Ein gut behüteter Abend

Völlig begeistert tippte die Zuschauerin vor mir während dem Konzert einige Worte in ihr Handy. Sie musste ihrem Vater unbedingt mitteilen, dass Jason Mraz gerade ihren Lieblingssong spielte. Sie hämmerte geradezu auf den Display und hängte am Ende der Nachricht hektisch noch ungefähr zehn Ausrufezeichen an. Jason Mraz’ Musik begeisterte in der Maag Event Hall, in der es an diesem Abend von Hüten wimmelte – und das nicht nur auf der Bühne, sind Hüte doch Mraz’ Markenzeichen. Die ausverkaufte Halle war dicht bevölkert, aber nicht so dicht, dass man keinen Platz mehr gehabt hätte, um mit den Rhythmen mitzuwippen.

 

Erweiterte Kapelle

Seine ungefähr zehnköpfige Band stellte Mraz selbst gleich zu Beginn der Show vor. Die gewöhnliche Bandbesetzung bestehend aus Bass, Gitarre, Schlagzeug und Klavier wurde komplettiert von zwei Frauen – eine Violonistin, die auch den weiblichen Part im Hit “Lucky” übernahm und die grossartige Perkussionistin Mona Tavakoli. Andererseits vermochten die drei Bläser mit solistischen Einlagen zu begeistern und verliehen dem Konzert funkigen Schwung.

 

Bis zum Mond

Von Mraz sagt man, er sei live besser als auf Aufnahmen. Wer an diesem Abend in der Maag Event Hall anwesend war, dem müsste der Grund dafür nun klar sein. Der Musiker interpretierte seine Songs teilweise komplett neu. Daraus entstanden Versionen, die man nur einmal zu Ohren bekam – nämlich an diesem Abend. Zudem liess er sich auch zu kurzen Cover-Versionen von “Fly Me to the Moon” und “Three Little Birds” hinreissen, zu denen das Publikum dann wie so oft mitträllerte. Dies war auch bei Mraz’ ersten und bisher grössten Hit “I’m Yoursder Fall, bei dem die Zuschauer jedes einzelne Wort zu kennen schienen.

 

Ein voller Erfolg

Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt des Konzerts bildete die Zugabe, in der Jason Mraz sich vor allem seinen aktuellen Singles “93 Million Milesund “I Won’t Give Up” widmete. Wer gegen elf Uhr die Maag-Halle in Zürich verliess, war sicherlich nicht enttäuscht und bestimmt wünschte sich der eine oder andere Zuschauer, das Konzert hätte gar kein Ende genommen.

“Es geht um das, was um uns herum passiert”

Dank seinem Bruder, der in Zürich lebt, kennt Ace von Skunk Anansie die Schweiz schon gut. Er sei schon in Luzern, Bern, Genf und einem anderen Ort gewesen, an dessen Namen er sich aber gerade nicht mehr erinnern könne. Auch in die Berge hat ihn der Bruder schon mitgenommen, aber Skifahren würde er nicht. Mit einer leichten Ironie nennt Ace einen einzigen Kritikpunkt an der Schweiz, nämlich, dass es hier viel zu teuer sei.

 

Tink.ch: Ace ist dein Nickname. Dein richtiger Name ist Martin Ivor Kent. Als ich den Nachnamen Kent gelesen habe, musste ich lachen und an Clark Kent denken. Hast du schon mal den Übernamen “Superman” oder “Clark Kent” gekriegt?

Ace: Nein, nicht wirklich. Grundsätzlich ist Kent ja mein richtiger Name. Als ich vor etwa 20 Jahren nach London kam, haben in meiner Heimatstadt alle immer zu allem Ace gesagt. Zum Beispiel: “Oh, I had an ace piece of cake!” oder “I saw an ace film!”. Und als ich dann nach London kam, wurde mir Ace als Übername gegeben, weil es aus dieser Zeit in der Heimatstadt war.

 

Also bedeutet Ace so etwas wie “grossartig”?

Ja, da hast du Recht. Die Leute in meiner Heimatstadt sagen das wirklich andauernd! Wenn ich jetzt manchmal zurück nach Hause gehe, höre ich immer noch Leute “ace” sagen. Aber eigentlich wurde das Wort vor allem in den 90ern gebraucht.

 

Hast du irgendwelche speziellen Erinnerungen oder Verbindungen zur Schweiz?

Oh ja, die habe ich! Mein Bruder lebt hier und ich bin schon viele Male hier gewesen. Als wir heute am Flughafen angekommen und dann mit dem Bus in die Stadt gefahren sind, habe ich Zürich schon recht gut gekannt. Ich bin dann gleich spazieren gegangen, in die Altstadt, und habe mit den Leuten in den Tattooshops gesprochen.

 

Sprechen wir über euer Konzert: Es ist ausverkauft. Wie denkt ihr darüber?

(lacht) Wir sind sehr froh darüber, dass das Konzert ausverkauft ist! Gestern Abend hatten wir einen Gig, der auch ausverkauft war, und dies war die beste Show, die wir bisher auf dieser Tour hatten! Es hatte 1000 Leute und es war grossartig, absolut grossartig. Ja, wir sind sehr glücklich, weil die Platte in der Schweiz auf Platz 6 oder so was war, was wirklich gut ist. Je mehr wir in den Charts sind, desto mehr macht es uns glücklich, weil es mit unserem eigenen Label ist.

 

Du hast vorher die Chart-Position eurer neuen CD “Black Traffic” angesprochen, welche in den Schweizer Charts Platz 7 erreicht hat. In Grossbritannien wart ihr etwa zur selben Zeit auf Platz 58. Wie erklärst du den grossen Unterschied?

Es kommt immer auf das Land an. In Island sind wir Nummer 1, in Deutschland Nummer 7 und in Grossbritannien auf Platz 50. Der Unterschied ist, dass es sehr lokal ist. Wenn du also zurück nach Grossbritannien gehst, speziell in London, sind dort so viele Bands. Da sind sooo viele. Pop-Musik ist sehr beliebt. Es kommt immer ein bisschen drauf an, was in einem Land für eine Musikrichtung vorherrschend ist. Wenn dies Rock ist, dann sind wir da auch meist erfolgreicher. Aber unsere Live-Auftritte sind eigentlich überall erfolgreich, was gut ist.

