Gesellschaft | 17.12.2012

Wo das Fest der Liebe heute steht

Text von Sarah Staffelbach | Bilder von Katharina Good
In acht Tagen ist Weihnachten! Der Grössenwahnsinn beim Weihnachtsfest steigt immer wie mehr. Nichts kann zu gross oder zu teuer sein für das Fest der Liebe. Die Menschen werden immer gestresster und die To-Do-List vor Weihnachten immer länger. Das alles wird umrahmt von tausenden Weihnachtslichtern und viel zu früh gespielten Weihnachtsliedern. Wohin soll das führen? Mein Versuch die Menschen ein wenig wachzurütteln und zum Nachdenken anzuregen.
Alle Jahre wieder und alle Jahre mehr.
Bild: Katharina Good

Sie sind kaum zu übersehen und zu überhören:  Die Mittel um sich auf das schönste Fest des Jahres – Weihnachten – einzustimmen. Die “Christmas Lights” können nicht zu bunt sein, das Blinken nicht zu schnell und die beleuchteten Flächen erst Recht nicht zu gross! Dazu kommen noch die teuersten Geschenke mit dem auffallendsten Geschenkpapier umwickelt, weil deine Liebsten natürlich nur das Beste verdient haben. Ganz zu schweigen vom grössten Festessen des Jahres neben dem schönsten Christbaum, den es zu kaufen gab, am Fest der unendlichen Liebe – wohl auch zum Reichtum. Das Fest der Bescheidenheit hat sich zum Fest der Superlative entwickelt! Ich denke‚ es ist für uns eine Zeit angekommen in der wir es vielleicht doch ein Bisschen übertreiben.

 

Alles nur Schein?

“Alle Jahre wieder” strotzen die Schaufenster nur so vor Prunk. Der Schmuck in den Glasvitrinen, mit der übertrieben lächelnden Verkaufsdame dahinter, glitzert und die Banken und Kaufhäuser können sich vor der vielen Arbeit kaum noch retten.  Viele gestresste Leute mit gierigen Blicken sind zu sehen, wie sie vom einen Kaufhaus zum nächsten rennen. Es ist Weihnachtszeit! Ja, genau die Weihnachtszeit mit den glücklichen Menschen in jeder Werbung, in der es auch nur im Entferntesten um Weihnachten geht, ist damit gemeint. Und ja, auch genau die Weihnachtszeit, in welcher das Zusammensein mit der Familie doch am Wichtigsten sein sollte, meine ich.

 

Weihnachtslieder bereits im November – wunderschön oder einfach nur nervig?

Ob im Einkaufszentrum, beim Autohändler oder im Schwimmbad, man kann sich momentan kaum noch retten vor Songs wie “Last Christmas”. Habe ich mich vor ein paar Jahren noch gefreut, als ich das erste Mal wieder zu Paul McCartney’s  “Wonderful Christmas time” mitsingen konnte, hoffe ich heute,  “Rudolf, the Red-Nosed Reindeer” würde sich verfliegen und Mariah Carey würde erst wenn der Schnee tatsächlich leise rieselt lauthals aus dem Radio schreien: “All I want for Christmas is you!” Und wenn dann auch noch George Clooney bereits Mitte November in der neuen Nespresso-Werbung eine Samichlausmütze trägt, beginne ich mich doch langsam aber sicher zu fragen, ob das wirklich nötig ist.

 

Immer teurer und immer grösser!

Es ist ja wirklich süss, diese ganze Romantik überall in der Weihnachtszeit. Aber ist es nicht so, dass man fast gezwungen wird, seinem Romeo oder seiner Julia auf irgendeine Art und Weise in dieser Zeit zu beweisen, dass man ihn oder sie auch wirklich liebt? Und ist es nicht so, dass es viele Momente im Jahr gibt, an denen dies viel wichtiger wäre? Klar, romantischer als zum Beispiel das Osterfest ist Weihnachten allemal. Das Kerzenlicht scheint, Maria und Josef stehen eng umschlungen neben der Krippe und dazu wird man von seinem ach so romantischen Partner auch noch mit einem Geschenk “überrascht”.  Wobei es überraschen nicht mehr wirklich trifft. Überraschen kann in der Weihnachtszeit nur noch, wer immer Grösseres und Teureres schenkt, so scheint es. Wie lange dauert es wohl noch, bis wir nicht mehr versuchen werden die Weihnachten im Jahr zuvor immer wieder zu toppen?

 

 

Vier Tipps für die Weihnachtszeit


Erstens: Inmitten der gestressten Weihnachtsgesellschaft kurz stehen bleiben, sich nur auf die vielen strahlenden Weihnachtsbeleuchtungen achten und diesen Moment der Ruhe einfach geniessen. Zweitens: Weihnachtsguetzli zu kaufen grenzt an eine Sünde! Lieber selber machen und mit extra viel Schokolade verzieren. Drittens: Die Weihnachtszeit ist vor allem die Zeit der Kinder. Es ist aber auch Erwachsenen erlaubt, einen Schneeball zu werfen oder einen Schneemann zu bauen. Und Viertens: Das Weihnachtsguetzli, welches dir deine Freunde anbieten annehmen, egal, ob du 20 Gramm zunimmst oder nicht.