Kultur | 16.10.2012

Urkeksi abschnitzeln am Waves

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Zum zweiten Mal fand in Wien das Waves-Festival statt. Rund um Donau und Prater lockte ein Musikprogramm drei Tage lang die Menschen in Clubs, in eine Unterführung, ins Tram und in die Sauna.
Konzerte auf der Donau, hier The Wave Pictures auf dem Clubschiff von Radio FM4. Eine Institution im Wiener Klubleben: Das Flex direkt am Donaukanal. Das Hauptquartier des Festivals befindet natürlich ebenfalls auf einem Donau-Schiff. Konzentriertes Anhören der möglicherweise nächsten Festivalsensation: Vertreter von Festivals wie dem Haldern Pop, Great Escape, SXSW, Southside und Hurricane. Das Odeon, die ehemalige Börse für landwirtschaftliche Produkte, ist am Waves eine Bühne für Björn Kleinherz. Die ehemalige Pratersauna wurde zum angesagte Nachtklub namens Pratersauna.
Bild: Martin Sigrist

Wien ist mehr als Sissi, Kutschenfahrt und ein irgendwie doch fremdes deutsch. Die österreichische Hauptstadt ist mittlerweile hip genug für ein eigenes Club-Festival. Das Waves füllte heuer zum zweiten Mal diese Lücke.

 

Internationales Programm mit viel Potential

139 Künstler und Bands aus 27 Ländern standen auf 10 Bühnen und lockten damit knapp 11-˜000 Besucher in die österreichische Hauptstadt. Gastländer waren Polen und Frankreich, die Eidgenossen waren mit Anna Aaron und The Bianca Story vor Ort. Das Festival brüstet sich weniger mit grossen Superstars. Die Clubs sind dafür schlicht zu klein. Dafür überzeigt das Waves-Festival mit einem breiten soliden Programm aus möglicherweise kommenden Stars und bereits etablierten Musikern, vor allem aus den Bereichen Pop, Rock und Elektro. Zu den Band-Kurzportraits.

 

Eröffnet wurde das dreitägige Festival mit dem Dokumentarfilm “Shut up and Play the Hits”, welcher das letzte Konzert der US-amerikanischen Band LCD Soundsystem im Frühling 2011 nachzeichnet. Ob dieser Film in die Schweizer Kinos kommt ist noch unklar. Neben dem Kino verteilte sich das Festival mehrheitlich im zweiten Bezirk der österreichischen Hauptstadt, entlang der Donau und des Praters. Zahlreiche Lokale beweisen, dass sich in Wiens Clubszene einiges getan hat.

 

Wiener Clublandschaft

Die Pratersauna wurde ebenso wie eine ehemalige Fussgängerunterführung – das Fluc – zum angesagten Lokal. Die ehemalige Börse für landwirtschaftliche Produkte (Odeon) bot ruhige Momente, wassernah standen das legendäre Flex und das Badeschiff in der Donau für die interessierte Besucherschar bereit. In Geschäften und Cafés kann man den Bands bei ihren akustischen Sessions ganz nahe kommen. Die Navigation durch die Stadt und das Programm klappen prima, die Festival-App funktioniert offline und somit auch für die ausländischen Gäste. Ein solches wünscht man sich für andere Festivals. Erfreulicherweise waren die Clubs kaum je voll, so dass die Orte der Begierde jederzeit betreten werden konnten. Bei Club-Festivals mit beschränkten Kapazitäten ist das nicht immer möglich.

 

Konzert und Konferenz

Neben dem Festival diskutierten über 500 sogenannte Delegates mit weiteren Vertretern der Branche an einer Konferenz rund ums Thema Musik. Wie lässt sich Musik verkaufen? Wie gründet man Labels? Wie werden Bands an Festivals eingeladen?

 

Das Waves ist trotz Wachstum überschaubar und familiär geblieben. Wien beweist mit diesem Festival, dass die Stadt nicht nur tolle Clubs bietet, sondern auch ein charmantes Festival mit netten Menschen und sympathischer Sprache, so darf man an der Donau urkeksi abschnitzeln.

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