 

In euren Songs geht es auch politisch zu und her. Wie wichtig ist es euch, diese politische Botschaft in eurer Musik zu haben?

Ich denke, jeder, der in irgendeiner Form Musik macht, macht, was er machen möchte. In einer Pop-Band wird übers Ausgehen et cetera gesungen. In der Gothic Musik singen sie über die Dunkelheit und Ähnliches. Und wir sind einfach ganz normale Leute. Und unsere Texte und die ganze Musik ist darüber, was wir sind und was um uns herum ist. Das ist es, was uns sehr politisch macht. Es geht darum, was um uns herum passiert, in dem Moment, in dem wir uns befinden.

 

Denkst du, ihr werdet auf diese politischen Songs, die ihr habt, reduziert?

Nein, wir sind nicht darauf reduziert. Du kannst sagen “I’ve belived in you” ist ein politischer Song, weil er um die Regierung geht. Aber dann ist der nächste Song auf dem Album zum Beispiel “I hope you get to meet your hero”, in welchem es darum geht, persönlich enttäuscht zu sein. Oder du nimmst “I will break you”, der grundsätzlich ein unverschämter Song über Sex ist. (lacht) Es ist nur… es variiert. Wir sind nicht nur politisch. Wir sagen einfach, was wir als Band fühlen.

 

Wie ist denn die Rollenteilung in der Band? Schreibt nur Skin die Songtexte oder auch der Rest der Band?

Nur Skin schreibt die Texte. Aber die entstehen durch Gespräche, die wir in der Band haben. Und Skin macht aus diesen dann die Texte. Wenn sie also die Texte schreiben, wissen wir alle, wovon sie spricht, weil wir über die entsprechenden Themen gesprochen haben. Insofern sind wir schon auch ins Schreiben involviert.

 

Wie hast du eigentlich Skin und die anderen Bandmitglieder kennen gelernt?

Wir haben uns in einem Club getroffen. In einem Club in London, ja. Das war ein Club in dem wir alle immer wieder Shows mit verschiedenen Bands gespielt, herumgehangen haben und so. Und dann sind wir Freunde geworden und haben Skunk Anansie gegründet. Eigentlich sehr einfach.

 

Du verbringst sehr viel Zeit mit der Band, wenn du auf Tour bist oder eine Platte aufnimmst. Wird einem das manchmal ein bisschen zu viel?

Oh, nein. Klar, manchmal brauchst du deinen eigenen Raum. Wir haben ja den Tag durch frei und da muss man den Rest der Band ja nicht unbedingt sehen, wenn man nicht möchte, da kann selbst ein bisschen umherschauen. Ich denke, wir haben uns gegenseitig richtig ausgewählt, um gemeinsam als Band so viel Zeit verbringen zu können. Ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit der Band als mit meiner Frau, meiner Familie und meinen Freunden. Das stimmt. Denn wenn ich zuhause bin, gehe ich mal an einem Abend aus, an einem anderen meine Frau. Und den Tag durch sehen wir uns auch nicht so oft. Und wenn ich mit der Band auf Tour bin, dann schlafe ich in demselben Bus, wie die Band, bin in demselben Hotel wie sie, bin den ganzen Tag mit ihnen zusammen, wir spielen die Konzerte zusammen und oft essen und shoppen wir zusammen. Die ganze Zeit sind wir zusammen. Mit keiner anderen Person verbringe ich so viel Zeit, wie ich es mit der Band tue!

Luzerner Gymnasiasten auf den Barrikaden

Am 23. September 2012 wurde der Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung  mit einer Mehrheit von gut 70 Prozent angenommen. Mit diesem neuen Verfassungsartikel soll vor allem der Stellenwert der Musik im Bildungswesen erhöht und auch Kindern und Jugendlichen aus ärmeren Verhältnissen das Erlernen eines Musikinstruments ermöglicht werden. Zudem sollen besonders begabte Kinder intensiv gefördert werden. Die gewaltigen Sparmassnahmendes Kantons Luzern in der Gymnasialbildung sind laut Esther Schönberger, Schulkommissionspräsidentin der Kantonsschule Musegg, ein grosser Schritt zurück.

 

Sollte die Stadt Luzern sich nicht bereiterklären, die Mietkosten des Fluhmattschulhauses um 25 Prozent zu senken, droht dem dort ansässigen Gymnasium eine Verkleinerung. Die Folgen wären, dass bis zu elf von 27 Klassen (210 von 550 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten), sowie 38 von 93 Lehrpersonen an andere Schulen überwiesen werden müssten – dies entspricht etwa 40 Prozent der Belegschaft der Kantonsschule. Das Problem: Auch andernorts gibt es keinen Platz. Schönberger witzelt: “Wenn eine Schule elf Klassenzimmer frei hat, macht sie eindeutig etwas falsch.” Wo sollen also 210 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und 38 Lehrpersonen untergebracht werden?

 

Verlust von kreativen Köpfen

Die Kantonsschule Musegg ist das grösste reine Kurzzeitgymnasium im Kanton Luzern. Es ist ausserdem bekannt als musisch-pädagogisches Kurzzeitgymnasium, an dem  besonders junge Menschen mit Begabungen im musisch-künstlerischen Bereich gefördert werden.

 

Schönberger stellt klar: “Die geplanten Sparmassnahmen der Regierung sind keine guten Signale. Mir fehlt hier ganz klar die bildungspolitische Diskussion. Eine Verkleinerung der Kantonsschule Musegg würde einen gewaltigen Kulturverlust mit sich bringen, was sich spätestens dann zeigen würde, wenn sich keine Musiker mehr für ein Orchester finden lassen.”

 

“Die Kanti Musegg darf nicht sterben”

“Die Schüler und Schülerinnen wurden nicht nach ihrer Meinung gefragt und somit nicht ernst genommen”, so Esther Schönberger. “Es wäre grossartig, wenn sie ein Zeichen setzen und zeigen würden, dass ihnen die Kanti Musegg am Herzen liegt. Die Politik soll merken, was sie mit diesen Sparmassnahmen anrichtet.”

