Gesellschaft | 12.12.2012

Das spektakulärste iTunes für den maximalsten Spass

Text von Amadis Brugnoni | Bilder von Sabrina Schneider
iPod, iPhone, iPad und iMac. iCal, iMessage, iWorks und natürlich auch iTunes. Der Amerikanische Elektronikhersteller Apple wirft seine Tentakel weit und wünscht sich heimlich, dass jeder Mensch auf der Welt seine Produkte kauft. Weil dies jedoch von den Freunden Google und Samsung verhindert wird, denken sich die Forscher und Entwickler des abgebissenen Apfels eine andere Strategie aus: wieso verkaufen wir nicht einfach allen bisherigen Apple-Nutzern noch ein paar weitere Geräte?
"Features, die du kennst", weil Apple keine Ideen hatte.
Bild: Sabrina Schneider

“Stillstand ist der Tod” röhrt Herbert Grönemeyer ins Mikrofon. Ob ihn die Amerikaner in Cupertino hören, ist fraglich. Jedoch befassten sie sich mit dem exakt gleichen Gedanken und entschieden sich iTunes 11 zu veröffentlichen. Kurz zuvor warfen die Apfel-Entwickler nur so mit Produktneuheiten um sich. Nach Mountain Lion kam iOS 6, welches gleich auf dem neuen iPhone 5 und dem iPad ein Zuhause fand. Alles ist retina, unibody oder ultra-dünn und das schöne Wetter wurde abgeschafft und das Gewitter eingeführt: Thunderbolt und Lightning nennt Apple die neuen Schnittstellen, die die Menschheit grundlegend verändern sollen.

 

Alles wird mobil

iTunes 11 hält was es verspricht: alles ist anders und nichts ist gleich. Dies beginnt beim Logo und dem Erscheinungsbild und endet bei den Bedienelementen. Während wir eigentlich erwarten könnten, dass die mobilen Geräte immer mehr Funktionen der grossen Brüder übernehmen können, zeigt uns die Musik-Software des leuchtenden Apfels genau das Gegenteil. Ist ja auch logisch, denn der Konzern verkauft viel mehr mobile als stationäre Geräte und orientiert sich demnach an der Masse.

 

Bei den portablen Geräten macht es Sinn, die Bildschirmchen nicht zu voll zu packen, und man nimmt eine komplizierte Menüführung für einen besseren Bedienkomfort in Kauf.  Aber wieso muss man das nun auch auf dem Mac tun? Die Seitenleiste verschwinden komplett und so sind plötzlich für einfache Funktionen mehr Klicks als vorher nötig: zum Beispiel, um eine Wiedergabeliste abzuspielen oder um die geladenen Apps anzuzeigen.

 

Dünner, schneller, besser

Da Superlative in unseren sowohl kostenlosen als auch kostenpflichtigen Tagesblättern mittlerweile an der Tagesordnung sind, merken wir nicht einmal mehr, wie eindimensionale Werbetexte Einfluss auf uns nehmen. Apple bietet uns nicht nur die kleinsten und besten Geräte an, sondern auch die modernsten, die leistungsstärksten und die spektakulärsten Maschinen, die für den maximalsten Spass sorgen. Und diesen kann man nur haben, indem man sich für das fortschrittlichste Betriebssystem mit dem neusten iTunes entscheidet. Wer will auf so etwas verzichten?

 

Alles oder keines

Laut Apple, kommt Mountain Lion mit “Features, die du kennst, aber wie du sie noch nie erlebt hast” auf den Markt. Während der Leser des Textes Assoziationen mit seinem letzten Wellnessbesuch hat, bedeutet dies in Wirklichkeit aber nichts anderes als: “Wir hatten keine neuen Ideen und haben deshalb einfach alle Bedienelemente an andere Orte platziert.” Fortschritt bedeutet nicht immer zwingend, dass eine Verbesserung stattfindet. Und gerade in einer Branche, in der Kundenbindung eine äusserst grosse Rolle spielt, sind neue Features nicht zwingend an eine positive Weiterentwicklung des Produktes gekoppelt.

 

Durch Erneuerung und Veränderung wird der Kunde gezwungen, stets die neusten Modelle zu kaufen. Denn ohne mindestens OS X 10.6 gibt’s kein iTunes 11 und ohne iTunes 11 gibt’s dann kein iOS 7. Ist dieses angeschafft, muss auch ein neues Handy her, denn iOS 7 läuft nicht mehr auf dem iPhone 3GS. Wer also das eine will, muss zwingend das andere kaufen. Mit dieser Strategie entgeht Apple zwar laut Grönemeyer dem Tod, wird sich aber auf keinen Fall neue Freunde bei den Endverbrauchern machen.