Gesellschaft | 05.12.2012

Tierkörperwelten

Text von Diana Berdnik | Bilder von Benjamin Schlegel
Im Walterzoo Gossau SG gastiert noch bis am 13. Januar 2013 die Ausstellung "Körperwelten der Tiere". Die plastifizierten Ausstellungstiere beeindrucken Gross und Klein gleichermassen. Es fällt den Besuchenden zudem einfacher, das Innenleben unserer Tierwelt zu verstehen. Ein Besuch lohnt sich.
  • Die Muskeln bestätigen die Stärke dieses beliebten Wappentieres.

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  • Tierische Spuren zeigen den Weg in den Tierli Walter Zoo Gossau.

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  • Die Gesichtszüge eines Affen mal ganz anders.

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  • Im Bauch mancher ausgestellter Tiere waren sogar Jungtiere am Heranwachsen.

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  • Jung und Alt verfolgen die Ausstellung gleichermassen mit Interesse.

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Seit Jahren streife ich zum ersten Mal wieder durch den Walterzoo, weil mich die gehäutete Giraffe auf dem Ausstellungplakat neugierig gemacht hat. Kamele, Zebras, Streichel-Ziegen, Affen, Lamas und Tiger – alle tummeln sich immer noch in ihrem Gehege und gaffen den neugierigen Besuchern entgegen. Das eine oder andere Tier hat sogar das Glück, von kleinen Kindern Popcorn aus der Hand zu fressen. Nicht zu übersehen ist auch das Nachtschwärmertippi, indem auch ich einst schlafen und den Zoo bei Nacht erkunden durfte. Etwas neuer ist aber der Irrgarten. Hohe Hecken versperren den Weg aus dem Labyrinth. Eine gar nicht so einfache Aufgabe, da wieder heraus zu kommen! Doch mit dem Ausgang ist auch die neue Ausstellung in mein Blickfeld gelangt.

Plastik im Kopf

Ein kleines Bistro erwartet mich im riesigen Zelt. Die Neugier lockt mich aber direkt in die Ausstellungshalle. Es durchfährt mich das Gefühl, gerade eine Leichenhalle zu betreten. Doch halt, es riecht nicht nach totem Fleisch, es ist sauber, die Stimmung warm. Tatsächlich könnten die hier Ausgestellten Tiere auch künstlich erstellt worden sein. Das Verfahren der Plastifizierung von Günter Hagens ermöglicht quasi das Ausstopfen der inneren Organe von Tieren. Sehr eindrücklich erscheinen mir zum Beispiel die riesigen Muskelmassen des ausgestellten Bären. Noch spezieller sind die mit rotem Plastik gefüllten Blutadern und –kapillaren eines Pferdekopfes. Es scheint, als wäre nur die Haut rot eingefärbt worden, doch bei näherem Hinsehen wird klar: Die Blutversorgung dieses Pferdes ist flächendeckend.

Braune Flecken erleichtern das Schwitzen

Ein anderer Pferdekopf wurde in drei Scheiben geteilt und gibt nun auch Pferde-Begeisterten Einblick in das Innenleben ihrer Lieblinge. Neben Kraken, Ziegen, Schafen und einem riesigen Ochsen nimmt eine grosse Giraffe Raum ein. Eine Zooführerin erklärt gerade zwei Primarschulkindern, dass die Tiere natürlich gestorben sind. Dies erleichtert vor allem das Gewissen der kleinen Besucher. Nun aber wollen sie wissen, warum die Giraffe braune Flecken hat. “Nein, nicht zur Tarnung”, gibt die Zooführerin zur Antwort, “sondern weil sie an diesen Stellen besonders gut schwitzen kann und so die Körpertemperatur reguliert”. Dies ist nur ein Beispiel für viele Fakten, welche die Wissenschaftler dank der Plastifizierungsvorgangs herausfinden konnten. An den verschiedenen Infotafeln lese ich über Atmungs-, Blut- und Nahrungskreisläufe diverser Tierarten. Es sind spannende Informationen, die in etwa Kantonsschulniveau gleichkommen.

Nur das Popcorn können die Kinder getrost in ihrer Tasche lassen. Hier frisst kein Tier mehr. Trotz des interessanten Rundgangs zieht es die meisten schnell wieder nach draussen zu den quicklebendigen, kuscheligen Tieren.