 

Und genau das tun die Kantonsschüler denn auch. Mit verschiedenen Aktionen machten sie bereits auf sich und die Folgen der Sparmassnahmen aufmerksam. Die bisher grösste Aktion war der Flashmob auf dem Mühlenplatz in Luzern, bei dem sich 200 Schüler und Schülerinnen auf einen Schlag auf den Boden gelegt und einige Augenblicke wie tot liegengeblieben sind. Ihre Botschaft, die auf einem Plakat den verdutzten Passanten überbracht wurde, konnte kaum missverstanden werden: “D’Kanti Musegg döf ned stärbe!” Organisiert wurde der Flashmob von zwei Lehrerinnen der Kantonsschule Musegg.

 

Doch dies scheint erst der Anfang zu sein – sogar ein Protestlied wurde komponiert und das zum Flashmob gehörende Video auf YouTube erfreut sich bereits mehreren Tausend Klicks. Von Schülern wurden Pins designt, die zum Verkauf stehen. Und auch eine Facebook-Gruppe wurde gegründet, die bereits über 1800 Mitglieder zählt. Bis zum 10. und 11. Dezember, dem Datum an dem der Kantonsrat über den weiteren Verlauf der Kantonsschule Musegg entscheiden wird, sind weitere Aktionen geplant. Edith Schönberger sagt dazu: “Wir geben die Hoffnung nicht auf.”

Links

Junge Haie auf Basler Glatteis

Die Duftnote wird strenger, man riecht förmlich den Schweiss aus den rumliegenden Hand- oder Eisschuhen. Links und rechts rauschen Kinder allen Alters mit einem grossen Grinsen und unzähligen unterschriebenen Autogrammarten an uns vorbei. Sie tragen grossteils ein EHC-Basel-Trikot, welches soeben mit Unterschriften der Profis geschmückt worden ist. Wir drängen uns an einer langen Schlange vorbei in das Wohnzimmer der Spielern der ersten Mannschaft des EHC Basel und beobachten wie die Kinder ihren Idole begegnen.

 

“Hallo, darf ich auch ein Kärtli von dir haben?”, hört man sie fragen. Einige lassen ihre Eishockey-Schläger verzieren, andere einen Schal, und wieder andere kommen mit einem riesigen Mannschaftsfoto auf einer Leinwand vorbei. Freude überall, die Spieler sind locker drauf und für Gespräche sind sie sich nicht zu schade. Es sind viele Kinder da, die eben erst eingeschult worden sind. Ein Zeichen, dass es dem Nachwuchs in der Region gut geht?

 

Swiss Ice Hockey Day, ein Beispiel für Eishockey-Werbung

“Leuchtende Augen, rote Wange, helle Begeisterung”. Dies haben sich die Initianten des nationalen Eishockeytages, die Swiss Ice Hockey Federation (SIHF), gemäss eigenen Angaben zum Ziel gesetzt. Anfang November trafen sich an 75 Orten verteilt in der ganzen Schweiz Kinder und Stars auf und neben der Eisbahn. Es war der Startschuss für einen künftig jährlich stattfindenden Event. Dieser richtet sich in erster Linie an Knaben und Mädchen, welche noch nie oder nur wenig in Kontakt mit Eishockey gekommen sind.

 

Auf dem Programm standen unter anderem ein Skateathon, eine Art Sponsorenrundlauf auf Eis und Pflichtprogramm für alle Junioren. Weiter ging es mit der oben erwähnten Autogrammstunde bei der ersten Mannschaft. Zudem durften sich die Kinder im Penaltyschiessen gegen zwei Torhüter der ersten Mannschaft messen, ihre Fähigkeiten trainieren oder bei einem Unihockey-Spiel mitmachen. Oberstes Ziel war es, die Begeisterung und Freude für das Eishockeyspielen unter den Teilnehmenden zu wecken und so neue Junioren zu gewinnen.

 

EHC Basel Young Sharks

Einer der Vereine, die am Eishockey-Tag mitmachten, war der EHC Basel Young Sharks. Eine 2003 gegründete Organisation, welche im Jahr 2009 umstrukturiert wurde und schlussendlich aus einem Zusammenschluss von zwei Nachwuchsorganisationen, dem EHC Basel-Kleinhüningen und dem EHC Basel Young Sharks, zum neuen regionalen Leistungszentrum wurde. Seit diesem Zusammenschluss laufen in Basel alle mit einem Hai auf dem Trikot aufs Eis.

 

Durch den Zusammenschluss wurde eine Basis für einen breiteren Spitzensport mit mehr Synergien in den täglichen Herausforderungen gelegt. Ausserdem klappt die Zusammenarbeit mit den anderen Teams aus der Region: Spieler werden ausgetauscht mit dem Ziel, dass ein Spieler in dem Team Spielpraxis sammeln kann, wo er sich am besten weiterentwickeln kann und wo er weder unter-, noch überfordert ist.

 

 

Werbung, Schule und Training

Der EHC Basel betreibt eine Eishockey-Schule, wo Kinder die Gelegenheit haben, das Eishockeyspielen von Grund auf zu erlernen. Daneben gibt es acht Mannschaften. Von den kleinsten “Bambinis” bis zu den Grössten, der sogenannten “Elite” sind es knapp 200 Nachwuchsspieler, welche von 23 Nachwuchstrainern betreut werden.

 

Auf der Suche nach neuen Spielern und Spielerinnen werden Ausschreibungen gemacht, Flyer verteilt und weitere Aktionen lanciert: “Wir benutzen immer ein bisschen andere Kanäle. Ein Jahr ein bisschen mehr Printmedien, einmal mehr Radio, oder dann direkt an den Schulen”, vertraut uns Daniel Baur, der Geschäftsführer der EHC Basel Young Sharks AG und gleichzeitig Trainer einer Juniorenmannschaft an. “Die effektivste Variante ist immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda.”

