“Ich würde Ueli Maurer voll auseinander schrauben”

Tink.ch: Juan Baba Uslender, du heisst eigentlich Granit Dervishaj. Wie ist es zu deinem Künstlernamen gekommen?

Juan Baba Uslender: Ich rappe  Ausländerdeutsch in meinen Songs. Und wer spricht Ausländerdeutsch? Das sind meistens die ausländischen Väter. Ich spreche in meinen Songs wie ein Vater zu seinem Sohn. Baba bedeutet Papa.

 

Väter wollen ihren Kindern die richtige politische Einstellung mitgeben. Wenn es nach dir geht, ist das alles ausser die SVP. Du singst in deinen Songs oft über Ausländerpolitik der SVP. Was willst du damit bewirken?

Weniger SVP-Wähler. Seit es mich, Baba Uslender gibt, gibt es weniger SVP-Wähler, das habe ich im Blick gelesen.

 

Stichwort Joiz. Du hast dort eine eigene Sendung seit einigen Monaten. Wie bist du zu diesem Job gekommen?

Ich sprach, nachdem Joiz mich mal eingeladen hatte, mit einem den ich dort kennenlernte und sagte, dass ich gerne mal im Fernsehen arbeiten würde. Er fand das eine gute Idee. Und da sie sowieso etwas geplant hatten mit Balkan, dachten sie sich, ich würde perfekt da rein passen.

 

Wenn du Ueli Maurer in deine Sendung bei Joiz einladen könntest, was würdest du ihn fragen?

Wenn ich ihn in meine Sendung einladen dürfte, dann würd ich voll auseinander nehmen mit Fragen. Ich würde ihn auseinander schrauben und fertig machen mit Fragen. All die SVP-Politiker stehen immer Schweizern gegenüber. Das ist nicht das Gleiche. Er sollte mal einem Ausländer gegenüberstehen und mit ihm diskutieren. Das wär mal was. Das müsste man ins Fernsehen bringen, wenn er sich mit einem Ausländer zu unterhalten hat. Aber Ueli Maurer lässt sich kaum irgendwo einladen. Roger Schawinski hat es mal geschafft und damals ist Maurer während der Sendung aufgestanden und hat das Studio verlassen. Das war, glaube ich, 1999. Aber es wäre natürlich eine coole Sache ihn mal in meine Sendung einzuladen.

 

Wenn du Ueli Maurer so gerne mit Fragen auseinandernehmen würdest und sowieso für alles ausser die SVP bist, wie stimmst du denn ab?

Ich gehe nicht abstimmen. Meine Mutter stimmt ab, das reicht. Ich gebe meinen Zettel meiner Mutter, sie stimmt das ab, was sie selbst auch abstimmt und dann ist gut. Ich interessiere mich nicht für Politik, ich interessiere mich nur für alles gegen die SVP.

 

Wenn du keine Zeit zum Abstimmen hast, gibt es sicher sonst einiges zu tun. Deine Youtube-Videos haben über eine halbe Million Klicks. Wie hast du es so weit nach oben geschafft?

Ich sage dir, Raufkommen ist schon schwierig, aber oben zu bleiben ist noch viel schwieriger. Deine Fans wollen dich raufbringen, aber sobald sie sehen du bist oben, dann musst du dafür schauen dass die Medien dich oben halten. Wenn du das etwa ein Jahr schaffst, und das hab ich jetzt dann bald geschafft, dann wirst du unvergesslich. Als ich das erste Mal in der 20 Minuten war haben alle gesagt: “Ein, zwei Monate dann hört man wieder nichts mehr von ihm”. Aber es hat bis jetzt angehalten, ich hab’s eben gut mit den Medien.

 

Facebook und Youtube waren dir bei deinem Erfolg eine grosse Unterstützung.

Auf jeden Fall, ich glaube ohne Facebook und Youtube hätte ich diese Karriere nicht geschafft – Ja zwar vielleicht doch, einfach mit Hilfe von Youtube. Schaffen kann man alles, wenn man die Motivation dazu hat.

“Bitte Spitte” war das erste Video und dann kam eines nach dem anderen. Ich habe den Kickass-Award gewonnen, dann kamen wieder neue Videos und dann gab es einen riesigen Hype. Zum Beispiel hat der Baustellen-Song innerhalb von einem Tag 15-˜000 Klicks erreicht bei Youtube. Ich hab einfach immer geschrieben die Leute sollen liken und teilen.

 

Was mögen denn die Leute so an dir und deiner Musik?

Ich denke, sie mögen meine Persönlichkeit im Allgemeinen. Die Leute finden mich lustig und sympathisch. Jaaa … Und vielleicht auch hübsch (lacht). Und ich denke, sie mögen das Authentische an meiner Musik.

 

Und dein Ausländerdeutsch? Nutzt du das, um möglichst viele Ausländer anzusprechen oder gehört es einfach zu Baba Uslenders Image? Als Granit Dervishaj sprichst du nämlich korrektes Schweizerdeutsch.

Ja natürlich gehört das auch zu meinem Ruf. Aber dieser Dialekt ändert sich auch von Track zu Track. Ich kann das einsteuern. Es ist wie eine Rolle, wie ein Schauspieler.

 

Du hast nie eine Ausbildung absolviert. Falls es nicht mehr klappt mit der Rapper-Karriere, was machst du dann?

Ja eben, keine Ausbildung, ich hab eigentlich nichts zu verlieren. Dann mach ich eben einfach etwas Neues.

Ich hab schon mit 12 Jahren gesagt ich werde ein Star. Und es hat geklappt. Ich sage immer, nichts ist unmöglich. You can get it if you really want. Solange ich Roger Schawniski als Vorbild habe kann sowieso nichts schief gehen. Ich weiss das viele Künstler nur einen Hit bringen und dann ist wieder fertig. Aber ich hab zu Hause sechs, sieben Songs bereit und ich weiss, dass sie gut sind. Schlussendlich geht es mir nicht darum jetzt einen riesigen Durchbruch zu haben, sondern viel mehr darum, dass die Leute zufrieden sind mit meinen Songs. Und auch ich zufrieden bin mit meinen Songs.

