06.10.2012

Who gives a fuck about sex?

Text von Matthias Käser | Bilder von zVg.
Ich stehe in der Schlange zum Kinosaal. Um mich herum nichts als Pärchen mit ausschliesslich demselben Gesprächsthema: Sex. Unter dem Motto "Peeping Shnit" gibt das Festival Einblicke in die schönste Nebensache der Welt. Ob ich wohl als Alleingänger etwas fehl am Platz bin? Der Andrang vor dem Einlass lässt mich das Gegenteil hoffen.
Zwischen Tradition und sexuellem Verlangen: Mai und Alaa in "Café Regular, Cairo".
Bild: zVg.

Nebst Experimentalfilmen und Kurzspielfilmen werden überwiegend Animationsfilme gezeigt. Die Toleranzgrenze scheint hier höher und so kann expliziter und bewusster provoziert werden. Allerdings gelingt es den wenigsten Werken, dieses Thema originell abzuhandeln. Die Experimentalfilme sind oft zu abstrakt, um ihren Gehalt im ersten Durchlauf erfassen zu können, während andere Filme dagegen das Thema fast zu offen und direkt angehen.

 

Sexualität im Islam

Ein Goldstück ist allerdings das Werk von Ritesh Batra, einem Schriftsteller und Filmemacher aus Mumbai. “Café Regular, Cairo” handelt von einem ägyptischen Paar. Mai kommt gerade von einer Reise nach Hause und trifft Alaa in einem Café in Kairo. Das Gespräch wechselt vom Umschwung in der islamischen Welt zu Mais Wunsch, unbedingt ihre Jungfräulichkeit an ihn zu verlieren. Er macht sich Sorgen um ihren Ruf, falls andere Leute aus ihrem Umfeld ihren Wunsch erfahren sollten. Der Film zeigt eindrücklich, wie sich die Spannung zwischen den beiden jungen Leuten aufbaut. Diese zwei Personen verkörpern damit auch die Spannung in islamischen Ländern zwischen traditionellen Werten und modernen westlichen Entwicklungen.

Die Dialoge verlieren über den ganzen Film hindurch nichts an Spannung. Nicht umsonst werden die Drehbücher von Batra mit den Dialogen von Quentin Tarantino verglichen, schliesslich macht genau dies den preisgekrönten Film aus.

 

Guter Humor

Nach dieser ernsten Thematik wird der Filmblock mit dem gelungenen, humorvollen Animationsfilm “Wanted Melody” beendet. Eigentlich ein gewöhnlicher Zeichentrick-Western. Richtig witzig wird er aber erst dadurch, dass die Figuren dem männlichen Geschlechtsorgan nachempfunden sind.

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