 

 

“Die besten Sportler entscheiden sich für Fussball”

“Basel ist eine Fussball-Stadt”, bestätigt Daniel Baur. Trotzdem sei der Zulauf nicht schlecht, seien es doch jährlich jeweils über 100 Teilnehmende in der Eishockeyschule. Auch in diesem Jahr sei man bereits nahe an diese Zahl gekommen. Noch besser besetzt könne man immer sein, sagt Baur. Er fügt aber an, dass sich der Tag des Schweizer Eishockeys als gute Werbung entpuppt und nochmals einen Anmeldeschwung bewirkt habe.

 

Einer Sache ist er sich dennoch bewusst: Aus einem so grossen Kreis wie der FC Basel, kann der EHC Basel Young Sharks seine Junioren nicht auslesen. “Da sind wir eine zu kleine Nummer.” Das Problem sieht er auch darin, dass die besten Sportler sich vielfach für das Kicken entscheiden, da Fussball im Raum Basel die Sportart Nummer eins sei.

 

“Man kann Eishockey in der Region nicht mit Fussball vergleichen”, spitzt Thomas Kaufmann, ebenfalls Trainer, zu. “Der Zustrom ist nicht annährend so hoch, doch gibt es genug Eishockey-Spieler und das Potential ist da. Erfolgreiche Eigengewächse haben es bis in die Nationalliga A gebracht.”

 

Der eigene Nachwuchs als Basis

“Im Breitensport soll der Spass im Vordergrund stehen. Je weiter nach oben ein Kind kommt, desto erfolgsorientier wird mit ihm gearbeitet”, schildert Thomas Kaufmann. Der Aufwand nimmt demnach mit dem Alter und Talent zu, die Junioren spielen plötzlich nicht mehr in der Region, sondern eine Reise nach Genf oder Lugano wird zur Gewohnheit. “In dieser Phase treten viele zurück”, erzählt Kaufmann weiter. “Die, die dann weitermachen und den Biss haben, die kommen auch vorwärts. Aber ganz im Allgemeinen ist es wichtig, dass sie Sport machen und bei Rückschritten nicht aufgeben und aufhören.”

 

Einen erfreulichen Dominio-Effekt soll es geben, beginnend mit mehr Interesse in der Region am Eishockey: Eine Vergrösserung der Hai-Familie ist das Ziel. Mit gut ausgebildeten Junioren soll mehr Druck von unten herauf entstehen, und so der gesunde Konkurrenzkampf in den Teams erhöht werden. “Erfolg haben wir natürlich von unten bis oben gern”, ergänzt Baur. Aus der Kombination von Erfolg und mehr Interesse erhofft man sich, dass mehr Publikum in die Arena strömt. Schlussendlich soll Eishockey wieder eine grosse Nummer in der Stadt Basel werden, so dass man neben dem FCB bestehen kann, bemerkt Baur abschliessend.

 

Die Autogrammstunde ist in der Zwischenzeit zu einem Ende gekommen und Träume wurden gewiss geboren: Einmal an Stelle der Profis zu sitzen und selbst die jungen erwartungsvollen, leuchtenden Augen zu beglücken. Wer weiss, denn mit dem Training beim EHC Basel hat das Spiel gerade erst begonnen.

Empörte dieser Welt, vereinigt euch!

Der dramatische Anstieg neuer Protestbewegungen der letzten Jahre zeugt von einem wachsenden Unmut über bestehende Gesellschaftsstrukturen. Wo Menschen in diesen Tagen auf die Strassen strömen, geben sie ihrem Ärger über die Potentaten dieser Welt Ausdruck. Mögen sich die unterschiedlichen Protestbewegungen in ihren Inhalten, Anliegen und Repräsentationsformen noch so unterscheiden, gleichen sie sich doch in ihren Visionen für eine bessere Welt. Der inzwischen global verbreiteten Streitkultur hat der Moskauer Street-Art-Künstler Misha Most mit einem monumentalen Graffiti ein Denkmal gesetzt. Es ist noch bis zum 29. November in den Räumlichkeiten des internationalen Austausch und Atelierprogramm Region Basel, kurz iaab, beim Dreispitz in Basel zu betrachten.

 

Das neueste Werk des Moskauer Graffiti-Pioniers wurde am Samstag, dem 24. November anlässlich der Eröffnung einer Gruppenausstellung von aktuell in Basel residierenden Kunstschaffenden der Öffentlichkeit präsentiert. Definitiv sprengte es alle leinwandkompatiblen Dimensionen: das Revolutionspanorama bereitete sich vor den Augen der Vernissagebesucher auf der gesamten Länge der Wand einer Industriehalle aus. Dass sich der Urheber des Kunstwerks nicht nur konventionellen Formatsystemen sondern auch die Regeln des Zivil- und Strafrechts widersetzt, bewies er vor einem Jahr.

 

Mutiges Plädoyer für einen offenen Dialog

Damals sprayte er den Artikel 31 der russischen Verfassung, der die Meinungs- und Pressefreiheit garantiert, auf eine Häuserwand gegenüber dem Kreml. Die Verwegenheit, die er auf Moskaus Strassen an den Tag legt, ist dem Künstler auf den ersten Blick nicht anzusehen. Er gibt sich unnahbar, artikuliert seine Sätze mit fast tonloser Stimme und verzichtet beim Sprechen auf effektvolle rhetorische Ausschmückungen.

 

Während er über sein Werk Auskunft gibt, verliert sein verträumter Blick sich immer wieder in der Leere der Industriehalle. In erstaunlich distanzierter Haltung berichtet Most von den Demonstrationszügen in seinem Heimatland, denen er sich bis vor kurzem noch regelmässig anschloss. Dass dies seit jüngster Zeit nicht mehr der Fall ist, begründet er damit, dass er nicht der Illusion erlegen sei, dass es mit der blossen Beseitigung des einen Kreml-Demagogen getan sei. Vielmehr brauche es eine grundlegende Veränderung des postsowjetischen Gesellschaftssystems. Eine Veränderung zu welcher der Bilderstürmer seinen Beitrag leisten will.

