Politik | 16.11.2012

„Macht auch mit – an der Jugendsession und in der Politik!“

Text von Larissa Rhyn | Bilder von Manuel Lopez
Die Eröffnungsrede an der Zürcher Jugendsession hielt dieses Jahr ein ehemaliger Teilnehmer. Davide Loss (SP) wurde mit 19 ins Gemeindeparlament von Adliswil gewählt, mittlerweile ist der 25-Jährige im Kantonsrat. Er glaubt, dass Jugendliche mit etwas Engagement problemlos in die Politik einsteigen können.
Davide Loss (SP): "Ich will euch nicht mit einer typischen Politikerrede langweilen."
Bild: Manuel Lopez

„Ich will euch nicht mit einer typischen Politikerrede langweilen“, stellt Davide Loss gleich zu Beginn seiner Rede am Eröffnungspodium der Zürcher Jugendsession klar. Der 25-Jährige SP-Kantonsrat kann sich in die Teilnehmer hineinversetzen, war er doch vor fünf Jahren selbst noch unter ihnen. „Das war für mich eine super Erfahrung, besonders die Diskussionen im Plenum haben mich angesprochen.“

 

Wahlkampf mitten im Maturstress

Sein Interesse für politische Themen hat Loss früh entwickelt. „Wir haben uns zu Hause jeden Abend zusammen die ‚Tagessschau-˜ angeschaut.“ Was er gesehen hatte, interessierte und beschäftigte ihn.“ Als meine Mutter nicht mehr alle Fragen beantworten konnte, die mir auf der Zunge brannten, habe ich beschlossen, einer Partei beizutreten und selbst Politik zu machen.“ Mit 19 Jahren wurde er in seinem Wohnort Adliswil ins Gemeindeparlament gewählt. „Ich war während des Wahlkampfs mitten im Maturstress.“ Davon abgesehen sei der Einstieg für ihn aber einfach verlaufen.“Das System der Schweiz ist nahe bei den Leuten, sodass der Einstieg in die Politik mit ein bisschen Engagement leichtfällt.“

 

Bei einer Partei in den Politikbetrieb einsteigen

Am einfachsten sei es,  wenn man einer Partei beitrete: „Dort kann man sich mit der Materie vertraut machen und findet einen roten Faden für die Politik.“ Für diejenigen, die in die Exekutive gehen wollen, sei ein Parteibeitritt sowieso unerlässlich. Die Frage nach Jungpartei oder Partei spielt für den Kantonsrat keine Rolle: „Ich habe gleich bei der SP angefangen, das lag aber in erster Linie daran, dass es damals in Adliswil keine JUSO gab“. Nach vier Jahren im Kantonsrat wurde Loss auf die Liste für die Kantonsratswahlen gesetzt. Auch dieser Wahlkampf war neben seiner Ausbildung stressig. Deswegen hat er sein Jurastudium um ein Jahr verlängert. Die Priorität auf die Wahlen zu setzen hat sich gelohnt – Loss setzte sich durch und politisiert seit eineinhalb Jahren im Kantonsrat. Politik und Studium sind für ihn leicht zu vereinbaren. „Schwieriger wird es, wenn man Vollzeit arbeitet, da kann man sein Pensum ja nicht plötzlich massiv runterschrauben«. Loss studiert momentan im Master, nach seinem Abschluss möchte er direkt anfangen, in einem Gericht zu arbeiten. Gleichzeitig will er weiterhin als Politiker aktiv sein.

 

„Jugendliche sind nicht desinteressiert“

Im Kantonsrat gehört der 25-Jährige zu den Jüngsten. Ein Problem sei das aber nicht: „Klar wird man am Anfang von vielen Kollegen als naiver Jungpolitiker betrachtet. Aber sobald sie sehen, dass man sich sachlich mit einem Thema auseinandersetzen kann, hat man die volle Akzeptanz“. In der Exekutive gibt es zwar wenig junge Erwachsene, grundsätzlich sieht Loss bei Jugendlichen aber ein breites Interesse. „Der Vorwurf, Jugendliche zeigten gegenüber Politik kein Interesse ist für mich absolut unberechtigt. Ich kenne viele, die sich Gedanken zu politischen Themen machen und ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft erkennen.“ An der Jugendsession zeigt sich dieses Interesse ganz besonders. Und Jugendliche lernen, dass man auch aktiv mitmachen kann – sei es durch die Entwicklung einer Petition oder in der Gruppendiskussion. Deswegen lautet Loss-˜ Aufforderung an Jugendliche im Bezug auf Politik und insbesondere die Jugendsession schlicht: „Macht auch mit!“.