Gesellschaft | 12.12.2012

Warum es den Bienen schlecht geht

Albert Einstein soll gesagt haben: "Wenn die Bienen aussterben, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen, keine Bestäubung, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen." Nun geht es den Bienen schlecht. Vor allem in den USA und in Europa ist der starke Rückgang der Bienenpopulation erschreckend. Gründe für das Bienensterben, von Experten "Colony Collapse Disorder" (CCD) genannt, führen von Krankheiten über Umweltverschmutzung bis hin zu den Handyantennen.
"More than honey" von Markus Imhoof läuft seit Ende Oktober in den Schweizer Kinos.
Bild: Maja Dumat/Pixelio.de 26 Schwärme mit sogenannten Killerbienen sind nach ihrer Aufzucht geflohen und haben zahlreichen Menschen das Leben gekostet. Katharina Bregulla/Pixelio.de

Pflanzen können sich nur fortpflanzen, wenn sie von einer Biene bestäubt werden. Der Wettbewerb der Natur führt deshalb dazu, dass sie möglichst bunt aussehen und gut duften. Pflanzen konkurrieren miteinander. Im Film “More than honey”, der zurzeit in den Schweizer Kinos läuft, wird die Biene als Liebesbotin der Pflanzen und die Bestäubung als deren Sexakt dargestellt.

 

Gäbe es keine Bienen mehr, so gäbe es auch keine Pflanzen mehr. Für die Menschen würde das bedeuten, dass sie bis zu einem Drittel aller Nahrungsmittel nicht mehr essen könnten. Von Honig, Äpfel und Pflaumen bis hin zur Milch, da Kühe sich nicht mehr vom bienenbestäubten Klee ernähren könnten.

 

Mehr als Honig

Seit Ende Oktober läuft der Dokumentarfilm “More than honey” in den Schweizer Kinos. Für diesen beeindruckenden Film, in dem atemberaubende Makroaufnahmen vom Innern eines Bienenstocks präsentiert werden, reiste der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof rund vier Mal um die Welt. Dabei wurde nicht nur in den Schweizer Alpen, sondern auch in Amerika, Asien und Australien gedreht.

 

Erschreckend ist die Aussage, dass heutzutage aufgrund von Krankheiten und Parasiten fast keine Honigbiene mehr ohne Antibiotika leben kann. Besonders die Krankheiten Sauerbrut und Faulbrut, durch Bakterien verursacht, und die Varroa-Milbe , machen es den Imkern schwer.

 

Ebenfalls greift der Film die kritische Situation in Teilen Chinas  auf, in denen es überhaupt  keine Bienen mehr gibt und Menschen zum Bestäuben von Pflanzen eingesetzt werden. Jedoch kann ein Mensch nie so viel leisten, wie es eine Biene kann.

 

“Die Bienen sterben nicht an  Milben, sie sterben am Menschen.”

Eine klare Botschaft des Films: Bienen sind ursprünglich Wildtiere, doch der Mensch hat sie vom Baum geholt und gezähmt – ein Eingriff in die Natur. Die Bienen sind nicht mehr so stark, nicht mehr so resistent gegen Parasiten wie sie es mal waren. Durch diese Zähmung wurde ihr Immunsystem geschwächt und ihre Widerstandsfähigkeit vermindert. Sie sind vollkommen abhängig vom Menschen und von Chemikalien geworden.

 

Zivilisation des Menschen

In einigen Gebieten der Welt ist das Bienensterben ungewöhnlich hoch. Besonders die USA haben damit zu kämpfen, denn die industrielle Bienenhaltung der Grossimker bedeutet Stress für die Bienen. Aber auch in der Schweiz sind signifikante Rückgänge zu verzeichnen.  Dafür gibt es viele verschiedene Erklärungen: Unter anderem können elektromagnetische Strahlungen von Strommasten und Handyantennen eine Ursache sein – die Bienen finden nicht mehr zu ihrem Stock zurück und schwirren orientierungslos herum bis sie verenden. Es gibt Wissenschaftler, die von einer genetischen Veränderung der Pflanze und in der Folge auch einer Veränderung der Bienen ausgehen. Auch Inzucht, Pestizide und nicht zuletzt die Umweltverschmutzung spielen eine zentrale Rolle.

 

Killerbienen – Die Bienen der Zukunft?

Der brasilianische Agraringenieur Warwick Estevam Kerr reiste 1955 nach Afrika und brachte im Auftrag des brasilianischen Agrarministeriums 120 afrikanische Königinnen zurück. Im Labor wurden diese mit den dortigen Bienen gekreuzt, in der Hoffnung, dass leistungsfähigere Bienen entstehen würden.

 

1957 waren 26 Schwärme mit afrikanischen Königinnen geflohen. Diese sogenannten Afrikanisierten Honigbienen, auch Killerbienen genannt, sind extrem aggressiv und resistent gegen Milben. Viele Menschen in Mittel- und Südamerika fielen ihnen zum Opfer. Man hatte versucht, eine “nette Königin”, also eine gewöhnliche brasilianische Bienenkönigin, in das Volk zu bringen, doch diese wurde sogleich getötet. Doch einen entscheidenden Vorteil liefern sie: Sie geben sehr gute Honigerträge ab. Sollten die Honigbienen also tatsächlich irgendeinmal aussterben, bleiben uns immer noch die viel produktiveren Killerbienen.

 

“More than honey” stellt die Problematik des Bienensterbens sehr gut dar und schafft es, den Zuschauer bei der Hand zu fassen und ihn auf eine emotionale und eindrucksvolle Reise mitzunehmen. Geschickt führt er uns in die Welt der Bienen und zeigt uns auf, wie wichtig sie für uns sind. Nicht ohne Grund gewann “More than honey” den Zürcher Filmpreis.

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