Gesellschaft | 13.11.2012

“Wenn Jugendliche sich sozial engagieren”

Text von Svenja Fellmann | Bilder von Jasmin Rolli
Sich für benachteiligte Menschen einzusetzen, ist für die Organisatoren des youngCaritas-Award ein wichtiges Kriterium, um sich ins Rennen um den Award begeben zu dürfen. Der Firmkurs Untersiggenthal zum Beispiel putzte einen Tag lang Fahrräder und kaufte mit dem Erlös acht Fahrräder für armutsbetroffene Kinder in der Region. Zwei Maturandinnen der Kanti Alpenquai haben für ihre Maturaarbeit verschiedene Fundraising-Projekte durchgeführt, deren Erlös der Stiftung SOS-Kinderdorf gespendet wurde.
Der Verein "Fair" gewann den Fairtrade-Award. Rapper JB Funke begeisterte mit seinen Texten. Lior Etter mit dem Siegerpokal.
Bild: Jasmin Rolli

Mit einem gemütlichen und äusserst schmackhaften Apéro im Treibhaus in Luzern begann die diesjährige youngCaritas-Award-Verleihung. Und weil die Max Havelaar Stiftung Schweiz – Partner der youngCaritas – ihr 20-jähriges Bestehen feiert, wurde dieses Jahr zusätzlich ein Fairtrade-Award verliehen. Von den insgesamt 13 eingereichten Projekten waren zehn für den Young Caritas Award und drei für den Fairtrade Award nominiert. Die verschiedenen Projekte wurden daraufhin kurz vorgestellt. Bei Blessed, einer Fairtrade-Kleidermarke, werden die Kleider fair produziert, das heisst, die Arbeiter arbeiten unter guten Arbeitsbedingungen und werden gut bezahlt. Blessed war zwar nominiert für den Fairtrade Award, jedoch wurde das Projekt “Fair” von der Jury zum Sieger gekürt. Die Initianten haben vor, den ersten Barbetrieb der Schweiz mit ausschliesslich Fairtrade-, Bio- und Regioprokukten direkt am Bielersee zu eröffnen. Dort möchten sie verschiedene Veranstaltungen durchführen, um junge Erwachsene für das Thema “Nachhaltiger Konsum” zu sensibilisieren. “Fair” gewann mit dem Fairtrade-Award  eine damit verbundene Reise nach Ostafrika. Ins Leben gerufen wurde der Verein “Fair” von Cyril Romann, Steve Iseli, Lois Roth, Nina Süsstrunk, Remo Widmer und Mirco Studer.

 

Was ist die youngCaritas überhaupt?

Die youngCaritas ist ein Teilgebiet der Caritas Schweiz und wird von der Caritas finanziell unterstützt. Die Leiter der youngCaritas sind Andriu Deflorin, Sara Bukies und Selina Krüse. Sie helfen mit bei sozialen Projekten und sind Organisatoren des youngCaritas-Awards. In der Deutschschweiz gibt es rund 600 Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren, die sich als sogenannte Solidaritäterinnen und Solidaritäter unentgeltlich für Projekte und Aktionen der youngCaritas einsetzen.

 

Dezibel bestimmen Rangliste

Neben dem youngCaritas-Award und dem Fairtrade-Award wurde auch ein Publikumspreis verliehen. Die im Vorfeld durch ein Online-Voting bestimmten drei Projekte, welche die Chance auf den Publikumspreis erhalten sollten, hatten an diesem Abend exakt drei Minuten Zeit, ihr Projekt näher vorzustellen. Anschliessend wurde der Applaus mit einem Dezibel-Messer gemessen, wobei das Projekt “Wasser für Wasser” mit einem Lärmwert von rund 105 Dezibel und vier Dezibel Vorsprung gewann.

 

Ein Problem erkennen

Für die musikalische Stimmung sorgten der letztjährige youngCaritas-Award-Gewinner Raphael Stierli alias Cyphermaischter, sowie der Bieler Rapper JB Funks. Raphael Stierli machte nicht nur mit seiner Musik Freude, er erzählte auch von seiner Reise nach Thailand, die er zusammen mit dem youngCaritas-Award gewonnen hatte und entführte mit einem Video in eine andere Welt. Sein Song “Sai”, mit dem er auf das Schicksal von Kinderprostituierten aufmerksam macht, wurde inspiriert von dem Buch “Ich war erst 13”. Raphael hatte den Autor Derek Kent vor Ort getroffen und war enttäuscht. “Er hatte nicht diese Überzeugung, das Buch war mehr aus Zufall entstanden.” Sara Bukies, Organisatorin des youngCaritas-Awards, die ihn auf der Reise begleitet hatte, meinte: “Wir haben nur etwa zwei oder drei Leute getroffen, die mal auf den Tisch geklopft und gesagt haben, dass die Kinderprostitution ein Problem ist.”

 

Wasser für Wasser

Die beiden Brüder Morris und Lior Etter aus Kriens haben es sich zur Idee gemacht, das Geld, das die Gastronomiebetriebe für Leitungswasser verlangen, in Wasserprojekte zu investieren. Denn auf der Welt gibt es fast 800 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und mehr als 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Sie beide arbeiten laut Lior seit Januar 150 Prozent an ihrem Projekt “Wassser für Wasser”. “Am Anfang war es schwierig, die Gastronomiebetriebe von unserer Idee zu überzeugen. Ich denke aber, unser Projekt spricht sie an, weil sie unseren Willen spüren, dass wir etwas bewegen wollen.” Bereits um die 40 Betriebe konnten sie von ihrem Projekt überzeugen. Lior, ehemaliger Fussballprofi beim FC Luzern, meint: “Wir sind beide voller Ideen und dieser Award ist eine grosse Motivation, um uns weiterhin ins Zeug zu legen, diese auch umzusetzen.” Er sagt: “Ich wünsche mir, dass in ein paar Jahren das Projekt nicht mehr in Verbindung mit mir und meinem Bruder gebracht wird. Es soll als eigenständiges Unternehmen funktionieren.”

 

Von youngCaritas haben sie eine Reise nach Afrika geschenkt bekommen, die man so im Reisebüro nicht buchen kann. Sie werden Dörfer besuchen, wo Wasserknappheit ein existenzielles Problem darstellt und sie werden Menschen treffen, denen kein sauberes Trinkwasser und keine sanitären Anlagen zur Verfügung stehen. Dort haben sie Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen und ihre Ideen noch besser auszuarbeiten.