 

Von wegen Lebenspläne: Hast du eine feste Freundin? Möchtest du mal eine Familie gründen?

Ja ich habe eine Freundin, seit einem halben Jahr. Ja ich bin mir sicher, dass das für immer hält. Ich könnte mir auch vorstellen sie zu heiraten. Aber ich halte sie weg von der Presse, sie wird nie vor der Kamera stehen. Ich möchte, dass sie frei herumlaufen kann. Und ja ich möchte unbedingt eine Familie gründen. Schliesslich bin ich 22, es wird langsam Zeit. Zwischen 22 und 26 ist der Zeitpunkt um zu heiraten und solche Sachen zu machen. Dann muss ich nicht mehr mit 50 ein Kind gross ziehen. Also spätestens mit 25 möchte ich Kinder.

Schwarze Umhänge und lebende Legenden

Weisse Gesichter, schwarze Umhänge: Die Performance von Powerwolf war mehr als die Musik, die Band wollte ihren Auftritt kurzerhand in eine diabolische Messe verwandeln. Ihr Horror-Konzept missglückte beim Publikum jedoch gänzlich, denn am späten Nachmittag waren die Gäste noch nicht bereit, sich auf ein derartiges Experiment einzulassen. Man vernahm verächtliche Aussagen: “Ist doch lächerlich!” Die deutsche Power-Metal-Band interessierte das nicht, sie mehr versuchte umso mehr, die Stimmung umzulenken und mit Songs wie “Erection by Resurrection” die Halle einzuheizen.

 

Klassisch geprägte Musik aus den Niederlanden

Eine Frau und fünf langhaarige Männer, die während des ganzen Konzerts headbangen: Das sind Epica. Ihr kurzer Auftritt – gerade einmal 45 Minuten am frühen Abend – stellte bereits den Höhepunkt der Veranstaltung dar.

 

Die niederländische Band pflegt einen ganz besonderen Musikstil: Sie verbindet klassisch geprägte Musik mit Metal. Im Zentrum von Epica steht die markante Stimme von Sängerin Simone Simons. Die 27-Jährige nimmt schon seit klein auf klassischen Gesangsunterricht. Gegründet wurde Epica 2002 von Gitarrist Mark Jansen, welcher damals mit Simone in einer Beziehung war.

 

Vorreiter im Symphonic Metal

Während der kurzen Dauer taute das Publikum trotz der sehenswerten Performance kaum auf. Für die an bekannten klassischen Werken angelehnten Lieder wie “Dies Irea” oder “Adagio” (Giuseppe Verdi bzw. Antonin Dvorak) blieb keine Zeit mehr, obwohl sich so mancher wohl darauf gefreut hatte. Dem Genre “Symphonic Metal” wurde Epica mit Liedern wie “Sancta Terra” dennoch gerecht.

 

Das sogenannte “Symphonic Metal” bildet ein Subgenre des Metal und tritt seit etwa Ende 90er-Jahre immer mehr in Erscheinung. Weitere bekannte Vertreter dieses Genre sind etwa Nightwish oder Within Temptation.

 

Epica mit Musik von Vivaldi bis Metal

Im Mai 2012 veröffentlichte Epica ihr fünftes Studioalbum “Requiem for the Indifferent”. Im Album ist die Tendenz von Epica zu orientalisch gefärbter Musik stark zu verspüren. Mehrmals trat Epica auch schon mit einem Chor oder einem Orchester auf. Das ganze Album “The Classical Conspiracy” wurde in Ungarn am Miskolc Opera Festival mit einem 40-köpfigen Orchester und einem 30-köpfigen Chor aufgenommen. Etwa die Hälfte des Albums besteht aus Interpretationen bekannter klassischer Musik aus Filmen oder Opern. So wurden etwa ein Presto (Antonio Vivaldi) oder ein Pirates-of-the-Carribbean-Medley mit Goth-Metal-Elementen versehen. Das ganze Album gilt als eines der Vorzeigebeispiele für Symphonic Metal und eine perfekte Übersetzung von klassischer Musik von Händel bis Vivaldi in die Neuzeit des Rock.

 

Viel Ausdauer, wenig Kreativität

“Nach Epica kann ich wieder nach Hause gehen”, sagte eine Festivalbesucherin. Wir schüttelten erst den Kopf, um während des Motörhead-Konzerts zu realisieren, dass sie richtig lag: Der Frontmann Lemmy Kilmister stand mit seinem Cowboy-Hut vor das Mikrofon und blieb dort für den Rest des Auftritts genauso angewurzelt auf der Bühne stehen wie das Publikum davor.

 

Später kam es zwar zum obligatorischen Pogo in der Mitte der Menge. Dies lag jedoch eher am fortgeschrittenen Bierkonsum denn an den immergleich klingenden Songs, die Motörhead zwar laut, aber teilnahmslos von der Bühne herunterleierte. Das Trio, welches sich als lauteste Band der Welt bezeichnet, tourt seit beinahe vier Jahrzehnten um die Welt und zählt zu den langlebigsten Vertretern des harten Rock-Genres. Ohne Auszeit veröffentlichen sie etwa alle zwei Jahre ein neues Album. Ihr Mix aus Heavy Metal, Hard Rock, Blues Rock und Punk wird charakterisiert durch seine Basslastigkeit. Nach anfänglicher Erfolglosigkeit hatte Motörhead zwischen 1979 und 1982 ihre kommerziell erfolgreichste Phase.

 

“We are Motörhead and we play Rock’n’Roll!”

Gegen Mitte des Konzerts rief Frontmann Lemmy Kilmister mit heiserer Stimme denn auch den bekannten Satz ins Mikrofon: “We are Motörhead and we play Rock’n’Roll!” Das Publikum entgegnete ohrenbetäubendes Geschrei, und für einmal schien die Menge komplett aufgewacht zu sein. Die lange Tradition einer legendären Rockband aus dem vergangenen Jahrtausend vermochte doch noch zu begeistern.

