Kultur | 07.10.2012

Kino in der Kirche

Das Kurzfilmfestival Shnit ist grösser denn je. Tink.ch sprach mit dem kaufmännischen Leiter Simon Hofmann über die Organisation des Festivals und wie es dazu gekommen ist, dass man dieses Jahr Kurzfilme in ganz speziellem Ambiente anschauen darf - nämlich in Kirchen.
Gelungener Start: Simon Hofmann vom Shnit ist zufrieden
Bild: Radislav Jevdenić

Wie ist das diesjährige Shnit gestartet? Bist du zufrieden?

Simon Hofmann: Bis jetzt bin ich wirklich sehr zufrieden. Letztes Jahr war zum Teil der organisatorische Ablauf schwieriger zu koordinieren. Aber dieses Jahr ist bis jetzt alles gut gelaufen, es gab wenige Zwischenfälle. Da bin ich sehr froh darüber.

 

Was macht dir besonders Freude?

Die Eröffnung in der Heiliggeistkirche war super. Auch der Start am Mittwoch mit drei Locations und die Erweiterung auf sechs Locations bis Samstag erfolgte reibungslos. Wir konnten überall rechtzeitig starten. Und die Kirchen als Kinoräume sind wirklich toll.

 

Wie ist es dazu gekommen, dass Kurzfilme in Kirchen gezeigt werden?

Wir suchten grosse Säle, die auch zum Shnit passen und die etwas speziell sind. Da sind wir dann auf die Idee gekommen, Filme in der Kirche zu zeigen. Ausserdem passt es auch zu unserem Motto Holy Shnit.

 

Findest du überhaupt Zeit, Filme anzuschauen?

Bis jetzt habe ich noch keinen ganzen Block gesehen. Aber ich könnte mir grundsätzlich gut Zeit nehmen, um einfach mal einen ganzen Block anzuschauen. Aber ich bin lieber unterwegs, ein bisschen hier und dort.

 

Wie viele Stunden hast du in den letzten Tagen geschlafen?

Mein Schlafenszeit ist schon ein wegen reduziert, aber mehr wegen unserem Kind, das am Morgen schon früh aufwacht. Wahrscheinlich habe ich in letzter Zeit zwischen vier bis fünf Stunden geschlafen.

 

Wie läuft die Koordination im Team für die Berner Ausgabe vom Shnit ab?

Es gibt natürlich viele Diskussionen. Wir können aber auf die Erfahrungswerte der künstlerischen Leitung zurückgreifen, weil diese von Anfang an dabei war. Das hilft und ist extrem unterstützend. An anderen Orten ist die künstlerische Leitung von der Organisation getrennt, in Bern arbeiten wir allerdings eng zusammen.

 

Was ist die grösste Herausforderung bei der Organisation eines solchen Anlasses?

Besonders schwierig ist es definitiv, den Überblick zu behalten.

 

Das Shnit bietet hohe Preisgelder im Wert von insgesamt 100-˜000 CHF. Wie kriegt man eine solche Summe zusammen?

Die Summe hat sich an die Bedeutung des Wettbewerbs angepasst und steht so im Einklang mit dem internationalen Kontext. Die Finanzierung des Preisgeldes wird ermöglicht durch die Gemeinsamkeit der 10 Spielorte, die alle nach Vermögen ihren Teil beitragen. Zudem steht für das Festival das Programm im Zentrum und muss auch entsprechend gewürdigt werden. Ein Award bei Shnit soll sich schliesslich nicht als einer unter Vielen einordnen, sondern zu einer substantiellen Hilfe in der beruflichen Entwicklung der Gewinner beitragen.

 

Das Shnit hat seine Anfänge in der Reitschule. Wie gehen die Wurzeln des Festivals mit der ständigen Vergrösserung zusammen?

Es liegt ein natürliches Wachstum vor. Letztes Jahr lag die durchschnittliche Auslastung der Säle bei 89 %. Das heisst, auch die Morgenshows waren immer gut besucht. Nach der letzten Ausgabe stellte sich die Frage nach weiteren Locations, die viele Leute fassen würden. Wir wollten die Besucher nicht mehr nach Hause schicken müssen, wenn die Säle voll sind. Wir haben auch grosse Hotelsäle in Betracht gezogen, waren aber der Meinung, dass diese nicht zum Shnit passen. Deshalb zeigen wir einige Filme jetzt auch in Kirchen.

 

Ist das Shnit durch dieses Wachstum kommerzieller geworden?

Es war kein strategischer Entscheid, kommerzieller und grösser zu werden. Mehr Leute haben Lust, ans Shnit zu kommen und dieser Nachfrage kommen wir entgegen. Und letztendlich ist es ein Publikumsfestival.

 

Der Bund hat harsche Kritik bezüglich organisatorischen Mängeln am Shnit geübt. Was sagst du zu diesen Vorwürfen?

Das Festival läuft, es funktioniert und wir können alle Shows zeigen. Die Behauptung, dass wir zu wenig Helfer hatten, stimmt nicht. Zu den Vorwürfen die frühere Jahre betreffend kann ich nichts sagen, weil es vor meiner Zeit liegt. Zudem wurden beim Bund ein paar Fehler begangen, denn einige Aussagen orientieren sich definitiv nicht an der Wahrheit.

 

Warum findet das Festival eigentlich im Oktober statt?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. In dieser Woche im Oktober liegen wir einerseits perfekt platziert zwischen verschiedenen anderen Filmfestivals. Anderseits spielt auch die Temperatur eine Rolle: Im Oktober ist es noch genug warm, dass man draussen sein kann, und doch schon so frisch, dass man gerne rein geht und sich einen Film anschaut.