Sport | 28.11.2012

Junge Haie auf Basler Glatteis

Text von Manuel Kuhn | Bilder von Oliver Hochstrasser
Der EHC Basel wollte mit dem Swiss Ice Hockey Day potenziellen Nachwuchs ansprechen und aufs Glatteis locken. Neben Autogrammkarten gab es Einblicke in eine Sportart, die in Basel nicht an erster Stelle steht.
Am Swiss Ice Hockey Day in Basel durften die Kleinen ran … … und zwar gegen die ganz Grossen. Im Penaltyschiessen durften sie sich mit den Torhütern der ersten Mannschaft messen. Bei so manchem dürfte das Feuer für eine Eishockey-Karriere entfacht worden sein. Die Jüngsten machten aber nicht nur Jagd auf Tore … … sie gingen bei den Mitgliedern der ersten Mannschaft auch auf Autogramm-Jagd.
Bild: Oliver Hochstrasser

Die Duftnote wird strenger, man riecht förmlich den Schweiss aus den rumliegenden Hand- oder Eisschuhen. Links und rechts rauschen Kinder allen Alters mit einem grossen Grinsen und unzähligen unterschriebenen Autogrammarten an uns vorbei. Sie tragen grossteils ein EHC-Basel-Trikot, welches soeben mit Unterschriften der Profis geschmückt worden ist. Wir drängen uns an einer langen Schlange vorbei in das Wohnzimmer der Spielern der ersten Mannschaft des EHC Basel und beobachten wie die Kinder ihren Idole begegnen.

 

“Hallo, darf ich auch ein Kärtli von dir haben?”, hört man sie fragen. Einige lassen ihre Eishockey-Schläger verzieren, andere einen Schal, und wieder andere kommen mit einem riesigen Mannschaftsfoto auf einer Leinwand vorbei. Freude überall, die Spieler sind locker drauf und für Gespräche sind sie sich nicht zu schade. Es sind viele Kinder da, die eben erst eingeschult worden sind. Ein Zeichen, dass es dem Nachwuchs in der Region gut geht?

 

Swiss Ice Hockey Day, ein Beispiel für Eishockey-Werbung

“Leuchtende Augen, rote Wange, helle Begeisterung”. Dies haben sich die Initianten des nationalen Eishockeytages, die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF), gemäss eigenen Angaben zum Ziel gesetzt. Anfang November trafen sich an 75 Orten verteilt in der ganzen Schweiz Kinder und Stars auf und neben der Eisbahn. Es war der Startschuss für einen künftig jährlich stattfindenden Event. Dieser richtet sich in erster Linie an Knaben und Mädchen, welche noch nie oder nur wenig in Kontakt mit Eishockey gekommen sind.

 

Auf dem Programm standen unter anderem ein Skateathon, eine Art Sponsorenrundlauf auf Eis und Pflichtprogramm für alle Junioren. Weiter ging es mit der oben erwähnten Autogrammstunde bei der ersten Mannschaft. Zudem durften sich die Kinder im Penaltyschiessen gegen zwei Torhüter der ersten Mannschaft messen, ihre Fähigkeiten trainieren oder bei einem Unihockey-Spiel mitmachen. Oberstes Ziel war es, die Begeisterung und Freude für das Eishockeyspielen unter den Teilnehmenden zu wecken und so neue Junioren zu gewinnen.

 

EHC Basel Young Sharks

Einer der Vereine, die am Eishockey-Tag mitmachten, war der EHC Basel Young Sharks. Eine 2003 gegründete Organisation, welche im Jahr 2009 umstrukturiert wurde und schlussendlich aus einem Zusammenschluss von zwei Nachwuchsorganisationen, dem EHC Basel-Kleinhüningen und dem EHC Basel Young Sharks, zum neuen regionalen Leistungszentrum wurde. Seit diesem Zusammenschluss laufen in Basel alle mit einem Hai auf dem Trikot aufs Eis.

 

Durch den Zusammenschluss wurde eine Basis für einen breiteren Spitzensport mit mehr Synergien in den täglichen Herausforderungen gelegt. Ausserdem klappt die Zusammenarbeit mit den anderen Teams aus der Region: Spieler werden ausgetauscht mit dem Ziel, dass ein Spieler in dem Team Spielpraxis sammeln kann, wo er sich am besten weiterentwickeln kann und wo er weder unter-, noch überfordert ist.