 

Erfrischende Durchmischung, kühle Stimmung

Positiv in Erinnerung bleibt die erfrischende Durchmischung der verschiedenen Metal-Subgenres. Das Durchschnittsalter des Publikums lag deutlich über 30 Jahren, verbunden wohl auch mit dem doch eher hohen Eintrittspreis von rund 90 Franken. Dies war auch an der Stimmung spürbar, die wohl fast so kühl war wie die Luft in der Konzerthalle an diesem verschneiten Wintertag. Ein “Festival” war es auf jeden Fall nicht. Ob “Taifun Music” die Veranstaltung nach 2010 und 2012 in einem der kommenden Jahre erneut durchführt, ist noch nicht bekannt. Fest steht: Wer ein echtes Metalkonzert erleben möchte, sollte eine andere Veranstaltung besuchen.

Wo das Fest der Liebe heute steht

Sie sind kaum zu übersehen und zu überhören:  Die Mittel um sich auf das schönste Fest des Jahres – Weihnachten – einzustimmen. Die “Christmas Lights” können nicht zu bunt sein, das Blinken nicht zu schnell und die beleuchteten Flächen erst Recht nicht zu gross! Dazu kommen noch die teuersten Geschenke mit dem auffallendsten Geschenkpapier umwickelt, weil deine Liebsten natürlich nur das Beste verdient haben. Ganz zu schweigen vom grössten Festessen des Jahres neben dem schönsten Christbaum, den es zu kaufen gab, am Fest der unendlichen Liebe – wohl auch zum Reichtum. Das Fest der Bescheidenheit hat sich zum Fest der Superlative entwickelt! Ich denke‚ es ist für uns eine Zeit angekommen in der wir es vielleicht doch ein Bisschen übertreiben.

 

Alles nur Schein?

“Alle Jahre wieder” strotzen die Schaufenster nur so vor Prunk. Der Schmuck in den Glasvitrinen, mit der übertrieben lächelnden Verkaufsdame dahinter, glitzert und die Banken und Kaufhäuser können sich vor der vielen Arbeit kaum noch retten.  Viele gestresste Leute mit gierigen Blicken sind zu sehen, wie sie vom einen Kaufhaus zum nächsten rennen. Es ist Weihnachtszeit! Ja, genau die Weihnachtszeit mit den glücklichen Menschen in jeder Werbung, in der es auch nur im Entferntesten um Weihnachten geht, ist damit gemeint. Und ja, auch genau die Weihnachtszeit, in welcher das Zusammensein mit der Familie doch am Wichtigsten sein sollte, meine ich.

 

Weihnachtslieder bereits im November – wunderschön oder einfach nur nervig?

Ob im Einkaufszentrum, beim Autohändler oder im Schwimmbad, man kann sich momentan kaum noch retten vor Songs wie “Last Christmas”. Habe ich mich vor ein paar Jahren noch gefreut, als ich das erste Mal wieder zu Paul McCartney’s  “Wonderful Christmas time” mitsingen konnte, hoffe ich heute,  “Rudolf, the Red-Nosed Reindeer” würde sich verfliegen und Mariah Carey würde erst wenn der Schnee tatsächlich leise rieselt lauthals aus dem Radio schreien: “All I want for Christmas is you!” Und wenn dann auch noch George Clooney bereits Mitte November in der neuen Nespresso-Werbung eine Samichlausmütze trägt, beginne ich mich doch langsam aber sicher zu fragen, ob das wirklich nötig ist.

 

Immer teurer und immer grösser!

Es ist ja wirklich süss, diese ganze Romantik überall in der Weihnachtszeit. Aber ist es nicht so, dass man fast gezwungen wird, seinem Romeo oder seiner Julia auf irgendeine Art und Weise in dieser Zeit zu beweisen, dass man ihn oder sie auch wirklich liebt? Und ist es nicht so, dass es viele Momente im Jahr gibt, an denen dies viel wichtiger wäre? Klar, romantischer als zum Beispiel das Osterfest ist Weihnachten allemal. Das Kerzenlicht scheint, Maria und Josef stehen eng umschlungen neben der Krippe und dazu wird man von seinem ach so romantischen Partner auch noch mit einem Geschenk “überrascht”.  Wobei es überraschen nicht mehr wirklich trifft. Überraschen kann in der Weihnachtszeit nur noch, wer immer Grösseres und Teureres schenkt, so scheint es. Wie lange dauert es wohl noch, bis wir nicht mehr versuchen werden die Weihnachten im Jahr zuvor immer wieder zu toppen?

 

 

Vier Tipps für die Weihnachtszeit


Erstens: Inmitten der gestressten Weihnachtsgesellschaft kurz stehen bleiben, sich nur auf die vielen strahlenden Weihnachtsbeleuchtungen achten und diesen Moment der Ruhe einfach geniessen. Zweitens: Weihnachtsguetzli zu kaufen grenzt an eine Sünde! Lieber selber machen und mit extra viel Schokolade verzieren. Drittens: Die Weihnachtszeit ist vor allem die Zeit der Kinder. Es ist aber auch Erwachsenen erlaubt, einen Schneeball zu werfen oder einen Schneemann zu bauen. Und Viertens: Das Weihnachtsguetzli, welches dir deine Freunde anbieten annehmen, egal, ob du 20 Gramm zunimmst oder nicht.

 

Wenn 90 Prozent des Publikums nichts versteht, aber trotzdem Spass hat

Mitten im kleinen Stuttgarter Vorort Fellbach steht ein Gebäude, das von aussen an eine Sternwarte erinnert. Nur die Kuppel fehlt. Des Weiteren scheint das “Polygon” keinen einzigen rechten Winkel in seiner Baustruktur zu haben, auch innen nicht. Ein rotes Schild gibt schliesslich Aufschluss über die Bestimmung des seltsam anmutenden Bauwerkes: “Jugendhaus Fellbach”. Vor 25 Jahren wurde zum ersten mal in dieses Haus eingeladen und noch heute pilgern junge Bühnenbegeisterte Jahr für Jahr zur “Bunten Bühne”. Während jedem von fünf Tagen werden zwei oder drei Stücke aufgeführt und jedes davon in einer Diskussion mit allen Teilnehmern nochmal aufgenommen. Dabei kommen die erstaunlichsten Gedanken und Geschichten zu Tage. Zum Beispiel dürfen Frauen im Irak auf der Bühne stehen, müssen aber dabei Perücken tragen. Es wäre zutiefst unsittlich, ihre echten Haare zu sehen.

