Kultur | 12.12.2012

Musik verdoppelt die Emotionen im Film

Text von Pascal Spycher | Bilder von zvg
Vor knapp zwei Wochen feierte das 21st Century Symphony Orchestra & Chorus die Weltpremiere der Livebespielung von Pirates of the Caribbeaan Dead Man's Chest. Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern wandelte sich für einige Stunden in einen Ort der Piraten.
Jack Sparrow segelte für einmal unter der Flagge des KKL in Luzern. Das Orchester begeisterte junge wie alte Zuschauende.
Bild: zvg

Im Film “Pirates oft he Caribbean Dead Man’s Chest” geht es um ein etwas düsteres Piratenabenteuer, in dem der Pirat Jack Sparrow (Johnny Depp) die Hauptrolle spielt. Im Film hat jeder Charakter seine eigene Musik. So ist die Melodie für Jack Sparrow locker, zeigt aber an gewissen Stellen, wie verwirrt dieser teilweise ist. Weiter kann man in diesem Thema auch die Abenteuerlust und die Gleichgültigkeit gegenüber Gefahren hören.

 

Die Crew des Feindes von Jack Sparrow bekam eine etwas düstere Melodie, passend zum Aussehen und den dunklen Absichten. Wenn diese Crew vorkam, so war vor allem das Bassregister, die Perkussion oder die Orgel gefordert. In diesen Melodien waren vor allem die Skrupellosigkeit und die Angstlosigkeit zu hören. Mit speziellen Klängen, viel Gesang und sirenenähnlichem Ton wurde später im Film die Hellseherin angekündet. Der Chor untermalte so einige etwas unheimliche und ungewisse Szenen und verlieh dem Zuschauer noch etwas mehr das Gefühl der Verunsicherung.

Trommeln für die Kannibalen

Ein Teil des Filmes spielt auf einer Insel mit Kannibalen. Diese wurden musikalisch in einer Mischung aus Orchestermelodie, dem Gesang der Pelegostos und Trommelrhythmen dargestellt. Diese fein aufeinander abgestimmte Mischung liess niemanden ruhig auf dem Sessel sitzen, so dass alle Zuhörer sich mitten im Geschehen fanden.

 

Dieses Filmkonzert begann nicht beim Ertönen des ersten Tones des Orchesters, sondern bereits vor dem Konzertsaal. Für Gäste, die ein spezielles Arrangement gebucht hatten gab es in einer eindrücklich gestalteten Piratenwelt ein Abendessen. Das Publikum war gemischt, so sah man Alt und Jung an der Weltpremiere. Die Kleidung war dementsprechend sehr vielfältig: von normalen Alltagskleidern über einen klassischen Anzug, bis zu den passenden Jack-Sparrow-Kleidern.

 

Mehr Gefühle in Szenen mit der Livemusik

Es wurde dunkel im Saal, der Film startete und nach kurzer Zeit setzte das Orchester zum Film ein. Nach anfänglichen Temposchwankungen spielte das Orchester zeitgleich zum Film die Musik. Mit 200 Orchesterinstrumentalistinnen und Chorsängern war das 21st Century Orchestra & Chorus optimal besetzt für die Live-Bespielung des Films. Gewisse mit Musik untermalten Teilen bemerkte auch der beste Filmkenner erst beim Konzert. Live wirkten so einige Szenen nochmal ganz anders. So wurden zum Beispiel dramatische Ausschnitte noch viel dramatischer.

 

Wer nicht nur die Leinwand über dem Orchester im Blick behielt, sondern auch den Musikern zuschaute fand sicherlich Gefallen an der Perkussion. Es war eindrücklich, den Perkussionisten beim Spielen der verschiedenen Trommeln und Glocken zuzuschauen. Eindrücklich, weil zeitgleich mehrere Personen den gleichen Rhythmus auf den unterschiedlichen Perkussionsinstrumenten spielten.

 

Tortuga-Ensemble enttäuschend

Die Orgel, welche meist zur Untermalung des bösen oder der Vergänglichkeit spielte ging unter die Haut. Zusammen mit dem Chor entstand eine mystische und ungewisse Stimmung zugleich. Das lockere Streicherensemble, welches im Film auf der Pirateninsel Tortuga spielt machte am Konzert allerdings den Eindruck, dass jeder für sich selbst spielt und nicht so sehr jenen eines Ensembles. Die Töne, welche im Tonstudio hinzugefügt wurden, wurden an der Bespielung durch drei Synthesizer ersetzt, welche diese Effekte wie auf der CD spielen konnten.

 

Nach gut drei Stunden voller Konzentration und einem langen Abspann, der ebenfalls mit der Filmmusik bespielt wurde, wurden Musikanten mit einem kräftigen und sehr langen Applaus belohnt. Die Zuhörer verliessen das Kultur- und Kongresszentrum Luzern mit dem warmen Piratenfeeling. Ein Konzertprojekt, welches technisch und musikalisch sehr anspruchsvoll ist, wurde mit Überzeugung gemeistert.