Kultur | 16.10.2012

Heisser Scheiss und Vinyl-EPs

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Tink.ch war am Waves-Festival in Wien und versuchte sich dort alle knapp 140 Acts anzuhören, scheiterte dabei jedoch unselig. Dennoch, von den entdeckten Künstlern hinterliessen viele einen bleibenden Eindruck. Eine unvollständige Auswahl.
In Berlin bereits erfolgreich, in Wien noch ohne Fangemeinde: Me and My Drummer. Tonträger sind kaum zu bekommen: And the Golden Choir. Sächsische Schildkröten: Talking to Turtles. Herzschmerz mit Wucht um die Ohren geschlagen: Dust Covered Carpet. So gut gelaunt, dass er seinen Slot überzog: Rangleklods.
Bild: Martin Sigrist

Me and My Drummer

Ein Duo an Klavier und Schlagzeug aus Berlin, das eben seine dritte Single veröffentlicht hat. In ihrer Heimatstadt haben sie neulich vor ausverkauften Rängen und 800 Ohrenpaaren gespielt, in Wien müssen sich die zwei deutschen Hauptstädter noch eine Fangemeinde aufbauen, was nicht lange dauern wird. Die Sängerin Charlotte Brandi wird mit Leslie Feist und blonden Engeln verglichen, doch ihr träumerischer Pop strahlt mit roher und kantiger Ruhe.

-> Das Duo im Netz.

 

And the Golden Choir

Tobias Seibert, der Produzent von Me and My Drummer, ist mit seinen Schützlingen gleich mit auf Tour. Seit dem Tod des Drummers seiner Band Delbo ist er unterwegs, nur mit seiner Gitarre und der eigenen Musik ab Schallplatte. Leider ist momentan nur eine Vinyl-EP erhältlich. Ebenfalls leider ist die nur an seinen Konzerten zu erstehen. Und ebenfalls leider hat so eines in der Schweiz eben erst stattgefunden. Nicht kitschig, nur schampar schön.

-> Der Goldene Chor im Netz.

 

Talking to Turtles

Ein Leipziger Duo an Tasten und Trommeln, scheint irgendwie noch ganz in den Anfängen zu stecken, so unschuldig und verletzlich erklingt ihr Pop auf der Bühne. Doch im Sommer ist bereits ihr zweites Album erschienen, aufgenommen im punkigen Seattle. Der Osten Deutschland kommt musikalisch immer mehr in Fahrt.

-> Die sächsischen Schildkröten im Netz.

 

Dust Covered Carpet

Am Waves spielte die österreichische Band unter anderem in einem Plattenladen, zwischen Fanshirts und Musikbüchern. Die intime Enge tut ihren zärtlichen Songs gar nicht schlecht. Dennoch, nach drei Alben braucht sich die Band nicht zu verstecken. Mit unendlich vielen Instrumenten wird einem hier der Herzschmerz mit ruhiger Wucht um die Ohren geschmettert.

-> Die Österreicher im Netz.

 

Rangleklods

Esben Andersen ist der aktuelle heisse Scheiss aus Kopenhagen. Obwohl oft mit Band unterwegs, drehte und drückte der dänische Exil-Berliner in Wien ganz alleine an seinen Geräten. Trotzdem, oder gerade deswegen war er so gut gelaunt, dass er seinen Slot überzog -» und auch das Publikum wollte nicht aufhören zu tanzen. Das Album folgt am 19. Oktober, Konzerte in Zürich, St. Gallen und Baden Ende November.

-> Der heisse Scheiss im Netz.

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