 

Fünf Sprachen

Bunt ist eine treffende Beschreibung des ganzen Festivals. Der Besucher stösst auf eine kunterbunte Mischung aus Nationalitäten (Russland, Litauen, Frankreich, Armenien, Polen, …) und dementsprechend auch Sprachen, aber auch auf verschiedenste Erfahrungsniveaus, Gruppen und Arten, Theater zu machen. Spielte um 12 Uhr noch eine freie Jugendgruppe aus Litauen, performen um 20 Uhr fünf Schauspielstudentinnen aus Armenien auf derselben Bühne. Da alle eingeladenen Stücke eigentlich für das jeweils heimische Publikum ausgelegt sind, wird auch in den verschiedensten Sprachen gespielt. In rund zwei Dritteln der Stücke wurde Deutsch, Englisch oder Französisch gesprochen, bei den übrigen verstand der grösste Teil des Publikums nur einzelne Wörter. Erstaunlicherweise ist das gar nicht so schlimm. Durch die fremde Sprache und die ungewohnte Art des Theaters bleibt es spannend. Wer sich darauf einlässt, erfährt Bühnenkunst aus einem ganz neuen Blickwinkel, etwas ganz anderes, als das, was auf den deutschen Bühnen gezeigt wird.

 

Die Schweiz ist mit dabei

Das Junge Theater Solothurn (JTS) fuhr in diesem Jahr zum zweiten Mal zur “Bunten Bühne”. Für Andreas Schmidhauser, Leiter des JTS, bietet das Festival Essentielles für Jugendliche, die Theater machen. “Um Solothurn gibt es wenig Möglichkeiten, auch mal zu schauen, was andere junge Theater machen. Theater heisst immer auch, Neues zu suchen und zu entdecken und sich selbst und andere kennenzulernen. In Fellbach bietet sich die Möglichkeit für all das.” Mit “Creeps” zeigten die Schweizer ein Stück mit vergleichsweise kleiner Besetzung: Nur vier Akteure bestritten fünf Viertelstunden Spiel. Die grösste Truppe in Fellbach umfasste wohl rund ein Dutzend Jugendliche.

 

Schauspielerei verbindet, …

Es ist ein sehr bereicherndes Treffen, das sich den Teilnehmern bietet. Dadurch, dass die Veranstalter voraussetzen, für so viele Festivaltage zu bleiben wie nur möglich, können alle Angereisten viele Stücke sehen und haben ausreichend Zeit, wirklich Bekanntschaft untereinander zu machen und sich auszutauschen. Die verschiedenen Darbietungen und Workshops lassen keinen Mangel an Gesprächsstoff aufkommen. Zusammen mit einer gewissen Kontaktfreudigkeit, die alle jungen Theaterleute verbindet, fühlt man sich frei, direkten Kontakt mit denjenigen zu suchen, die interessant sind, deren Auftritt toll war oder die einem mal eben angelächelt haben. In Kombination mit einer gewissen Abschottung nach aussen, entsteht ein kreativer Schmelztiegel, der inspiriert und Freundschaften begründet.

 

… Englisch auch.

Ohne Englisch ginge aber nichts. Weil jeder kommunizieren will und Englisch am weitesten verbreitet ist, scheut keiner, von seinen Fähigkeiten Gebrauch zu machen, selbst wenn er Hände und Füsse zu Hilfe nehmen muss.

 

Und so kommt es, dass eine Russin, zwei Deutsche, zwei Franzosen und ein Schweizer auf drei Sofas landen und sich über den Weltuntergang unterhalten. Eines steht fest: Ginge sie unter, wäre es wirklich schade um das Festival “Bunte Bühne”.

Youropixel – Foto-Camp von YoungCaritas im Kosovo

30 Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern sind nach Prizren (Kosovo) gereist, um gemeinsam ein Projekt zu realisieren. Organisiert wurde der interkulturelle Austausch in einer Zusammenarbeit zwischen youngCaritas Schweiz, Italien und Österreich. Jugendliche sollten sich in einem Camp mit dem Thema interkulturelles Verständnis, ihrem Bild von Europa und den Erfahrungen im Austausch mit anderen auseinandersetzen. Während  einem zweiwöchigen Aufenthalt im Kosovo lernten sie sich gegenseitig kennen und diskutierten über ihre Ansichten und Erfahrungen, während sie an verschiedenen Workshops teilnahmen. Im Zentrum stand die Frage, was uns in Europa lebende Personen miteinander verbindet, wenn schliesslich alle Vorurteile weggefallen sind. Zu sehen ist dies nun in einer Fotoausstellung unter dem Titel “Youropixel – Kuhschweizer, Spaghettifresser, Hinterwäldler – was übrig bleibt, wenn du deine Vorurteile loswirst” in der Sentimatt, Luzern.

 

Wir alle haben Ängste und Träume.

Jede Fotografie wird von einem Text begleitet. Ein Bild zeigt eine Frau, auf dem Boden kniend, ihr Kopf ist vorüber gebeugt und liegt auf den Händen. Das Thema des Bildes ist Verlust. Der Text dazu sagt: Wir alle haben Angst davor, jemanden zu verlieren, den wir lieben. Die Aussage verdeutlicht dabei, dass es keine Rolle spielt, woher wir kommen. Solche Gefühle können wir alle miteinander teilen.

 

Reaching – Arritja – Streben – Aspirer à  quelque chose – Raggiungere

“Wir alle haben Wünsche, Träume und Ziele. Mit unseren eigenen Händen gestalten wir unsere eigene Zukunft, indem wir nach Unabhängigkeit, Zufriedenheit und Akteptanz greifen.” Die Begleittexte zu den Bildern sind in mehrere Sprachen übersetzt worden. Es handelt sich um die sechs Sprachen aus den Herkunftsländern der verschiedenen Teilnehmer. Im Blog, der von der Reise berichtet, erzählen sie, dass es keine leichte Aufgabe war, die einzelnen Texte zu übersetzen. Obwohl die Sprache manchmal eine Grenze bildet, haben die Jugendlichen dennoch gezeigt, dass es Dinge gibt, bei denen es möglich wird, an ein grösseres Ganzes zu denken.

