Gesellschaft | 20.10.2012

Von empfindlichen Hörern

Text von Matthias Strasser | Bilder von Matthias Strasser
In Lokalradios spielt der Dialekt eine entscheidende Rolle. Der Besuch bei NRJ Zürich zeigt, worauf die Personalverantwortlichen beim Dialekt achten. Berner oder Bündner sollte man sein, wenn man moderieren will. Als Basler hat man kaum eine Chance.
Katja Widemann, Moderatorin von Energy Zürich, am Mikrofon.
Bild: Matthias Strasser

“‘Züridütsch’ geht gar nicht”, sagt Céline Brunner, Tagesverantwortliche bei NRJ Zürich – einer von drei NRJ-Radiostationen in der Schweiz. Wenn die Hörerinnen und Hörer von NRJ Basel in ihrem Lokalradio eine verbale Invasion der Zürcher vermuteten, dann würden sie Sturm laufen, erklärt Brunner das Problem ihres Dialekts. “Ganz wüste E-Mails” habe das schon gegeben. Heute werden deshalb fast nur noch Rohmaterial und Text ins NRJ-Studio nach Basel geschickt.

Dort spricht ein Redaktor den Text neu ein – in «Baaseldytsch«. Umgekehrt wiederum sei es für Basler Moderatoren schwierig, ausserhalb der Heimat Fuss zu fassen. Besser hätten es dagegen Berner und Bündner. Die seien praktisch in der ganzen Schweiz akzeptiert. Und auch als Wettermoderator habe man gute Chancen, von den Hörenden angenommen zu werden.

 

Für NRJ ergibt sich daraus ein Problem, denn es könnte viel Geld gespart werden, wenn bei allen Stationen dieselben Beiträge gesendet würden. Allerdings will man die Hörenden nicht erschrecken, man hat sich mit ihren Vorlieben arrangiert. Als kommerzieller Sender ist NRJ auf Werbeeinnahmen und damit auf Hörerzahlen angewiesen.

 

Die Moderatoren freut das. Denn die Sprachbarrieren zwischen den Dialekten wirken wie Schutzwälle gegen die fortschreitende Medienkonvergenz. Zwar arbeiten schon heute etwa dreimal so viele Redaktorinnen und Redaktoren in Zürich, wie in Bern oder Basel. Ein Basler Lokalradio aber wird immer Basler Moderatoren anstellen müssen.