Politik | 03.10.2012

“Wir hoffen Nummer-Eins-Ort zu sein”

Text von Rade Jevdenic | Bilder von zvg
Petar Marjanovic ist Entwickler bei der schweizerischen Polit-Plattform Politnetz.ch. Im Interview spricht er über Datenjournalismus und -veredelung.
Petar Marjanovic führt die Abwesenheitsliste im Bundeshaus, damit die Bevölkerung den Politikern "auf die Finger schauen" kann.
Bild: zvg

Interaktiv, verständlich und transparent – dies verspricht eines der mittlerweile wichtigsten schweizerischen Portale für Information und Diskussion rund um die nationale und internationale Politik. Die Website wird von Zürich aus von einem sechsköpfigen Team betreut. Sie sind vor allem zuständig für den reibungslosen technischen Ablauf der Homepage, kontrollieren und visualisieren Abstimmungen sowie weitere Informationen.

 

In einer besonderen Sparte

Teil des Teams ist auch Petar Marjanovic, der in seiner Position als Entwickler auch politisches Rüstzeug mitbringt: Er war lange bei den Jungsozialisten politisch aktiv. In einem Konflikt sieht er sich aber nicht, erzählte er im interview: “In unserem Team finden sich die verschiedensten politischen Einstellungen – abhängig macht uns das aber nicht.” Er wird ab Montag an der Herbstsession teilnehmen, als Journalist im Ständerat. “Wir arbeiten derzeit daran bei Abstimmungen im Ständerat, namentlich festzuhalten wie welcher Politiker stimmt. Bisher sind diese Abstimmungen nicht persönlich – Namen werden nicht festgehalten.” Man bezwecke damit, dass die Bürger den Politikern künftig noch besser auf die Finger schauen können.

 

Man sehe sich als Teil des Journalismus, jedoch in einer besonderen Sparte, erzählt Marjanovic weiter. “Wir betreiben hauptsächlich die Veredelung von noch ‘rohen’ Daten, indem wir sie einer breiten Masse zugänglich und verständlich machen.” Es sei jedoch Ziel und Wunsch des Teams, künftig auch redaktionell mehr tätig zu sein. Auf die Frage, ob auch Politnetz.ch ein 24/7-Medium ist, meint Marjanovic: “Das Format Web 2.0 verlangt es, 24 Stunden am Tag aktiv zu sein – das gilt auch für uns als Mitarbeiter. Manchmal kommt so am Wochenende auch mal mehr Arbeit auf uns zu, dafür haben wir zum Beispiel im Sommerloch dann mehr Freizeit.”

 

Vom Netz zum Netzwerk

Besonders am Herzen liege der Plattform Transparenz – gegenüber Politik-Interessierten und Politisierenden. So veröffentlichte das Portal zur Frühlingssession 2012 eine Abwesenheitsliste, in welcher jeder Bürger nachschauen konnte, wie konsequent die gewählten Delegierten an den Diskussionen im Bundeshaus teilgenommen haben. Auch auf der Homepage versucht man sich in Transparenz, so beschreibt sich die Diskussionskultur des Politnetzes mit Toleranz, Respekt, Wahrheit und Bezug. Nutzer, die gegen diese Leitsätze verstossen, werden auch sanktioniert: “Es ist schon vorgekommen, dass wir Beiträge kürzen oder editieren mussten, weil sie eine faire Diskussion nicht mehr ermöglicht haben”, so Marjanovic.

 

Künftig möchte man das Format von Politnetz bis auf Kantons- und Stadträte erweitern. Das Kantonsparlament von St. Gallen fungiert in diesem Sinne als Pilotprojekt, und soll bis Ende 2012 ins Politnetz integriert werden. Man verspürt den Traum, das Politnetz zu einem landesweiten Netzwerk zu formen: “Wir hoffen, der Nummer-Eins-Ort zu sein, wo sich der schweizerische Bürger über das politische Geschehen informiert”, sagt Marjanovic, “doch es geht nicht nur darum, die Bevölkerung zuinformieren, sondern auch darum, sie zur Partizipation zu animieren.

 

 

Zur Serie


Im Vorfeld der ersten Schweizer Jugendmedientage, die vom 19. bis am 21. Oktober in Zürich stattfinden berichtet Tink.ch über die Medienwelt. Auch dies, wie gewohnt, aus jugendlichem Blickwinkel. Die Texte erscheinen zudem auf www.jugendmedientage.ch/blog. Reinschauen lohnt sich.

 

 

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