Kultur | 04.12.2012

Der Saisonhöhepunkt für Meister der deutschen Sprache

Text von Manuel Kuhn und Samira Marti | Bilder von zvg
Vom 13. bis zum 17. November fanden die 16. deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften in Heidelberg und Mannheim statt. Es trafen sich Poeten und Poetinnen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Ein gelungener Anlass mit einer guten Mischung aus Unterhaltung und Ernsthaftigkeit, Gesellschaftskritik und Zukunftsglaube - alles mit einer beeindruckenden Aktualität und Qualität.
Der Sieger der diesjährigen deutschsprachigen Petry Slam Meisterschaften heisst Pierre Jarawan.
Bild: zvg

Poetry Slam zeugt von schwarzem Humor: Erfrischend unterhaltsam und trotzdem inspirierend. Das ist einer der Gründe, warum so viele Leute die Veranstaltungen der Meisterschaft besuchten: “Poetry Slam ist inspirierend. Die Texte erweitern meinen Horizont, sie regen mich zum Nachdenken an”, so ein Besucher aus Heidelberg. Und weiter: “Es ist toll, dass die deutschsprachigen Meisterschaften in Heidelberg und Mannheim stattfinden. Der Poetry Slam ist hier schon sehr verbreitet und es ist interessant, einen Einblick in die Texte der anderen deutschsprachigen Regionen zu erhalten. Ich sehe da grosse Unterschiede, zum Beispiel zur Schweiz.”

 

Auch Stefan Abermann, ein Slammer aus Österreich, sieht das so. “Poetry Slam ist in der Schweiz und in Österreich viel experimenteller. Die Texte sind oft ein wenig ‘urchiger’, leicht bizarr und schräger als die aus Deutschland. Ich mag die deutschsprachigen Meisterschaften, da hört man genau diese Unterschiede, und die machen es interessant. Die Meisterschaft ist eine grosse Party, ein grosses Klassentreffen der ganzen Szene, und das gefällt mir.”

 

Schweizerbeteiligung im U20-Finale

Die Schweiz war mit Dominik Muheim im Finale am Samstagabend vertreten. Ins Teamfinale schafften es Martina Hügi und Lara Stoll als Trio Logorrhö. Tolle Erfolge, doch für den Titel reichte es beiden nicht. Ins Einzelfinale schaffte es, nach Laurin Buser im letzten Jahr, dieses Mal kein Eidgenosse.

 

Im Publikum jedoch fanden sich aber einige Schweizerinnen. Vier junge Frauen treffen sich seit fünf Jahren jedes Jahr an den Poetry Slam-Meisterschaften. Es sei eine schöne Tradition, sagen sie. Die Frage, ob sie denn selbst auch Texte schreiben, verneinen sie einstimmig. Den Grund kennen sie selbst nicht richtig.  Auf die Frage, warum es denn ihrer Meinung nach so wenig teilnehmende Frauen gibt, meinten sie: “Es liegt eher im Naturell des Mannes, sich auf die Bühne zu stellen und zu unterhalten. Die Frauen schreiben viel durchdachter, meist über ernste Themen, die Texte der Männer sind spontaner, vielleicht etwas dreckiger. Verallgemeinern kann man das jedoch nicht, gute Beispiele dafür sind Lara Stoll oder Michèle Friedli.”

 

Gewonnen haben am Samstagabend im Finale Pierre Jarawan und in der Kategorie U20 Jule Weber. Im Team-Wettbewerb kam es zu einer Kopie des letztjährigen Finales‚ in welchem das Team Totale Zerstörung erneut gegen Allen Earnstyzz gewann. Somit feierte TTZ eine erfolgreiche Titelverteidigung.

 

Das Beste kommt noch

Nach vier Tagen Poesie vom Feinsten kann man es allen wärmstens empfehlen, sich die Zeit zu nehmen und einen Abend in die Welt des Poetry Slams einzutauchen. Es ist eine Reise in die Vielfalt und Magie der Sprache, die für jeden Sprach-Fan ein Ohrenschmaus sein dürfte.

 

Wir werden in den nächsten Tagen mit mehreren Zitaten vom Slam 2012 einen noch grösseren Einblick in diese moderne Dichterwelt gewähren.

 

 

Nächste deutschsprachige Meisterschaften


Die nächsten deutschsprachigen Meisterschaften werden im Herbst 2013  in Bielefeld und in Kiel veranstaltet. Zum ersten Mal wird die Kategorie U20 in Einzel- und Teamwettkämpfe getrennt. Der U20-Slam findet in Kiel vom 18. bis zum 21. September 2013 statt. Der Slam 2013 wird etwas später, vom 6. bis 9. November 2013, in Bielefeld vonstatten gehen.

 

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