 

Kunst mit sprühender Gesellschaftskritik

Mit welchem Selbstverständnis er dies tut, bringt Most mit dem Begriff des “Brain-Hackers” zum Ausdruck: er will den Betrachter zum Hinterfragen des Systems anregen, ihm Anstösse geben. Da liegt es nahe, dass er den russischen Ordnungshütern nicht nur als Vandale sondern auch als Demagoge ein Dorn im Auge ist. Most gesteht, dass die Ausübung seines künstlerischen Spieltriebs schon mehrmals auf der Polizeistation endete. Und schickt im gleichen Atemzug nach, dass er trotz der Einschüchterungsversuche auch in Zukunft nicht von den kargen Wänden lassen werde.

 

Szenen einer Revolution

Auch wenn der Künstler für seine Motive mit Vorliebe Aussenräume aussucht, weicht er ausnahmsweise auch auf Innenräume aus. Most zeigt auf das Graffiti hinter sich. In diesem vermengen sich syrische, ägyptische und russische Demonstranten zu einer entflammten Protestbewegung. Parolen skandierend wirft sich die aufgebrachte Menge den Augen des Betrachters entgegen, eingerahmt durch die Silhouette einer grauen Grossstadtszenerie.

 

Entgegen seiner Neigung zu einer schrillen Farbgebung hat der Künstler die Menschenmenge in Braun- und Grüntönen festgehalten, als ob es sich um die Vereinigung uniformierter Partisanenkämpfer handeln würde. Auf der besprühten Wand sind Frauen in Kopftüchern zu sehen, die ihre geballten Fäuste in die Luft strecken; Männer, die Banner und Spruchbänder in die Höhe halten. Von den sozialen Medien, die bei den Umstürzen des Arabischen Frühlings eine vermeintlich ausschlaggebende Rolle gespielt haben sollen, fehlt auf dem grossflächigen Panorama allerdings jede Spur.

 

Optimistische Projektion in die Zukunft

Most ist überzeugt, dass sich Russland in einer Umbruchsphase befindet. Im Gegensatz zu pessimistischen Stimmen, die vor übertriebenen Erwartungen an die Demokratisierung des Landes warnen und bis 2018 nur mit geringfügigen Umwälzungen rechnen, artikuliert Most die Prognose, dass es bis zum Ende der Amtszeit Putins möglich wäre, einen potenten Gegenspieler aufzubauen. Sechs Jahre bis zur nächsten Präsidentschaftswahl seien eine lange Zeit, in der sich vieles zum Besseren wenden könne.

 

 

Info


Das Werk des Künstlers Misha Most ist noch bis zum 29. November 2012 ausgestellt in der iaab an der Oslostrasse 10 in Basel. Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag, jeweils zwischen 14 Uhr und 18 Uhr.

 

Trugschluss des Friedens

In der Aula trifft man sich für den Plenarvortrag von Wolfram Wette, deutscher Historiker und Mitbegründer der Historischen Friedensforschung, als Einstieg in den Tag zu Ehren des hundertjährigen Jubiläums des Basler Friedenskongresses. Bevor wir mit Informationen über die gesellschaftliche Situation im deutschen Kaiserreich anno 1912 und die Aktualität der Themen des Friedenskongresses bombardiert werden, nochmals schnell einen Blick in die Runde. Das Durchschnittsalter ist auffällig hoch, was wohl auch daran liegt, dass es ein Samstagmorgen ist und junge Leute sich an diesem Wochentag bekanntlich nicht darum reissen, ihr Bett in Frühe zu verlassen. Ein doppelter Espresso schafft jedoch Abhilfe.

 

Der gescheiterte Friedenskongress und die Bedeutung heute

Am Basler Friedenskongress kamen 1912 555 Delegierte aus 23 Ländern zusammen, um ein Manifest des Friedens zu erstellen. Die Idee war, dass Kriegsverhütung die höchste Priorität geniessen müsse. Die Gründe für das letztendliche Scheitern dieser Initiative der sozialistischen Internationale – es folgten bald zwei Weltkriege anstelle von Frieden – bringt Wolfram Wette folgendermassen auf den Punkt: Zum einen standen der Internationalen im Vergleich zur herrschenden Elite und ihren Generalstäben kaum Machtmittel zur Verfügung und zum anderen überschätzte sie den Friedenswillen der Arbeitergemeinschaft und unterschätzte die nationalstaatlichen Gefühle, die bei drohender Gefahr erweckt werden konnten. Die deutsche Elite manipulierte das Volk geschickt, indem es den nahenden Krieg als unvermeidbar und das deutsche Kaiserreich als angegriffenes Land darstellte.

 

Wichtige Unterschiede in der Einstellung zum Krieg im heutigen Europa sieht Wette darin, dass nach den beiden Weltkriegen die Kriegsverhütung immer mehr in den Vordergrund getreten ist. Das Bewusstsein, dass Kriege von Menschen gemacht und verhindert werden können und damit also nicht länger gottgewollt oder eine historische Unausweichlichkeit sind, hat sich mittlerweile etabliert. Die zentrale Frage, wie Kriege in Europa zu verhindern sind, ist nicht mehr aktuell, da ein solcher Krieg aufgrund der inneren Verflechtungen vor allem dank Bildung der EU kaum mehr möglich ist, doch es wäre ein Trugschluss zu denken, im Jahre 2012 sei die Welt rundum friedlicher geworden.

 

Denn auch heute gebrauchen sowohl Diktaturen als auch Demokratien Manipulationsinstrumente, die trotz globaler Massenkommunikation zur Kriegsrechtfertigung und Kriegsvertuschung angewendet werden. Bekanntes Beispiel hierfür ist der Irak-Krieg. Es kommt dazu, dass die Kriegsmächte auch anno 2012 für einen Krieg gerüstet sind, wenngleich dies in der öffentlichen Debatte meist verdrängt wird.

