Gesellschaft | 20.10.2012

Wenn die Dozenten rufen

Text von Janosch Szabo | Bilder von Manuel Lopez
Acht junge Leute haben sich für die ersten Schweizer Jugendmedientage mächtig ins Zeug gelegt und zuletzt nicht gerade viel geschlafen. Was spornt sie an? Was sind ihre Ziele?
Die Teamer am Check-In Desk der Jugendmedientage.
Bild: Manuel Lopez

Klak klak klak. Energische Schritte. Eine Frau eilt hin und her. Antwort gibt sie nur im Gehen, in der Hand eine Dose Trojka Energy: Luzia Tschirky, die Co-Projektleiterin der Jugendmedientage. Der Anlass, den sie mit ihrem Team in zehn Monaten auf die Beine gestellt hat, läuft nun. Doch Ruhe findet sie nicht. Seit Tagen ist sie auf Trab. Fast alle Kurse habe sie letzthin an der Uni geschwänzt. «Von den Dozenten bekomme ich schon Mails, ich solle mich wenigstens offiziell austragen«, sagt die 22-Jährige und ist schon wieder um die Ecke.

Ein Beamer wird gesucht. Besser das, als in letzter Minute einen Tontechniker zu ersetzen. Luzia ärgert sich noch immer darüber. Ihr grösster Lapsus sei gewesen, dass sie viel zu wenig drauf geschaut habe, Zusagen und Versprechen schriftlich zu haben. Felix Unholz derweil, verantwortlich für die Workshops, hat noch ein Problem mit Kameras, deren Stecker nicht zu den McBooks passen. Aber das gehöre halt dazu, wenn man solche Anlässe organisiere. Ein «kreativ-halborganisiertes Chaos« nennt er den Zustand.

Dazu gehören natürlich auch positive Überraschungen. Eine solche war Bertram Weiss, Fact-Checking-Spazialist aus Deutschland, der von sich aus kurzfristig anbot, in Zürich vorbeizukommen. Felix gibt das die Bestätigung, dass er sich fürs Richtige einsetzt: «An Erwachsenenpodien wird immer viel über die Krise der Zeitungen und wenig über Lösungen gesprochen«, sagt er: «Wir beweisen hier, dass es auch anders geht, dass es eine Zukunft gibt und die Jungen etwas können.« Kollege Dominik Galliker denkt gar schon einen Schritt weiter: «Ich hoffe, dass sich der Event etablieren kann, vielleicht auch noch grösser wird.« Er finde es wichtig, «dass Junge über Journalismus reden und das nicht den Erfahrenen überlassen.« Keine Frage also, dass er für diese Sache Alles gibt. Sechs Stunden Schlaf waren zuletzt Luxus, vier Stunden die Regel. «Mit Red Bull geht das. Aber ich vergesse gewisse Sachen.«

Eins indes vergisst Dominik nie mehr: als er zur ersten Sitzung kam, schön pünktlich, und dort allein auf Luzia in ihrer Küche traf. Der Anfang wars von ihrer Co-Leitung. Luzia, die die Idee von Jugendmedientagen aus Deutschland mitgebracht hatte, steckte ihn schnell mit ihrer Begeisterung an. Und so auch Pascal Gähler, den dritten Teilnehmer der Auftaktsitzung: «Die Herausforderung, einen grossen Event für eine gute Sache zu organisieren, hat mich gereizt«, sagt er. Logistik mache er auch im Militär, hier könne er seine Erfahrung nun einmal im zivilen Leben einbringen. «Mein Ziel ist, dass die Teilnehmenden am Ende sagen können: hier habe ich etwas gelernt, dass ich brauchen kann.«