 

 

Werbung, Schule und Training

Der EHC Basel betreibt eine Eishockey-Schule, wo Kinder die Gelegenheit haben, das Eishockeyspielen von Grund auf zu erlernen. Daneben gibt es acht Mannschaften. Von den kleinsten “Bambinis” bis zu den Grössten, der sogenannten “Elite” sind es knapp 200 Nachwuchsspieler, welche von 23 Nachwuchstrainern betreut werden.

 

Auf der Suche nach neuen Spielern und Spielerinnen werden Ausschreibungen gemacht, Flyer verteilt und weitere Aktionen lanciert: “Wir benutzen immer ein bisschen andere Kanäle. Ein Jahr ein bisschen mehr Printmedien, einmal mehr Radio, oder dann direkt an den Schulen”, vertraut uns Daniel Baur, der Geschäftsführer der EHC Basel Young Sharks AG und gleichzeitig Trainer einer Juniorenmannschaft an. “Die effektivste Variante ist immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda.”

 

 

“Die besten Sportler entscheiden sich für Fussball”

“Basel ist eine Fussball-Stadt”, bestätigt Daniel Baur. Trotzdem sei der Zulauf nicht schlecht, seien es doch jährlich jeweils über 100 Teilnehmende in der Eishockeyschule. Auch in diesem Jahr sei man bereits nahe an diese Zahl gekommen. Noch besser besetzt könne man immer sein, sagt Baur. Er fügt aber an, dass sich der Tag des Schweizer Eishockeys als gute Werbung entpuppt und nochmals einen Anmeldeschwung bewirkt habe.

 

Einer Sache ist er sich dennoch bewusst: Aus einem so grossen Kreis wie der FC Basel, kann der EHC Basel Young Sharks seine Junioren nicht auslesen. “Da sind wir eine zu kleine Nummer.” Das Problem sieht er auch darin, dass die besten Sportler sich vielfach für das Kicken entscheiden, da Fussball im Raum Basel die Sportart Nummer eins sei.

 

“Man kann Eishockey in der Region nicht mit Fussball vergleichen”, spitzt Thomas Kaufmann, ebenfalls Trainer, zu. “Der Zustrom ist nicht annährend so hoch, doch gibt es genug Eishockey-Spieler und das Potential ist da. Erfolgreiche Eigengewächse haben es bis in die Nationalliga A gebracht.”

 

Der eigene Nachwuchs als Basis

“Im Breitensport soll der Spass im Vordergrund stehen. Je weiter nach oben ein Kind kommt, desto erfolgsorientier wird mit ihm gearbeitet”, schildert Thomas Kaufmann. Der Aufwand nimmt demnach mit dem Alter und Talent zu, die Junioren spielen plötzlich nicht mehr in der Region, sondern eine Reise nach Genf oder Lugano wird zur Gewohnheit. “In dieser Phase treten viele zurück”, erzählt Kaufmann weiter. “Die, die dann weitermachen und den Biss haben, die kommen auch vorwärts. Aber ganz im Allgemeinen ist es wichtig, dass sie Sport machen und bei Rückschritten nicht aufgeben und aufhören.”

 

Einen erfreulichen Dominio-Effekt soll es geben, beginnend mit mehr Interesse in der Region am Eishockey: Eine Vergrösserung der Hai-Familie ist das Ziel. Mit gut ausgebildeten Junioren soll mehr Druck von unten herauf entstehen, und so der gesunde Konkurrenzkampf in den Teams erhöht werden. “Erfolg haben wir natürlich von unten bis oben gern”, ergänzt Baur. Aus der Kombination von Erfolg und mehr Interesse erhofft man sich, dass mehr Publikum in die Arena strömt. Schlussendlich soll Eishockey wieder eine grosse Nummer in der Stadt Basel werden, so dass man neben dem FCB bestehen kann, bemerkt Baur abschliessend.

 

Die Autogrammstunde ist in der Zwischenzeit zu einem Ende gekommen und Träume wurden gewiss geboren: Einmal an Stelle der Profis zu sitzen und selbst die jungen erwartungsvollen, leuchtenden Augen zu beglücken. Wer weiss, denn mit dem Training beim EHC Basel hat das Spiel gerade erst begonnen.