 

Krieg führt zu Armut, Armut führt zu Krieg

In dem an das Referat anschliessende Panel ging es in den kleineren Räumlichkeiten der Universität Basel darum, die heutigen Friedensbewegungen unter die Lupe zu nehmen. Ruth Daellenbach, Senior Consultant bei International Cooperation, vermeldet bei ihrem Beitrag über NGOs als Friedensbewegungen, dass Krieg bekanntlich zu Armut führe und Armut zu Krieg. Somit ist für Daellenbach die Armutsbekämpfung eine Art von Friedensarbeit. Die ehemalige Leiterin der Solidar Suisse weist auf die Hauptproblematik der Armut in der heutigen Welt hin, nämlich die ungenügende Verteilung von Ressourcen und die Machtkonzentration auf wenige. Unter diesen Umständen müsse man sich mit kleinen Erfolgen zufrieden geben, denn solange die Armut strukturell in unserer Gesellschaft verankert ist, ist eine fairere Umverteilung von Ressourcen nicht einfach zu realisieren.

 

Zum Beispiel Sierra Leone, das Rebekka Ehret, ehemalige Leiterin der Sprachabteilung für Gerichtsdolmetscher- und dolmetscherinnen am Special Court for Sierra Leone, vorgestellt hat. In dem westafrikanischen Land ist etwa die Hälfte der Bevölkerung zehn Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs unter neunzehn Jahre alt und siebzig Prozent verdient unter einem Dollar pro Tag. Seine Wirtschaft befindet sich in grosser Abhängigkeit von Krediten und ausländischen Gebern. Dies führt zu grosser sozialer Ungleichheit. Doch das bedeutendste Problem, das nach wie vor ungelöst ist, ist die Reintegration der ehemaligen Kindersoldaten und Kindersoldatinnen. In der Friedensarbeit wird das Ziel verfolgt, Kriege zu stoppen und deren Folgen zu behandeln. Das geht oft zu Kosten der Bekämpfung der Armut. Ausgehend von der These, dass Krieg zu Armut und Armut zu Krieg führt, verlässt man auf dieser Weise den Teufelskreis nicht.

 

Die drei erwähnten Beiträge waren gehaltvoll und wurden kompetent und interessant vorgetragen. Der Morgen war vielleicht nicht abwechslungsreich genug, um es Leuten zu empfehlen, die nicht sehr geschichtsbegeistert sind und beachtet man das Durchschnittsalter des Publikums ist es die Frage, ob an dem Samstagmorgen das Zielpublikum erreicht wurde. Informativ und tiefgründig war die Veranstaltung jedoch allemal.

Dekadenz und Überdruss im Englischen Seminar

Es ist wieder mal Zeit für eine Party. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts wird diese in Form eines Balls durchgeführt. Das ist die beste Form, um in einem Oberhaus zusammenzukommen und sich unter Leuten auszutauschen. Alle kommen sich unheimlich wichtig vor und die meisten tragen Titel wie “Lord” oder “Duchess”. Die Herren kleiden sich steif in Frack und Fliege und die Damen übertrumpfen sich mit prachtvollen Kleidern und extravagantem Haarschmuck.

 

Dekadenz steht vor Zurückhaltung

Schon durch die Szenerie alleine kann sich der Zuschauer ein Schmunzeln nicht verkneifen. England befindet sich gerade im wirtschaftlichen Aufschwung und Dekadenz und Überdruss haben in den Villen der Aristokraten Einklang gefunden. Oscar Wilde kann dabei auch nicht darauf verzichten auf die Stereotypen der Gesellschaft zurückzugreifen: die Männer umwerben die Frauen und die älteren Damen tauschen den neusten Klatsch untereinander aus.

 

Der Fächer steht vor dem Problem

Mitten in diesen Ball platziert Oscar Wilde ein Beziehungsdrama, welches die Ehe von Lady und Sir Windermere auf die Probe stellt. Besonders der Fächer, den die Lady von ihrem Ehemann zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, wird ihr zum Verhängnis. Und nur im letzten Moment findet sich ein Ausweg aus der misslichen Lage, die wie oft in Wildes Stücken auf blosse Missverständnisse zurückzuführen ist.

 

Komik steht vor der Handlung

“Lady Windermere’s Fan” ist nicht Oscar Wildes bestes Werk und gerade das macht auch den Gay Beggars zu schaffen. Wilde zieht den Haupthandlungsstrang unnötig in die Länge und bricht ihn ständig durch die Nebenrollen. Diese geben der Komödie zwar den nötigen Witz, verhelfen jedoch nicht zu einem Spannungsbogen. Im Gegenteil: Wortwitz und Komik der Nebencharaktere ziehen den Fokus stark auf sich und lassen den Hauptrollen nicht viel Platz, sodass diese in den Hintergrund rücken. Leider schaffen es auch die Hauptdarsteller nicht, diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken und bleiben im Schatten der Nebenrollen stehen.

 

Tradition steht an erster Stelle

Nichtsdestotrotz gestalten die Gay Beggars unter der Regie von Eleanor Lowen und Lesley Loew einen unterhaltsamen Abend und zeigen eine traditionelle Inszenierung eines Klassikers, was in der heutigen Theaterwelt nicht mehr so oft zu sehen ist. Im Gegensatz zur Farce “Noises Off”, die von den Gay Beggars im Frühling dieses Jahres aufgeführt wurde, ist “Lady Windermere’s Fan” ein eher gemächliches Stück. Es passt jedoch gut zu den “Lords” und “Ladies”, bei denen es inmitten von Dekadenz und Überdruss überhaupt keinen Grund zur Hektik zu geben scheint.

 

 


29. und 30. November, sowie 1. Dezember jeweils 20:00 Uhr, im Theaterkeller des Englischen Seminars, Nadelberg 6, 4051 Basel.

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Lasst Milch und Honig fliessen

Noch einen Monat haben wir zu leben, dann geht die Welt unter. Das ist nicht viel, selbst für mein kurzes Leben. Wenn ich so zurück blicke und mir überlege, was ich mein Leben lang getan habe, werde ich nachdenklich. Meistens bin ich in die Schule gegangen, habe ganz viel Wissen in mich hineingestopft, um später einmal viel Geld verdienen zu können. Ich habe Pläne befolgt, Regeln, Gesetze, Aufforderungen. Meistens war ich pünktlich und habe mich an den vorgegebenen Tagesrhythmus gehalten. Und was habe ich jetzt davon? Was nützen mir das angehäufte Wissen und das Geld?