 

Hoffnung

Eine davon ist die Hoffnung eine hellere Zukunft zu haben. Auf einem Bild sieht man ein altes Fenster, durch das Licht hineinflutet. Dahinter steht eine Person und blickt hinaus. Sie zeigt mit dem Finger in die Ferne. Dieses Foto wurde in einem Schulgebäude aufgenommen, welches durch einen Krieg zerstört wurde. Dabei verlor die Jugend ihre Chance auf Bildung. Zurück bleibt einzig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

Wir alle gehen unseren Lebensweg, der voll mit Begegnungen ist

Allen gemeinsam sind nicht nur Gefühle wie Hoffnung und Angst oder das Träumen, sondern auch die Begegnung. Durch die vielen Möglichkeiten, die wir heute haben, begegnen wir Menschen von anderem kulturellen Hintergrund weit öfter, als es früher der Fall war. Dies ist eine Chance, gemeinsam eine Zukunft gestalten zu können. Unter einem Foto steht: Manchmal gehen wir ein Stück gemeinsam und manchmal entscheiden wir uns sogar, unser Ziel zusammen zu erreichen.

 

 

Informationen


Die Fotoausstellung wandert derzeit durch verschiedene europäische Städte und Schulen. Zu sehen war sie bisher in Basel und Luzern. Informationen darüber, wo sie als nächstes stattfinden wird, gibts auf dem Youropixel-Blog. (www.youropixel.wordpress.com)

 

 

Links

Bringt Liebe in die Welt

Was sind die zwölf Dinge, die ein Mensch in seinem Leben unbedingt gemacht haben sollte? Es ist gar nicht so einfach, solch eine Liste zusammenzustellen. Vor allem, wenn man bei der Nummer zwölf angekommen ist. Etwas letztes, das man vor dem Weltuntergang getan haben muss. Nach reichlichem Überlegen und Listen erstellen bleibt nur eine Sache übrig: Ich muss Liebe verteilen.

 

Fremd und doch ganz nah

Mit einem Pappschild in der Hand stehe ich am Hauptbahnhof. Auf der einen Seite steht in Grossbuchstaben “FREE HUGS”, auf der anderen “GRATIS UMARMUNG”, für alle Menschen ohne Kenntnisse der englischen Sprache. Um die Buchstaben schlingen sich Blumenranken, Luftballons und Herzchen. Ich fühle mich wie ein Hippie. Und dazu noch ziemlich unwohl, denn viele Leute mustern mich mit abfälligen Blicken. Doch plötzlich fällt mir jemand in die Arme. Ohne ein Wort zu sagen geht er nach der Umarmung wieder seinen Weg. Viele andere folgen, ich umarme zahlreiche Frauen, Männer und Kinder. Und ich werde umarmt. Es gibt kurze, lange, innige, oberflächliche, kurz gesagt zig Formen der Umarmung. Eines haben sie alle gemeinsam. Irgendwie machen sie die Menschen ein bisschen wärmer, ein bisschen freundlicher, ein bisschen lächelnder.

 

 

Ein schwieriges Geständnis

Nachdem ich nun ganz viel Fremde mit Zuneigung beglückt habe, stelle ich mich einer schwierigeren Aufgabe. Vor dem Weltuntergang möchte ich den mir wichtigen Menschen in meinem Umfeld sagen, wie sehr ich sie mag. Manchmal ist das gar nicht so einfach. Man ist so verletzlich, wenn man seine Gefühle offenbart. Und doch sollte man dieses Wagnis eingehen. Denn obwohl ein Freund oder Familienmitglied vermuten kann, dass ich es gerne habe, ist die Aussprache einer Tatsache etwas anderes als eine blosse Vermutung. Ausserdem tut es so gut, den Satz “Ich mag dich” zu sagen. Er zaubert ein Strahlen auf die Gesichter, wie man es sonst selten sieht.

 

Die Weltverbesserer?

Mir ist klar, dass ich mit den Worten “Ich mag dich” oder einer Gratis-Umarmung die Welt nicht wirklich verändere. Beides hilft weder gegen Hunger noch gegen Arbeitslosigkeit oder Krankheiten. Aber diese Worte und Taten bewirken, dass sich ein Mensch besser fühlt. Wenn nur ein einziger der hundert Umarmten gute Laune gekriegt hat, war es das wert. Wenn sich nur schon einer meiner Freunde wegen meinem Satz ein kleines Bisschen besser fühlt, ist es das wert. Und ich kann beruhigt am Abend des 20. Dezember schlafen gehen. Denn durch die gezeigte Zuneigung ist die Welt ein kleines Bisschen liebevoller geworden. Und ich habe meinen Frieden gefunden.

 

 

Zur Serie


 

Dieser Artikel ist der zwölfte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

Jung und frisch für eine saubere Zukunft

Eine Sechser-WG in der ehemaligen Tankstelle Nidau steht in Biel momentan im Zentrum, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Die sechs Freunde wohnen nicht nur seit 2004 gemeinsam in der Wohngemeinschaft, sondern sind auch alle Teil des Verein Fair. Mit diesem setzen sie sich seit dessen Gründung im August 2011 für nachhaltigen Konsum ein. Durch Vereinsprojekte und -veranstaltungen sollen nicht nur Einzelpersonen angesprochen werden, sondern auch Organisationen für die Ideen rund ums Thema Nachhaltigkeit gewonnen werden. Dabei handeln sie nach dem Grundsatz “Von Jungen, für Junge”. Der Verein tritt in der Öffentlichkeit frisch und modern auf.

