Sport | 27.11.2012

Steiniger Weg in den Spitzensport

Text von Matthias Käser
Stefanie Rieder (17) ist Nachwuchssportlerin im Snowboardcross aus dem Berner Oberland. Sie hat bereits mehrere Podestplätze in wichtigen Rennen geholt und ist im Kader von Swiss Snowboard. Nach einer Verletzung in der letzten Saison startet sie nun mit frischem Elan in die Trainingszeit vor den grossen Rennen wie Europacup Tour oder Juniorenweltmeisterschaft. Im Interview mit Tink.ch erzählt sie von Verletzungen, ihrem Trainingsalltag und den Zukunftsvisionen einer angehenden Profisportlerin.
  • Eine kompakte und sichere Haltung in der Luft sind sehr wichtig.

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  • Bei den Schanzen fliegen die Fahrer oft mehr 10m weit.

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  • Stefanie liegt im Wettkampf mit ihren Teamkollegen an der Spitze.

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  • Zuvorderst meistert Stefanie die Wellen gekonnt, ohne Tempo zu verlieren.

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  • Damit Stefanie bei den Wellen nicht durch die Luft fliegt, muss sie tief in die Knie gehen.

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  • Im Freestylepark übt sie die Sprünge und fliegt gut mal über 20m weit.

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  • Eine kompakte und sichere Haltung in der Luft sind sehr wichtig.

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  • Stefanie (17) ist etwas müde nach dem Training.

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Tink: Wie hat deine Sportlerkarriere vor dem Boardercross ausgesehen?

Stefanie: Ich nahm als jüngster Jahrgang am Migros Grandprix teil, damals noch auf den Skiern. Dies war ungefähr in der ersten Klasse. Ich war nicht so verbissen wie andere, die im Renndress gekommen sind. Mir ging es mehr ums Mitmachen. Ich hatte viele verschiedene Sportarten ausprobiert, bis ich die richtige für mich fand. Ich war schnellste “Bödelerin” (lokales Laufrennen in Interlaken, Anm.d. Red.). Meine Stärke lag vor allem im 1000-Meter-Lauf. Ich war auch Schweizermeisterin im Leichtathletik-5-Kampf. Zudem habe ich in der Leichtathletik mehrere vordere Ränge in verschiedenen kleinen Wettkämpfen belegt.

Wie sah es mit dem Schneesport aus?

Ich erlernte das Snowboardfahren in der siebten Klasse, also relativ spät. Ich habe bei der Talentsuche von Babe (Boarding Association Bern) eine gute Figur gemacht und wurde vor 3 Jahren ins Regionalkader aufgenommen. Im Vergleich zu anderen Trainingsteilnehmern habe ich im Training viel schneller Fortschritte bei mir festgestellt. Danach ging es ständig aufwärts. Ich erreichte immer bessere Platzierungen auch an internationalen FIS-Rennen. Der erste Platz an der GiantXTour im Jahr 2011 bedeutete vor allem in der medialen Präsenz meinen Durchbruch.

Boardercorss ist kein risikoloser Sport. Hast du schon Verletzungen davongetragen?

Ich hatte mal eine Gehirnerschütterung. Zudem habe ich kleinere Rücken- und Knieprobleme hinter mir. Am FIS-Rennen in Sedrun am 14. Januar dieses Jahres habe ich mir den Oberarm gebrochen.

Wie kommt es zu einem solchen Unfall?

Ich musste am Rennen als Erste starten. Nach der Steilwandkurve kamen mehrere Bodenwellen. Ich bremste vor den Wellen zu wenig ab, flog durch die Luft und fiel unglücklich auf den Oberarm. Nach dem Sturz wurde ich mit der Rega nach Bern in den Lindenhof gebracht, wo mir Platten eingeschraubt wurden. Die Saison war leider vorbei. Nun bin ich aber wieder im Training zurück.

Wie muss man sich einen Trainingstag im Schnee vorstellen?

Je nach Öffnungszeit der Bahnen in Saas Fee stehe ich bereits um sechs Uhr oder etwas später auf. Danach gibt’s Morgenessen und ich mache mich bereit für die Piste. Oben auf dem Gletscher wird aufgewärmt und eingefahren. Danach wird je nach Training Schanzen gesprungen oder im Kurs trainiert. Anfangs Saison werden auch Grundelemente und das Carven im Alpinkurs trainiert. So gegen zwei Uhr gehen wir mit dem Team Essen und dann wieder ins Tal runter. Unten angekommen, wird das Board gepflegt und ich kann mich etwas ausruhen. Am späteren Nachmittag gibt es ein Konditionstraining mit Kraft- und Schnelligkeitsübungen. Im Anschluss daran gibt es oft noch ein Teammeeting. Etwa ab 21Uhr haben wir dann freie Zeit zum Lernen oder Freizeit.

Wann kannst du überhaupt noch die Schule besuchen?

Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Momentan sind es einzelne Tage, wo ich das Gymnasium Hofwil (Swiss Olympic Partnerschule, Anm. d. Red.) besuche. Da ich in der sogenannten “Talentklasse” bin, werde ich auch individuell gefördert. Ich bin die Schülerin, die wohl am meisten fehlt. Die Musiker oder andere Sportler der Talentklasse können meist am Morgen dem Unterricht beisein, was mir oft nicht möglich ist.

Wie sieht das Trainingsjahr aus?

Im April schliessen wir die Saison mit der Schweizermeisterschaft ab. Dann gibt es noch ein Snowboardmaterialtest. Nach den Frühlingsferien beginnt das Konditionstraining und Krafttraining fünf Mal in der Woche. Im August beginnt schliesslich wieder das Schneetraining auf dem Gletscher in Saas Fee. Das Training findet jeweils mit verschiedenen Organisationen (SwissSnowboard / Regionalkader BABE / Snowboardzentrum Bern) statt. Je nachdem ist man eine ganze Woche oder vereinzelte Tage im Schnee. Von Januar bis April ist dann die Rennensaison.

Wie siehst du deine Zukunft als Profisportlerin?

Ich möchte meine Ziele (Aufstieg in den Weltcup und Olympiateilnahme) erreichen und gerne die Erwartungen erfüllen, die an mich gestellt sind. Meine Eltern unterstützen mich auf meinem Weg zum Spitzensport. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön. Es ist sehr schwierig für mich, Geldsponsoren zu finden, da der Snowboardcross leider zu wenig populär ist. Trotzdem verfolge ich meine Karriere als Snowboardcrossfahrerin. Ich freue mich auf die kommende Saison (Start am 22. und 23. Dezember in Cortina, Italien, Anm. d. Red.) und werde mein Bestes geben.