 

Schlemmen bis zum geht nicht mehr

Keine Ahnung. Nach dem 21. Dezember 2012, an dem die Welt laut dem Kalender der Maya untergehen wird, werde ich weder noch brauchen können. Auch meine Folgsamkeit wird mir nicht helfen. Höchste Zeit also, alles über Bord zu werfen und einfach mal zu tun, auf was man gerade Lust hat. Zum Beispiel ein Ticket kaufen, in einen Zug steigen und irgendwo hinfahren. An diesem regnerischen Montag um 10.15 Uhr fährt der nächste Zug nach Saint Louis, Mulhouse, Colmar, Strassbourg.

 

Colmar scheint schön zu sein, also steigen wir aus. Anscheinend gibt es hier einen Weihnachtsmarkt. Wir laufen durch die schönen Gassen und finden schliesslich ein paar Hütten. Laute Weihnachtsmusik dröhnt aus Lautsprechern hoch über unseren Köpfen. Weihnachtskekse, Schneekugeln, Kerzen und Figuren: Alles lässt sich finden. Wir probieren uns quer durch das Gebäck und die Käsesorten, kaufen hier und da etwas, das Geld brauchen wir sowieso bald nicht mehr. Zwischendurch stärken wir uns mit einem französischen Crêpe, dann geniessen wir einen Flammkuchen und wärmen uns mit Glühwein auf.

 

Tut euch Gutes!

Hemmungslos gönnen wir uns alles, was wir uns sonst so häufig verbieten. Die Wörter “Zeit”, “Uhr”, “zu teuer”, “beeilen”, “zu kalorienreich”, “sparen” und “müssen” sind verboten. Am Anfang ist das sehr schwierig, immer wieder kommen Gedanken auf wie “Ich sollte…” oder “Ich kann doch nicht…” und ähnliches. Doch mit der Zeit wird es immer einfacher, es sich gut gehen zu lassen.

 

Irgendwann ist das Portemonnaie leer und der Bauch voll, also machen wir uns wieder auf den Rückweg. Zurück in den Alltag. Doch die Einstellung, die Philosophie des “sich etwas Gönnens” nehmen wir mit. Das beste Parfüm wird ab jetzt jeden Tag getragen, die gute Schokolade immer gegessen, wenn ich Lust darauf habe, ein gutes Buch gekauft, auch wenn ich schon viele zu Hause habe. Und am Schluss wird niemand sagen können, ich hätte mein Leben nicht genossen. Hier also mein Aufruf: Tut euch Gutes, ohne Rücksicht auf Geld, Zeit oder Regeln!

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der elfte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

 

Eine Insel im St.Galler “Bar-Ozean”

Sie versprüht eine charmante Stimmung, sie verzaubert die Besucher und sie strahlt Wärme aus, auch wenn der Schwedenofen ausserhalb der kalten Jahreszeit nicht an einem Holzstück knabbert. Ob Winter oder Sommer, die Oya-Bar wiederspiegelt das typische Skandinavien. Christof Huber und Marc Frischknecht, die Gründer und kreativen “Erfinder” der Oya, wollten mit ihrem Konzept eine Nische füllen: “In St.Gallen hat uns so etwas wie die Oya gefehlt. Wir wollten ein Café eröffnen, das gemütlich, einfach aber trotzdem urban ist und vor allem ein Lokal, hinter welchem ein Konzept steht.” Die beiden wollten St.Gallen nicht einfach nur um eine “Kneipe” erweitern, sondern etwas schaffen, das es so noch nicht gab. Die OYA scheint ein Szenelokal zu sein, dessen Publikum aber so vielfältig und individuell ist, dass sich die Szene nicht an einem Kleider- oder Musikstil festmachen lässt.

 

Skandinavische Musik hatte Vorrang

Der rote Faden des Konzepts ist auch klar ersichtlich: Skandinavien – “zumal St.Gallen die kälteste Stadt der Ostschweiz ist”, wie die Betreiber erklären. Von der Getränkekarte über die Musik und die Einrichtung – durch und durch fühle ich mich, als ob ich ein Wochenendtrip in den Norden gebucht hätte. Dazu kommt, dass die St.Galler Insel nicht nur ein Café beherbergt, sondern auch einen Klub im Untergeschoss, welcher Marcs Vorliebe zur nordischen Musik eine Plattform bietet: “Der Klub ermöglicht mir auch, Skandinavische Musiker nach St.Gallen zu holen. Diese sind hier nämlich viel zu selten vertreten.”

 

Obschon oder gerade wegen ihrer gastronomischen Unerfahrenheit, welche die Schöpfer der Insel teilen, wurden sie zu Beginn in ihrer Idee bestätigt. “Wir sind stille Macher im Hintergrund und versuchen mit viel Engagement unser Ziel umzusetzen”. Das hat wohl auch der Besitzer der Immobilie erkannt und ihnen deswegen – trotz des grossen Interesse vieler erfahrener Gastronomen an der Pachtschaft – den Zuschlag erteilt.

 

Niedrige Besucherzahlen im Sommer

Die zweite Bestätigung brachte die Eröffnung mit sich. “Wir wurden förmlich überrannt. Die Besucher mussten sich lange in der Kälte gedulden, bis sie sich einen Platz ergattern konnten.” Es scheint als ob das Konzept vollständig aufgegangen sei und die St.Galler richtig auf die Oya gewartet hätten. Doch nach ihrem Höhenflug in der Anlaufphase landeten die Initianten wieder auf dem Boden der Tatsachen. Das Sommerloch und die damit sinkenden Besucherzahlen drangen bis zur Insel durch. Die Betreiber demotivierte das aber in keiner Weise, sondern wies sie lediglich auf die Schattenseiten der Gastronomie hin. Mittlerweile erreicht das Besuchermeter nämlich wieder sehr warme Temperaturen und das lässt positiv in die Zukunft schauen. Christoph und Marc möchten den Bekanntheitsgrad der Oya erhöhen: “Sie soll kein Geheimtipp mehr bleiben. Es soll selbstverständlich werden, die Oya in St.Gallen zu kennen, wenn zum Beispiel nach dem Weg gefragt wird.”

