Gesellschaft | 09.10.2012

“Weniger ist mehr” auch bei der Umsetzung?

Text von Michael Küng
Die Nachfolge-Sendung von "5 gegen 5" ist seit dem 20.08.2012 auf Sendung. Es handelt sich dabei um die umgekehrte Spielvariante des Vorgängerformats. Richtige Antworten zwar, aber solche, die 100 Leute am wenigsten gesagt haben, sind gefragt. Das Team mit den wenigsten Punkten gewinnt.
Das britische Original "Pointless" überzeugt durch witzige Moderatoren und viele spannende Spielrunden.

Bei “Weniger ist mehr” handelt es sich um eine britische Adaption. Das Original heisst “Pointless”, läuft auf BBC und hat eine Laufzeit von 45 Minuten. Auf Grund des engen, strukturierten Vorabendprogramms kommt das Format auf SF 1 lediglich auf 23 Minuten. Dies führt dazu, dass die Schweizer Macher Teile des Spiels weglassen mussten. Ausserdem wirkt die Sendung häufig ein wenig gestresst. Die Änderungen im Konzept ziehen sich durch alle Bereiche, generell gilt auch da, “weniger ist mehr”. Es gibt drei Kandidaten, beim Original sind es vier. In der Schweiz gibt es zwei Vorrunden, eine wird im Vergleich mit den Engländern weggelassen.

 

Im Final haben die Kandidaten in der SF Version zwei Chancen eine Null-Antwort herauszufinden, eigentlich wären es drei. SF verzichtete auf den Co- Moderator, der dem Hauptmoderator im Original mit wissenswerten Fragen zur Seite steht und das Format damit belebt.

 

Das Format kommt trotzdem an

Trotz der inhaltlichen Schwächen scheint die Sendung dem Publikum zu gefallen. Die Einschaltquoten von “Weniger ist mehr” sind vergleichbar mit den Zahlen, die “5 gegen 5” in der Startphase hatte. “Insofern sind wir mit dem Zuschauerinteresse zufrieden”, sagt Rolf Tschäppät, Bereichsleiter Comedy und Quiz SRF.

 

Angesprochen auf die Tatsache, dass das Format in der SF Version gekürzt wurde, erwidert er: “Weder bei “5 gegen 5” noch bei “Weniger ist mehr” bemängeln die Zuschauer die Sendelänge. Gerade am Vorabend kann davon ausgegangen werden, dass die Zuschauer ein knapp halbstündiges Vergnügen schätzen – schliesslich muss ja irgendwann noch gekocht und gegessen werden.”

 

Anpassungen schliesst Tschäppät nicht aus: “Es ist bei Game-Shows tatsächlich nicht ungewöhnlich, nach einer bestimmten Zeit leichte Anpassungen vorzunehmen. Ich schliesse deshalb nicht aus, dass bei ‘Weniger ist mehr’ eine Spielrunde noch unterhaltender gestaltet werden kann.”

 

Eine Verlängerung der Sendezeit kommt für Tschäppät aber nicht in Frage. Ein spannendes Spielkonzept, Fragen bei denen der Zuschauer mit raten kann und ein guter Moderator seien viel wichtiger.

 

Die ARD macht’s besser

Auch in Deutschland läuft das Format unter dem Namen “Null gewinnt” am Freitagabend. Mit 45 Minuten hat man die Originallaufzeit übernommen und muss keine Abstriche machen.  Als schlagfertigen Moderator hat man den Komiker Dieter Nuhr genommen. Leichte Änderungen haben auch die Deutschen vorgenommen, jedoch hat “Null gewinnt” schlechte Quoten und wird vermutlich nicht fortgesetzt.

 

Es bleibt abzuwarten, ob  “Weniger ist mehr” langfristig die Einschaltquoten beibehalten kann. Damit wäre die Schweiz eine Ausnahme, denn in Deutschland haben es jüngst alle täglichen Quizformate äusserst schwierig, gute Zuschauerzahlen zu erreichen. Und somit darf man auch nicht enttäuscht sein, wenn das Format in der Schweiz den gewünschten Erfolg nicht erreicht.