 

Gemeinsam für Nachhaltigkeit

“Mit dem Verein möchten wir Projekte entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen”, erklärt der Vereinspräsident Cyril Romann. Er gehört mit seinen 27 Jahren zu den ältesten Mitgliedern des Vereins, allein Vorstandsmitglied und Jugendarbeiter Loïc Roth hat mehr Jahre auf dem Buckel. Der Jüngste in der Runde ist Remo Widmer, 25 Jahre jung. Neben seinem Beruf als Liegenschaftsverwalter ist er das Sprachrohr des Vereins und zeigt als Musiker und Entertainer, dass er die Leute auch bei heiklen Themen mit einer angebrachten Lockerheit ansprechen kann. Ein Beispiel dafür ist das vom Verein gestützte Projekt “Biel tanzt”, welches jährlich im Rahmen der Bieler X-Days durchgeführt wird. Dahinter steckt ein Tanz-Workshop der besonderen Art, der mittlerweile zum festen Programm der Bieler Jugendtage rund ums Thema Sport, Freizeit und Musik gehört. Sein Ziel ist es, Jugendliche verschiedenster Herkunft zusammenzubringen und mit ihnen gemeinsam einen Tanz-Flashmob vorzubereiten. Dieser wir zum Schluss an den X-Days öffentlich aufgeführt. “Wir wollen mit diesem Projekt die Jugendlichen ansprechen und ihnen zeigen, dass eine kleine Sache mit ganz vielen Leuten zusammen grosse Auswirkungen haben kann”, erzählt Remo Widmer. Die in Eigenregie erarbeitete Musik für Biel tanzt wird durch Widmers Raptexte mit sozialer Botschaft ergänzt.

 

Fair und cool zugleich

Bei all seinen Projekten setzt der Verein neben Nachhaltigkeit auch auf Respekt, Gleichberechtigung und Transparenz. Diese Werte repräsentiert er in Form von Öffentlichkeitsarbeit auf verschiedensten Plattformen. Dank der Zusammenarbeit mit den Bieler X-Days, die 2012 neben dem Tanz-Flashmob auch die Erarbeitung eines nachhaltigen Organisationskonzepts beinhaltete, konnten der Verein beispielsweise die Jugendlichen in Form einer Mediashow zum Thema nachhaltiger Konsum sensibilisieren. Zudem war das junge Team während dem gesamten Anlass mit einer “Green Patrol” vor Ort. Diese sorgte punkto Abfalltrennung für Ordnung und informierte die Besucher über die Ziele des Vereins Fair. Durch diesen vorbildlichen Einsatz erlebte das umtriebige Team dieses Jahr eine grosse Überraschung: Der Event X-Days 2012 wurde von Swiss Olympic zu einem der nachhaltigsten Sportevents des Jahres ausgezeichnet und erhielt als Belohnung den Ecosport Award. “Diese Anerkennung für unsere Leistung gab uns die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und nebenbei konnten wir erst noch wichtige Kontakte knüpfen”, so Remo Widmer gegenüber Tink.ch. Als wäre eine Auszeichnung alleine nicht überraschend genug, gewann das Sechsergespann aus Nidau Anfang November den Fairtrade Award von Max Havelaar und Young Caritas. Diese in Luzern verliehene Auszeichnung bekam der Verein für sein aktuelles Projekt “Bar” überreicht, welches den schweizweit ersten und komplett nachhaltig funktionierenden Barbetrieb vorsieht.

 

 

Jede und jeder kann mitmachen

Damit der Verein Fair auch in Zukunft Erfolge und Fortschritte erzielen kann, setzt er neben der Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Organisationen auch auf Vereinsmitglieder. Die zurzeit rund 80 Personen werden nicht nur über anstehende Projekte informiert, sondern je nach Anlass auch als freiwillige Helfer mit einbezogen. So säuberte das Team vom Verein Fair in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen in Biel die Schüss von Abfall jeglicher Art. Neben Fahrrädern und 150 Kilogramm Alteisen vom Grund des Flusses fand man durch diese Aktion auch neue Interessenten und zeigte einmal mehr, dass Nachhaltigkeit neben Lebensqualität auch Gemeinschaft mit sich bringt.

“Falls jemand den Sinn des Lebens gefunden hätte, hätten wir das sicher gemerkt”

Auffällig oft sprachen vor allem die jüngeren Teilnehmenden von der Verzweiflung angesichts der Komplexität der globalisierten Welt und die Resignation, die sich dabei einstellt.

 

Als ich ein Jahr alt war, lernte mir mein Vater gehen. Und trotzdem brauchte ich weitere zwanzig Jahre, um auf eigenen Beinen zu stehen.  Und dann steht man da und sieht sein Leben fröhlich an einem vorbeilaufen. – Moritz Neumeier

 

Denn nach zehntausend Jahren sind wir immer noch Uhrzeitmenschen, und wir müssen und müssen und müssen. Wir sind machtlos gegen die Rädchen der Zeit, und du rennst der Zeit davon. – Tes Fu

 

Es gibt so viele Dinge, die ich schon immer mal tun wollte. Wenn die Leute am Morgen alle in den Zug drängen, möchte ich schreien: “Keine Angst, wir passen alle hier rein, ich habe gehört, der Zug sei innen hohl!” Und die Ampel wird auch nicht schneller grün, wenn ich die ganze Zeit auf den Knopf drücke. – Tom Schildhauer

 

Was ist die Hauptstadt von Frankreich? Geometrie war noch nie mein Ding. – Tilman Döring

 

Der grösste Makel der Gesellschaft ist die Moral. Ich schalte RTL2 ein und denke: So krank kann doch kein Mensch sein! Und dann geh ich auf die Strasse und denke: Okay, es geht noch schlimmer. Ich sag mir immer, man muss einfach der sein, den man ist. Und dann kuck ich in den Spiegel und denke: Nein, lieber nicht. – Sushi da Slamfish

 

Wir schreiben immer nur zweite Auflagen, denn erste Worte fallen uns schwer. Denn die meisten Leute machen kleine Schritte, weil sie die Hosen voll haben. – René Sydow

 

“Und er stapelt Gabeln und Gabeln und Gabeln, bis er den Löffel abgibt”

Grundschule, Gymnasium, Studium und Arbeit bis zur Pensionierung. Lernst du noch oder lebst du schon? Unsere westliche Leistungsgesellschaft hinterfragt sich inmitten des hektischen Alltags viel zu selten. Seitenlange To-Do-Listen, permanente Erreichbarkeit – Max Webers “Geist des Kapitalismus”, der unsere Gesellschaft beherrscht, muss mit Sorge und Kritik beobachtet werden. Ein überaus amüsantes Liebeslied an die Arbeit, gehört an einer Vorrunde in Mannheim. Es lässt lächeln und zeigt einmal mehr, dass mit einer Portion Humor alles nur halb so schlimm ist.

