Gesellschaft | 05.12.2012

Und dann hat ihm der Taxifahrer ein Messer entgegen gehalten.

Text von Mazlum Toprak | Bilder von Haruto Onishi/zvg
Haruto Onishi ist wortwörtlich weltoffen. Mit 26 Jahren verwirklicht er, wovon viele andere noch träumen: eine Weltreise. Den Wunsch, auf eine Weltreise zu gehen, hatte er bereits als Kind. Diesen Wunsch endlich in die Realität umzusetzen, beschliesst er nach seinem Sprachaufenthalt in Australien im Jahre 2010.
Der 26-Jährige Haruto Onishi macht eine Weltreise. Bevor er dieses niederländisches Bier geniessen konnte, musste er sich in seiner Heimat aber mit drei Jobs gleichzeitig abrackern. Erinnerungen: Die will Haruto ebenfalls schriftlich festgehalten haben. Und bildlich. Haruto bei der genauen Betrachtung eines Bildes.
Bild: Haruto Onishi/zvg

Im Sprachaufenthalt an der Gold Coast lernt Haruto Onishi viele Leute aus verschiedensten Ländern und Kulturen kennen, die ihm vielerlei aus ihren Heimatländern erzählten. Dies weckt seine Reiselust und die Neugier auf das Entdecken anderer Länder und Kulturen und bringt ihn zum Entschluss, die Reise anzutreten. Im Jahr 2011 konnte er mit einem Kollegen bereits eine kleine Europareise unternehmen. Doch dieses Mal soll es eine Weltreise werden, die er alleine bestreitet.

 

Drei Jobs für eine Reise

Nachdem er 2011 von seiner Europareise wieder zurück in Osaka ist, fangen unmittelbar die Vorbereitungen für das nächste Reiseprojekt an. Um die Weltreise finanzieren zu können, nimmt Haruto drei Jobs an und spart, was das Zeug hält. Viel Schlaf liegt während dieser Zeit nicht drin. Die Reise sei es ihm wert, erklärt er.

 

Insgesamt etwa 17 Länder will Haruto innerhalb von sechs Monaten bereisen und dabei viele neue Kulturen entdecken. Auf der Liste stehen Thailand, Europa, Marokko sowie Süd- und Nordamerika. Als Logiermöglichkeiten bevorzugt er Hostels, da diese kostengünstiger sind. Wenn es sich gerade ergibt, übernachtet er bei Freunden, die er bei seinem Sprachaufenthalt kennengelernt hat und wieder einmal sehen möchte.

 

Der Fahrer fragt, ob Haruto Marihuana kaufen möchte

Im Sommer 2012 legt Haruto Onishi alle Jobs auf Eis und beginnt seine Reise aus der Metropole Osaka. Ausgestattet mit einem riesigen Rucksack und mit viel Motivation startet er in die Welt. Sein erster Halt ist in Thailand. Das Land der tausend lächelnden Gesichter ist bekannt für seine unberührten Strände, klarblaues Meer und viele andere Sehenswürdigkeiten.

 

Wie fast in jeder Sache auf der Welt gibt es aber neben den Sonnenseiten Thailands auch Schattenseiten. Haruto lernt eine dieser Schattenseiten kennen. Er erzählt, dass er am Abend in Bangkok zurück in sein Hostel wollte und ein Taxi bestellte. Während der Fahrt habe der Taxifahrer den jungen Japaner gefragt, ob er nicht ein wenig Marihuana kaufen möchte. Er habe verneint und in der Folge habe ihn ein mulmiges Gefühl geplagt, weshalb er den Fahrer bat, ihn aussteigen zu lassen. Der Fahrer jedoch habe sich geweigert, sein Messer gezogen und es auf Haruto entgegen gehalten. Dieser konnte glücklicherweise sofort die Flucht ergreifen, da die Türen des Taxis nicht gesperrt waren. Er rannte davon und hatte das Glück, unterwegs ein anderes Taxi zu finden, welches ihn heil ins Hostel brachte.

 

Freunde, Geldknappheit, Zahnweh

Nach dem gefährlichen Aufenthalt in Thailand, verlässt er den asiatischen Boden und landet in Europa. Der erste Stopp ist Istanbul in der Türkei. Es folgen Aufenthalte in Bulgarien, Serbien, Polen, Kopenhagen, Deutschland, Holland, Frankreich, Italien und der Schweiz. Bei seinem Aufenthalt in der Schweiz ist er auch für eine Nacht in Luzern zu Besuch, wo er er uns von seinen Reiseabenteuern, Schwierigkeiten und den Leuten, die er unterwegs kennengelernt hat erzählt.

