegen lassen. In einer seiner vielbesuchten Podiumsdiskussionen verriet der hagere Mann mit dem Lockenkopf und dem markanten Schnurrbart, dass ihm “herausforderndere” Filme, welche sich mit sozialen und politischen Problemen der Gegenwart auseinandersetzen, mehr liegen würden. Jeder Film sei für ihn eine Reise an einen zu Beginn noch unbekannten Ort. Die Protagonisten seiner Werke, so exzentrisch sie sich manchmal auch präsentieren mögen, sind jedoch in erster Linie aus dem Leben gegriffene Figuren mit alltäglichen Wünschen und Sehnsüchten. Menschen, welche mit verschiedenen, zum Teil auch drastischen Mitteln versuchen, der Monotonie ihres Alltags zu entfliehen. So beginnt in “Cosa voglio di piu” die verheiratete Versicherungsangestellte Anna eine leidenschaftliche Affäre mit dem kalabrischen Kellner Domenico und in “Pane e tulipani” reist die an einer Raststätte gestrandete Rosalba auf eigene Faust per Anhalter nach Venedig.

 

Der Fotograf im Schatten Silvio Soldinis

Einen anderen Blick auf Soldini gewährte während der Filmtage das Künstlerhaus S11 mit seiner Ausstellung des Filmsetfotografen Philippe Antonello, der den Mailänder Regisseur und sein filmisches Schaffen über Jahre hin begleitet und dokumentiert hatte. Die charmante Altbauliegenschaft an der Schmiedengasse beherbergt gut 25 Aufnahmen diverser Filmsets Soldinis. Die Fotografien versprühen einen ganz eigenen Zauber: Wuchtige Kamerakräne, verkabelte Mikrofone und Scheinwerfer im Hintergrund der sorgfältig arrangierten Filmsets verweisen jeweils auf die Realität hinter der filmischen Illusion. Durch gezielten Einsatz von Licht und Schatten und raffinierten Aufnahmewinkeln gelingt es Antonello, den Bildern eine poetische Qualität abzugewinnen und sie zu mehr als bloss dokumentarischen Aufnahmen zu machen: nämlich zu Kunstwerken.

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