 

Oh Arbeit, oh Arbeit, ich glaube, ich liebe dich. Du findest es geil, wenn ich zu früh komme, so früh wie es nur geht, und willst trotzdem, dass ich bleibe, bis nichts mehr steht. Meine Brille ist nicht rosarot, sondern ultraviolett. Würde ein Konjunktiv, aber Arbeit nicht. Du bist der Grund, warum ich nicht an Gott glaube, denn er hat nur sechs Tage gearbeitet. Oh Arbeit, du hast nie deine Tage, ausser am Tag der Arbeit. – Robin Mesarosch

 

“Typen wie ich lieben Typen wie mich”

Trotz Globalisierung, Kapitalismus, Steuerstreit, Klimawandel, Leistungsgesellschaft – die Liebe ist ein generationenübergreifendes Mysterium, die Poeten und Poetinnen inspiriert. Zwischen höchster Euphorie und tiefster Verzweiflung, ob aussichtslos oder hoffnungsvoll, ob erwidert oder nicht, die Bühne gehört dem Authentischen. Ob vierzig oder achtzehn Jahre alt, die Gedanken und die Verwirrungen bleiben dieselben.

 

Ich nahm mein Herz und verschenkte es gratis auf dem Jahrmarkt. – Tobias Gralle

 

Wir sitzen im Café und spielen Schach mit unseren Worten. Nach dem ersten Zug bitte ich um Zeit, ringe mit der Entscheidung. Wir sind nicht Herr der Lage, die Lage ist Herr von uns. Das erste Mal haben wir uns verrannt, das hat Spass gemacht. Und nun versuchen wir es ein zweites Mal, mit weniger Ziel und mehr Elan. Aber bei diesem Schachspiel werden beide verlieren, Ich das Du, Du das Wir. Ich habe die Hoffnung auf ein drittes Mal, du weinst und verneinst. Und wir sitzen im Café und spielen Schach mit unseren Worten. – Manuel Thielen

 

Ein Tag wie jeder anderer, obwohl jeder ein anderer ist. – Sven Gotze

 

Sag mir Bescheid, wenn du mich liebst. Ich liebe dich. Aber ich kann’s dir nicht versprechen. Vor dir habe ich mich immer versprochen. Ich habe mich dir schon immer versprochen. Liebe macht blind, denn ich hab eine gute Fantasie. Und wie paradox ist es eigentlich, in Luftschlösser unterzutauchen? Wenn du vor Wegen stehst, von denen keiner deiner ist, dann bin ich da, weil du meiner bist. – Sulaiman Masomi

 

“Doch irgendwann fickt das Leben uns alle, und das Leben mag es hart”

Nun, man mag es primitiv nennen. Ist es vielleicht auch. Doch ist das schlimm? Manchmal tut es einfach gut, zu lachen. Obwohl oft kritisiert: Diese raue, bittere Sprache, die es schafft, schwere Inhalte auf eine sarkastische und unterhaltsame Art und Weise zu thematisieren, ist eine Kunst für sich. Und diese soll durch einige treffende Zitate gewürdigt werden.

 

Auf Jesus scheiss ich nicht, den einen oder anderen freut’s, denn der ist zwar ziemlich dünn, aber hat ein breites Kreuz. – Florian Wintels

 

Diese Salbe wird ihrer Hand wieder auf die Beine helfen. – Daniel Wagner

 

Seit ich mehr schreibe, onaniere ich weniger. Wobei, das ist ja auch nur herumgewichse. – Tilman Döring

 

Was wäre wohl geschehen, wenn die Frauen früher selbst gedacht hätten? Ich behaupte, die Atombombe wäre nie erfunden worden. Ich behaupte sogar, der zweite Weltkrieg hätte nie stattgefunden, denn der Adolf wäre nämlich zu Hause geblieben und hätte die liebe Eva bekocht. Die Kochbücherwelt wäre dann sicher um einiges erweitert worden, man denke nur mal an den Bestseller “Mein Mampf”. – Hazel Brugger

 

 

Aber ich scheiss’ auf Ehrlichkeit, ich will, dass es wirklich so ist. – Peter Janick

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Artikel, Gebühren und fast leere Batterien

Es ist, als würde ich in einem ewigen Kreislauf feststecken. Ein Brief kommt, ich überweise eine Menge Geld, ich warte, es landet wieder ein Papierstapel im Briefkasten, ich fülle den Einzahlungsschein aus und so weiter. Doch wofür ist das Geld? Wieso dauert das so lange? Wie viel Zeit und Geld werde ich noch in meine Einbürgerung investieren müssen?

 

Ein freundlicher Brief

Als ich den Brief öffne springt mir zuerst die fett gedruckte Betreffzeile und eine Geldsumme ins Auge: “Ordentliche Einbürgerung Art. 13 BüG (Gebühr: CHF 100.00)” steht da. Aha. Der Postbote wollte aber 115 Franken von mir haben. Ich kenne weder das BüG, noch den Artikel 13 daraus, noch weiss ich, weshalb ich 115 Franken bezahlen musste, obwohl da nur 100 Franken verlangt werden. Eine Antwort auf die Frage, wo die restlichen 15 Franken hingeflossen sind, werde ich wohl nie erhalten. Weiter im Brief schreibt das Bundesamt für Migration (BFM), dass sie sich freuen, mir die eidgenössische Einbürgerungsbewilligung zuzustellen. Ich freue mich auch.

 

Bis ich den nächsten Abschnitt lese: “Gleichzeitig machen wir Sie darauf aufmerksam, dass es sich noch nicht um die definitive Einbürgerung handelt, sondern dass Sie mit dieser eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung das Verfahren bei Ihrem Wohnkanton bzw. bei Ihrer Wohngemeinde fortsetzen können.” Aha. Auf Deutsch übersetzt heisst das, dass der Bund dem Kanton nun die Erlaubnis erteilt hat, das dieser darüber nachdenken darf, ob er mich einbürgern will. Dann werde ich in einem letzten Satz freundlich darauf hingewiesen, dass das Verfahren für das BFM nun abgeschlossen ist und ich mich mit Fragen ja nicht an sie wenden soll.

