Kultur | 11.12.2012

Intimer Folkrock im grossen Rahmen

Text von David Schneider | Bilder von zvg
Am Sonntag beehrte der Engländer und Folkmusiker Ben Howard ein weiteres Mal die Schweiz. Mit neuem Songmaterial im Gepäck trat er mit seiner Band im ausverkauften X-tra in Zürich auf.
"Ben Howard vermag auf allen sechs Saiten zu begeistern."
Bild: zvg

Bereits einen Monat vor Ben Howards Auftritt im Konzertsaal des Zürcher Hotels X-tra waren alle Tickets ausverkauft. Die Bekanntheit des von der englischen Ostküste stammenden Musikers hat seit seinen letzten beiden Schweizer Konzerten in Zürich und Lausanne merklich zugenommen. Im April hatte er einen ebenfalls ausverkauften Auftritt im Kaufleuten Zürich mit rund 1000 Besuchern. Am Sonntag waren 1800 begeisterte Fans vor Ort, als Ben Howard pünktlich um 21 Uhr die Bühne betrat.

 

Ein Höhepunkt als Einstieg

Nach einer kurzen, schon fast schüchternen Begrüssung, liess er es sich nicht nehmen, das Publikum gleich zu Beginn mit einem Höhepunkt zu überraschen. Es war der Song “Old Pine”, der alle Anwesenden in Jubel versetzte. Mit diesem treibenden und gleichzeitig mitreissenden Stück hatte er das Publikum sogleich für sich gewonnen. Die Leute dankten es ihm mit tosendem Applaus und Johlen. Schwierig diese Stimmung bis zum Schluss zu halten.

 

Doch Ben Howard weiss mit seiner ruhigen und sympathischen Art sein Publikum zu fesseln. Er hat seit dem Beginn seiner Karriere viel erreicht und ist doch der bodenständige Mensch geblieben. Dies widerspiegelt sich auch in seinen Auftritten. Die 1800 anwesenden Fans kamen in den Genuss von intimen Songs, welche teils von seinem Debütalbum “Every Kingdom”, teils von EPs stammten, welche er in seinen frühen Jahren veröffentlichte.

 

Von null auf hundert

Seit seiner Kindheit lebt der heute 25-jährige seine Liebe für Musik aus, zu welcher er durch seine Eltern kam. Dank ihnen lernte er die Musik von Künstlern wie Bob Dylan und Joni Mitchell kennen und schätzen. So kam es, dass Ben Howard sein Journalismusstudium sechs Monate vor seinem Abschluss abbrach, um sich voll und ganz auf seine Karriere als Musiker zu konzentrieren. Und das mit Erfolg: Seit 2011 ist er bei dem renommierten Plattenlabel Island Records unter Vertrag, zu welchem auch Künstler wie Tom Waits, PJ Harvey, Mumford & Sons und Amy Winehouse gehören, beziehungsweise gehörten. Durch diesen Schritt wuchs Howards Bekanntheit mit rasantem Tempo. Seine diesjährigen Konzerte innerhalb von Europa und auch den USA waren grösstenteils ausverkauft. Und seine aktuelle Tour mit der dreiköpfigen Band ist bereits bis Mitte Februar 2013 ausgebucht.

 

Songs mit Tiefgang

In Liedern wie “Black Flies”, “The Wolves” oder “Gracious” zeigt sich seine Passion für das Songwriting. Die Texte gehen ans Herz, machen einem nachdenklich. So ist es bei ruhigen Songs wie “Depth over Distance” mucksmäuschenstill in der ausverkauften Konzerthalle. Bei Stücken wie diesen zeigt sich das Spektrum, welches Ben Howard mit seiner Stimme abdeckt: Mal ruhig und klar, mal tief und wuchtig und beim musikalischen Höhepunkt angelangt laut und flehend. Seine Stimme ist eine Wucht, genauso wie sein beeindruckendes Gitarrenspiel. Beim Song “Under the same Sun” legt er sich seine Akustikgitarre auf den Schoss und verwandelt sie dank Tappingtechnik und Klopfen in ein Perkussionsinstrument, wie man es vom Folkmusiker Newton Faulkner kennt. Und als er für seinen neuen Song “Burgh Island” zur E-Gitarre greift, zeigt sich, dass Ben Howard auf allen sechs Saiten zu begeistern vermag.

 

Glücklich durch Musik

“Burgh Island” ist gleichzeitig auch der Name des neuen Kurzalbums, welches mit vier neuen Ohrwürmern auftrumpft. Die Lieder strotzen vor Intensität und laden zum Verweilen ein. Live im X-tra erfreuten sich die Fans ab dem neuen Material. Nur einzelne, leicht angeheiterte Personen wagten es die Stille zu brechen. Ausser natürlich am Ende jedes Stücks, da kam dem gutgelaunten Jungspund jeweils ein dankender Applaus entgegen. Und zur Freude aller Anwesenden schloss er sein Konzert nach zwei Zugaben mit dem lebensfrohen Song “Keep your Head up” ab. Dieser bringt es auf den Punkt: Den Kopf nach oben und das Glück des Lebens geniessen, mag kommen was wolle. Ben Howard möchte sein Glück nicht für sich alleine behalten, er teilt es mit dem Publikum durch seine Musik. Und so verlassen im Anschluss zahlreiche strahlende Konzertbesucher singend und summend das Zürcher X-tra.