Politik | 28.11.2012

Luzerner Gymnasiasten auf den Barrikaden

Der Luzerner Regierungsrat will in den nächsten Jahren 6 Millionen Franken in der Gymnasialbildung sparen, davon rund 1-~040-~640 Franken an der Kantonsschule Musegg in Luzern. Diese Summe entspricht exakt den Mietkosten des Schulhauses Fluhmatt der Kantonsschule Musegg. Dieses Schulhaus vermietet die Stadt Luzern dem Kanton.
Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Kantonsschule Musegg haben Angst, dass ihre Schule auseinander gerissen wird.
Bild: NLZ/zvg Weil der Kanton Luzern sparen will, will er dieses Schulhaus nicht mehr weiter von der Stadt Luzern mieten - das Problem: Für die dort untergebrachten Schülerinnen und Schüler gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten. zvg

Am 23. September 2012 wurde der Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung  mit einer Mehrheit von gut 70 Prozent angenommen. Mit diesem neuen Verfassungsartikel soll vor allem der Stellenwert der Musik im Bildungswesen erhöht und auch Kindern und Jugendlichen aus ärmeren Verhältnissen das Erlernen eines Musikinstruments ermöglicht werden. Zudem sollen besonders begabte Kinder intensiv gefördert werden. Die gewaltigen Sparmassnahmendes Kantons Luzern in der Gymnasialbildung sind laut Esther Schönberger, Schulkommissionspräsidentin der Kantonsschule Musegg, ein grosser Schritt zurück.

 

Sollte die Stadt Luzern sich nicht bereiterklären, die Mietkosten des Fluhmattschulhauses um 25 Prozent zu senken, droht dem dort ansässigen Gymnasium eine Verkleinerung. Die Folgen wären, dass bis zu elf von 27 Klassen (210 von 550 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten), sowie 38 von 93 Lehrpersonen an andere Schulen überwiesen werden müssten – dies entspricht etwa 40 Prozent der Belegschaft der Kantonsschule. Das Problem: Auch andernorts gibt es keinen Platz. Schönberger witzelt: “Wenn eine Schule elf Klassenzimmer frei hat, macht sie eindeutig etwas falsch.” Wo sollen also 210 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und 38 Lehrpersonen untergebracht werden?

 

Verlust von kreativen Köpfen

Die Kantonsschule Musegg ist das grösste reine Kurzzeitgymnasium im Kanton Luzern. Es ist ausserdem bekannt als musisch-pädagogisches Kurzzeitgymnasium, an dem  besonders junge Menschen mit Begabungen im musisch-künstlerischen Bereich gefördert werden.

 

Schönberger stellt klar: “Die geplanten Sparmassnahmen der Regierung sind keine guten Signale. Mir fehlt hier ganz klar die bildungspolitische Diskussion. Eine Verkleinerung der Kantonsschule Musegg würde einen gewaltigen Kulturverlust mit sich bringen, was sich spätestens dann zeigen würde, wenn sich keine Musiker mehr für ein Orchester finden lassen.”

 

“Die Kanti Musegg darf nicht sterben”

“Die Schüler und Schülerinnen wurden nicht nach ihrer Meinung gefragt und somit nicht ernst genommen”, so Esther Schönberger. “Es wäre grossartig, wenn sie ein Zeichen setzen und zeigen würden, dass ihnen die Kanti Musegg am Herzen liegt. Die Politik soll merken, was sie mit diesen Sparmassnahmen anrichtet.”

 

Und genau das tun die Kantonsschüler denn auch. Mit verschiedenen Aktionen machten sie bereits auf sich und die Folgen der Sparmassnahmen aufmerksam. Die bisher grösste Aktion war der Flashmob auf dem Mühlenplatz in Luzern, bei dem sich 200 Schüler und Schülerinnen auf einen Schlag auf den Boden gelegt und einige Augenblicke wie tot liegengeblieben sind. Ihre Botschaft, die auf einem Plakat den verdutzten Passanten überbracht wurde, konnte kaum missverstanden werden: “D’Kanti Musegg döf ned stärbe!” Organisiert wurde der Flashmob von zwei Lehrerinnen der Kantonsschule Musegg.

 

Doch dies scheint erst der Anfang zu sein – sogar ein Protestlied wurde komponiert und das zum Flashmob gehörende Video auf YouTube erfreut sich bereits mehreren Tausend Klicks. Von Schülern wurden Pins designt, die zum Verkauf stehen. Und auch eine Facebook-Gruppe wurde gegründet, die bereits über 1800 Mitglieder zählt. Bis zum 10. und 11. Dezember, dem Datum an dem der Kantonsrat über den weiteren Verlauf der Kantonsschule Musegg entscheiden wird, sind weitere Aktionen geplant. Edith Schönberger sagt dazu: “Wir geben die Hoffnung nicht auf.”

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