 

Vom Antragsteller zum Bürokraten?

Da ich sowieso wieder einmal warten muss – auf den nächsten Brief, auf die nächste Rechnung, auf das blaue Kärtchen – sehe ich mir den beiliegenden Wisch genauer an. Darauf befindet sich sowohl der Antrag meines Kantons an den Bund wie auch dessen Bewilligung. Unterschrieben haben beide Male Menschen mit unidentifizierbar ausländischen Namen, was mich irgendwie schmunzeln lässt. Vielleicht werde ich ja auch einmal für das Bundesamt für Migration oder für die kantonale Einbürgerungsbehörde arbeiten, wer weiss. Vermutlich fanden diese beiden Menschen ihre eigene Einbürgerung so schlimm, dass sie sich geschworen haben, in diesem Apparat mitzuarbeiten um anderen das Ganze angenehmer zu machen. Geklappt hat das noch nicht ganz, ist dieser Prozess doch sehr zermürbend.

 

Obwohl ich als junge Deutsche mit Matura nicht wirklich daran zweifle, dass ich irgendwann das blaue Kärtchen mit dem roten Wappen besitzen werde, kostet diese Einbürgerung mehr Energie als zu Anfang gedacht. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie das für Menschen sein mag, die unsere Sprache nicht ganz verstehen oder die aus einer Kultur ohne Bürokratie kommen. Für die Menschen, die Angst haben, wieder gehen zu müssen. Also lehne ich mich zurück, danke dem lieben Gott für die vielen Privilegien, die er mir geschenkt hat und warte. Der nächste Brief kommt bestimmt.

 

 

Zur Autorin


Veronika Henschel ist zwanzig Jahre alt. Sie lebt und studiert in Basel. Als Kind deutscher Eltern ist sie mit neun Jahren in die Schweiz gezogen. In der Ostschweiz zur Schule gegangen, spricht sie zwar breitesten Toggenburger Dialekt, hatte aber bis anhin nicht die Schweizerische Staatsbürgerschaft inne. Auf Tink.ch berichtet sie in einer losen Serie von ihren Erfahrungen im Umgang mit den Behörden, der Schweiz und mit sich selber. Dies ist der siebte Teil dieser Serie.

 

Das spektakulärste iTunes für den maximalsten Spass

“Stillstand ist der Tod” röhrt Herbert Grönemeyer ins Mikrofon. Ob ihn die Amerikaner in Cupertino hören, ist fraglich. Jedoch befassten sie sich mit dem exakt gleichen Gedanken und entschieden sich iTunes 11 zu veröffentlichen. Kurz zuvor warfen die Apfel-Entwickler nur so mit Produktneuheiten um sich. Nach Mountain Lion kam iOS 6, welches gleich auf dem neuen iPhone 5 und dem iPad ein Zuhause fand. Alles ist retina, unibody oder ultra-dünn und das schöne Wetter wurde abgeschafft und das Gewitter eingeführt: Thunderbolt und Lightning nennt Apple die neuen Schnittstellen, die die Menschheit grundlegend verändern sollen.

 

Alles wird mobil

iTunes 11 hält was es verspricht: alles ist anders und nichts ist gleich. Dies beginnt beim Logo und dem Erscheinungsbild und endet bei den Bedienelementen. Während wir eigentlich erwarten könnten, dass die mobilen Geräte immer mehr Funktionen der grossen Brüder übernehmen können, zeigt uns die Musik-Software des leuchtenden Apfels genau das Gegenteil. Ist ja auch logisch, denn der Konzern verkauft viel mehr mobile als stationäre Geräte und orientiert sich demnach an der Masse.

 

Bei den portablen Geräten macht es Sinn, die Bildschirmchen nicht zu voll zu packen, und man nimmt eine komplizierte Menüführung für einen besseren Bedienkomfort in Kauf.  Aber wieso muss man das nun auch auf dem Mac tun? Die Seitenleiste verschwinden komplett und so sind plötzlich für einfache Funktionen mehr Klicks als vorher nötig: zum Beispiel, um eine Wiedergabeliste abzuspielen oder um die geladenen Apps anzuzeigen.

 

Dünner, schneller, besser

Da Superlative in unseren sowohl kostenlosen als auch kostenpflichtigen Tagesblättern mittlerweile an der Tagesordnung sind, merken wir nicht einmal mehr, wie eindimensionale Werbetexte Einfluss auf uns nehmen. Apple bietet uns nicht nur die kleinsten und besten Geräte an, sondern auch die modernsten, die leistungsstärksten und die spektakulärsten Maschinen, die für den maximalsten Spass sorgen. Und diesen kann man nur haben, indem man sich für das fortschrittlichste Betriebssystem mit dem neusten iTunes entscheidet. Wer will auf so etwas verzichten?

 

Alles oder keines

Laut Apple, kommt Mountain Lion mit “Features, die du kennst, aber wie du sie noch nie erlebt hast” auf den Markt. Während der Leser des Textes Assoziationen mit seinem letzten Wellnessbesuch hat, bedeutet dies in Wirklichkeit aber nichts anderes als: “Wir hatten keine neuen Ideen und haben deshalb einfach alle Bedienelemente an andere Orte platziert.” Fortschritt bedeutet nicht immer zwingend, dass eine Verbesserung stattfindet. Und gerade in einer Branche, in der Kundenbindung eine äusserst grosse Rolle spielt, sind neue Features nicht zwingend an eine positive Weiterentwicklung des Produktes gekoppelt.

 

Durch Erneuerung und Veränderung wird der Kunde gezwungen, stets die neusten Modelle zu kaufen. Denn ohne mindestens OS X 10.6 gibt’s kein iTunes 11 und ohne iTunes 11 gibt’s dann kein iOS 7. Ist dieses angeschafft, muss auch ein neues Handy her, denn iOS 7 läuft nicht mehr auf dem iPhone 3GS. Wer also das eine will, muss zwingend das andere kaufen. Mit dieser Strategie entgeht Apple zwar laut Grönemeyer dem Tod, wird sich aber auf keinen Fall neue Freunde bei den Endverbrauchern machen.