 

Bier trübt Umweltbilanz

Eine Wegbeschreibung benötigt das schwedische, norwegische, finnische oder dänische Bier zwar nicht, doch bis zur Ankunft in St.Gallen hat es doch einige Kilometer auf dem Buckel. Das lässt natürlich keine überragend positive Umweltbilanz ziehen, auch wenn diese importierten Biere ein Geschmackserlebnis sind.

 

Zum Geburtstag ein Geschenk

Und bald ist es so weit – das erste überstandene Jahr darf gefeiert werden. Am ersten Dezember findet eine richtige Sause statt und als kleines Geschenk haben sich die Betreiber eine ganz besondere Band aus dem Norden geholt: FM Belfast erweist der Oya die Ehre und beglückt die Geburtstagsgäste mit einem Ständchen. Der Eintritt ist frei – das ist gleich ein zweites Geschenk der Oya an ihre treuen Gäste. Die Oya macht ihren Gästen also ein richtiges Geburtstagsgeschenk.

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Steiniger Weg in den Spitzensport

Tink: Wie hat deine Sportlerkarriere vor dem Boardercross ausgesehen?

Stefanie: Ich nahm als jüngster Jahrgang am Migros Grandprix teil, damals noch auf den Skiern. Dies war ungefähr in der ersten Klasse. Ich war nicht so verbissen wie andere, die im Renndress gekommen sind. Mir ging es mehr ums Mitmachen. Ich hatte viele verschiedene Sportarten ausprobiert, bis ich die richtige für mich fand. Ich war schnellste “Bödelerin” (lokales Laufrennen in Interlaken, Anm.d. Red.). Meine Stärke lag vor allem im 1000-Meter-Lauf. Ich war auch Schweizermeisterin im Leichtathletik-5-Kampf. Zudem habe ich in der Leichtathletik mehrere vordere Ränge in verschiedenen kleinen Wettkämpfen belegt.

Wie sah es mit dem Schneesport aus?

Ich erlernte das Snowboardfahren in der siebten Klasse, also relativ spät. Ich habe bei der Talentsuche von Babe (Boarding Association Bern) eine gute Figur gemacht und wurde vor 3 Jahren ins Regionalkader aufgenommen. Im Vergleich zu anderen Trainingsteilnehmern habe ich im Training viel schneller Fortschritte bei mir festgestellt. Danach ging es ständig aufwärts. Ich erreichte immer bessere Platzierungen auch an internationalen FIS-Rennen. Der erste Platz an der GiantXTour im Jahr 2011 bedeutete vor allem in der medialen Präsenz meinen Durchbruch.

Boardercorss ist kein risikoloser Sport. Hast du schon Verletzungen davongetragen?

Ich hatte mal eine Gehirnerschütterung. Zudem habe ich kleinere Rücken- und Knieprobleme hinter mir. Am FIS-Rennen in Sedrun am 14. Januar dieses Jahres habe ich mir den Oberarm gebrochen.

Wie kommt es zu einem solchen Unfall?

Ich musste am Rennen als Erste starten. Nach der Steilwandkurve kamen mehrere Bodenwellen. Ich bremste vor den Wellen zu wenig ab, flog durch die Luft und fiel unglücklich auf den Oberarm. Nach dem Sturz wurde ich mit der Rega nach Bern in den Lindenhof gebracht, wo mir Platten eingeschraubt wurden. Die Saison war leider vorbei. Nun bin ich aber wieder im Training zurück.

Wie muss man sich einen Trainingstag im Schnee vorstellen?

Je nach Öffnungszeit der Bahnen in Saas Fee stehe ich bereits um sechs Uhr oder etwas später auf. Danach gibt’s Morgenessen und ich mache mich bereit für die Piste. Oben auf dem Gletscher wird aufgewärmt und eingefahren. Danach wird je nach Training Schanzen gesprungen oder im Kurs trainiert. Anfangs Saison werden auch Grundelemente und das Carven im Alpinkurs trainiert. So gegen zwei Uhr gehen wir mit dem Team Essen und dann wieder ins Tal runter. Unten angekommen, wird das Board gepflegt und ich kann mich etwas ausruhen. Am späteren Nachmittag gibt es ein Konditionstraining mit Kraft- und Schnelligkeitsübungen. Im Anschluss daran gibt es oft noch ein Teammeeting. Etwa ab 21Uhr haben wir dann freie Zeit zum Lernen oder Freizeit.

Wann kannst du überhaupt noch die Schule besuchen?

Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Momentan sind es einzelne Tage, wo ich das Gymnasium Hofwil (Swiss Olympic Partnerschule, Anm. d. Red.) besuche. Da ich in der sogenannten “Talentklasse” bin, werde ich auch individuell gefördert. Ich bin die Schülerin, die wohl am meisten fehlt. Die Musiker oder andere Sportler der Talentklasse können meist am Morgen dem Unterricht beisein, was mir oft nicht möglich ist.

Wie sieht das Trainingsjahr aus?

Im April schliessen wir die Saison mit der Schweizermeisterschaft ab. Dann gibt es noch ein Snowboardmaterialtest. Nach den Frühlingsferien beginnt das Konditionstraining und Krafttraining fünf Mal in der Woche. Im August beginnt schliesslich wieder das Schneetraining auf dem Gletscher in Saas Fee. Das Training findet jeweils mit verschiedenen Organisationen (SwissSnowboard / Regionalkader BABE / Snowboardzentrum Bern) statt. Je nachdem ist man eine ganze Woche oder vereinzelte Tage im Schnee. Von Januar bis April ist dann die Rennensaison.

Wie siehst du deine Zukunft als Profisportlerin?

Ich möchte meine Ziele (Aufstieg in den Weltcup und Olympiateilnahme) erreichen und gerne die Erwartungen erfüllen, die an mich gestellt sind. Meine Eltern unterstützen mich auf meinem Weg zum Spitzensport. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön. Es ist sehr schwierig für mich, Geldsponsoren zu finden, da der Snowboardcross leider zu wenig populär ist. Trotzdem verfolge ich meine Karriere als Snowboardcrossfahrerin. Ich freue mich auf die kommende Saison (Start am 22. und 23. Dezember in Cortina, Italien, Anm. d. Red.) und werde mein Bestes geben.