 

In diesem Gespräch will ich von ihm auch erfahren, was ihm bis jetzt auf seiner Reise am besten gefallen hat. – „Ich weiss, ich bin ein Langweiler, aber um ehrlich zu sein, das was mir am besten gefallen hat, waren die Bekanntschaften, die ich unterwegs geschlossen habe und dass ich meine Freunde besuchen und bei ihnen bleiben konnte. Ich wurde immer sehr freundlich empfangen und so erhielt ich auch einen kleinen Einblick in ihr Leben und ihre Kultur, was den meisten Touristen nicht auf diese Art und Weise möglich ist“, antwortet er simpel.

 

Haruto gibt auch zu, dass er seine Heimat, seine Familie und Freunde sowie das japanische Essen sehr vermisse und manchmal aufgrund von Problemen einfach wieder zurück nach Japan möchte. In solchen Momenten würde er die Reise gerne abbrechen. Dennoch liebt er seinen Trip und die Verwirklichung seines Traums gibt ihm Kraft, die Reise weiter zu führen. „Das Schrecklichste, was mir auf meiner Reise zugestossen ist, war nicht etwa der Vorfall in Thailand, es ereignet sich gerade jetzt in meinem Mund. Die unerträglichen Zahnschmerzen, die mich seit ein paar Tagen quälen sind mit Abstand das Schlimmste! Ausserdem komme ich langsam in Geldknappheit und mache mir auch viele Gedanken über meine Zukunft nach dieser Weltreise“, so Haruto.

 

„Ich war geschockt“

Auf die Frage, wie sich die europäische Kultur von der japanischen Kultur unterscheidet, antwortete er wie folgt: „Die Leute in Europa sind viel freundlicher, dynamischer, offener, trauen sich viel mehr zu und machen sich keine Gedanken über belanglose Kleinigkeiten. In Japan sind die Leute sehr gestresst und können sehr scheu sein. Was mir auf meiner Reise jedoch auch aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wir in Japan keine Bettler und Leute haben, die nach Geld fragen, was ja hier in Europa ganz anders ist. Die Arbeitslosenrate in Japan beläuft sich auf ungefähr 6 Prozent, umso mehr war ich geschockt, als ich erfahren habe, dass sie in Serbien beispielsweise 50 – 60 Prozent beträgt.“

 

Auch sprachlich unterscheidet sich Europa von Japan. Haruto konnte sich bislang fast in allen Ländern mit Englisch und ein wenig Deutsch durchschlagen und wenn die sprachlichen Barrieren zu gross waren, versuchte er mit Händen und Füssen zu kommunizieren. Irgendwie geklappt habe das immer.

 

Ganz der Japaner

Kurz vor der Verabschiedung fällt mir Harutos unglaublich schwerer Rucksack auf und ich ergreife noch einmal die Chance, ihm die Frage zu stellen, wie es eigentlich so ist, aus dem Rucksack zu leben? Darüber habe er sich noch gar keine richtigen Gedanken gemacht, antwortete er lächelnd und fügt noch an: „Sehr schwer ist der Rucksack. Aber er gibt mir das Gefühl, dass ich am Reisen bin. Mit einem Koffer wäre es nicht dasselbe.“

 

Zum Abschied will er ein Gemeinschaftsfoto machen – zur Erinnerung. Wo all die Fotos denn hinkommen, will ich von ihm noch wissen. „Einige der Fotos werde ich auswählen und auf meinem Facebookprofil veröffentlichen“, lautet Harutos Antwort. Haruto verabschiedet sich von uns und nimmt den Zug nach Bern, um dort weitere Freunde zu besuchen. Anschliessend geht es weiter nach Madrid, Marokko, Süd- und Nordamerika und dann wieder zurück nach Japan.

 

Für alle zukünftigen Weltreisen legte er mir noch folgende Tipps ans Herz: „Man soll sich abends nie alleine aufhalten und auch nicht alleine ein Taxi nehmen. Ausserdem soll man niemanden schnell vertrauen. Die Ortsleute wissen, dass du ein Tourist bist und haben es nicht selten auf dein Geld abgesehen.“

 

Nebst diesen Tipps hat er auch eine weitere Botschaft für die Tink.ch-Gemeinschaft:

„Watashi wa Tink.ch ai shite imasu.“ (Ich liebe Tink.ch.)