Gesellschaft | 23.10.2012

Vom Spitzen- zum Schnellkoch

Eduard Hitzberger ist eigentlich ein dekorierter Spitzenkoch mit zwei Michelin-Sternen. Hitzberger heisst auch seine Kette für gesunden und nachhaltigen Take-Away. Tink.ch genehmigte sich in Basel eine Kostprobe.
Nur auf den ersten Blick buntes Treiben: Das Hitzberger als Take Away-Besteller. Das Restaurant liegt direkt am Basler Aeschenplatz. Exklusives Fast Food: gesund, nachhaltig, teilweise bio, und auch die Preise exquisit. Vegi-Sandwich- und Wrap tropfen wie ein Döner. Keine veganen, aber delikate Desserts.
Bild: Martin Sigrist

Der Punkte- und Sternekoch Eduard Hitzberger war gemäss der Finanzzeitschrift Bilanz Koch des Jahres. 2009 gründete er seine Take-Away-Kette Hitzberger. Mittlerweile ist Hitzberger auf sieben Filialen in Basel, Bern und Zürich angewachsen. Ausschliesslich vegetarisch ist das Angebot bei weitem nicht, dennoch soll das Versprechen nach nachhaltigem, gesundem und bezahlbarem Essen mit Fokus auf vegetarischer Kost getestet werden.

 

Chice Selbstbedienung

Das Konzept basiert auf Selbstbedienung, entweder als Take Away oder zum Verzehr in den eigenen Lokalen, welche für Schnellverpflegung ganz schönes Design beweisen. Das Lokal in Basel liegt direkt am Aeschenplatz und spricht so eher Geschäftskunden an. Trotzdem oder deswegen ist das Lokal über Mittag erstaunlich schlecht besucht.

 

Das Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten ist knapp, je ein Wrap und Sandwich sowie Salate, Suppen und ein Curry; Wrap und Sandwich unterscheiden sich nur durch die Ummantelung. Auch der Salat ist vom Inhalt her genau dasselbe ohne Kohlenhydrate.

 

Magere Deklaration, volle Freundlichkeit

Die Deklaration bezüglich vegan und vegetarisch auf der Karte ist in Ordnung, bei den Desserts muss allerdings nachgefragt werden. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, kann aber ohne nachzufragen nicht sagen, welche Speisen Eier oder Butter enthalten. Das Hitzberger versteht sich nicht als vegetarisches oder veganes Restaurant, der Fokus liegt gemäss Website auf Qualität, sowie lokalen Produkten aus biologischem Anbau, wobei laut Deklaration nicht sehr viele Gerichte tatsächlich bio sind. Einmal abgesehen vom Fair-Trade-Kaffee. Die Speisekarte kann online ohne Preisangaben angeschaut werden, so kann der Besuch vorbereitet werden.

 

Die Gerichte sind für ein Take-Away-Lokal eher teuer, die Gerichte werden schnell und vor den Augen der Kundschaft zubereitet. Studierende und Schüler erhalten Rabatte. Leitungswasser ist auf Anfrage kostenlos erhältlich, Brot hingegen kostet extra. Für die Gesundheit kann man auf dem Kassenzettel die Nährwertangaben des eigenen Verzehrs nachschauen.

 

Knackiger Salat, weiche Sandwiches

Das Testmenu bestand aus einem vegetarischen Wrap und einem vegetarisches Sandwich, dazu einen grünen Salat und eine Karotten-Ingwer-Suppe, als Getränk ein Haus-Eistee und ein Bio-Sirup, der leider aus dem Supermarkt stammt, zum Schluss zwei nicht vegane Desserts: ein Schoggi-Bananen-Muffin ohne Eier und ein Brownie. Komplett mit Menü- und Studierendenrabatt kostete der Einblick in Hitzbergers Take-Out-Welt gut 40 Franken. Der Preis für die Speisen bewegt sich im üblichen Rahmen der urbanen Take-Away-Gerichte.

 

Das Essen ist war gut und schmackhaft, kam jedoch ganz allgemein etwas fade daher. Die erwärmten Hauptspeisen Wrap und Sandwich waren sehr weich, fast matschig. Die vegetarischen Patti in den Hauptspeisen vermischten sich so mit der Vinaigrette zu einer Sosse. Das probierte Red Thai Curry war pikant, geschmacklich jedoch weniger spannend als das Aussahen versprach.

 

Das Fazit bleibt durchzogen. Das Angebot ist für Vegetarier leider nicht sehr gross und preislich kein Schnäppchen, wobei es in Städten selten günstiger geht. Die frische Zubereitung ist erfreulich, doch vermögen die Gerichte die Erwartungen an günstige, schnelle, dennoch aufregenden Spitzengastronomie zum mitnehmen nicht ganz zu erfüllen.

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