Kultur | 13.11.2012

Hardcore-Religionsunterricht

Text von Uwe Bieri | Bilder von Fabian Weinschenk
Nachdem die fünf Jungs aus London im Dezember 2011 noch als Vorband von The Antlers in St. Gallen, im Kinosaal des Palace gespielt hatten, stellten sie am 08. November 2012 im Plaza in Zürich den Hauptakt dar. Wenn der Hype-Gott ihnen weiterhin so viel "straight-forward-Energie" zugesteht, war das wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, Dry the river in einem derart intimen Rahmen live zu erleben.
Dry the river live in Zürich.
Bild: Fabian Weinschenk

Eröffnet hatte den Abend der Berner Domi Chansorn. Ausgerüstet mit Gitarre und Loop-Effektgerät war es dem Singer und Songwriter in unaufdringlicher Eindringlichkeit gelungen das überwiegend junge Publikum in die richtige Stimmung zu versetzen. Danach bedächtige Stille. Dry the River betraten die Bühne. Die Folk-Zeremonie begann. Treibender Rhytmus, darüber eine “Geigenwellen-Melodie”, mehrstimmige Harmonien und schliesslich wurde der Raum mit Peter Liddles Falsett-Stimme geflutet:

 

“I’m burning like an effigy in here

the summer’s come to haunt me.

And I know I’m not the sacrificial deer,

but I wish you could’ve warned me”

 

Wie gut passten doch diese Zeilen zu dem kalten, schon bald in den Winter kippenden Herbstabend.  Das Publikum folgte der Band begeistert durch die Live Performance ihres Erstlingswerkes “Shallow bed”. Analog zur LP setzte die Hymne “Lion’s Den” den formalen Schlusspunkt des Konzertes. Das Stück endete in einem Ausbruch – oder besser gesagt in einer Offenbarung der Hardcore Wurzeln dieser, für den Folk-Bereich doch so untypischen Band. Während dem finalen Crescendo schien es, als würden sich die aufgemalten Kolibiris links und rechts der Bühne aus der Wand lösen und mit eleganten Flügelschlägen das Publikum umkreisen, um den magischen Moment noch intimer zu gestalten.

 

Nach so einer Performance liess man die Engländer natürlich nicht ohne Encore davon kommen – und die Band schaffte es, die erzeugte Nähe noch einmal zu verdichten. In fast schon religiöser Andacht empfing die Audienz die Musiker in den Zuschauerrängen und feierte mit ihnen zusammen die unplugged Version von “Shaker Hymns”.  Mit diesen unglaublich guten Gefühlen wurden die Konzertgänger abschliessend in den Abend entlassen. Amen.