Kultur | 02.10.2012

Grenzgängerslam mit Laurin Buser

Dieses Wochenende fand nach zwei Monaten wieder der Grenzgängerslam im Kulturpavillon Basel statt. Laurin Buser präsentierte unweit des Zolls Otterbach eine hochkarätige Auswahl an Slammern aus Nah und Fern.
Laurin Buser führt mit gekonnter Lockerheit und Witz durch den Abend. Der Kulturpavillon bietet etwa 100 Gästen Platz. Die Tickets waren schon weit im Voraus vergriffen. Für die fünfköpfige Publikumsjury nicht einfach: Die Bewertung der Slammer. Feinde und Freunde werden nicht bevorzugt: Die beste und die schlechteste Note wird in der Endabrechnung gestrichen. Matthias Schrei alias "Die Blockflöte des Todes" begeistert mit seiner zutiefst ironischen "Single-Songwriter"-Musik. Christian Ritter mit seinem "analogen iPad" ist für das Publikum eindeutig der Sprachgewandteste an diesem Abend. Die sechs Slammer des Abends: Fatima Moumouni, Simon Libsig, Christian Ritter, Renato Kaiser, Martina Hügi und Björn Högstal (v.l.n.r.).
Bild: Oliver Hochstrasser

Bevor es mit dem Poetry Slam losgeht, erklärt Laurin Buser dem Publikum kurz die Regeln: Die Slammer tragen ihre Texte einer nach dem anderen vor. Dabei dürfen sie keine Requisiten oder Kostüme benutzen und der Text darf nicht hauptsächlich aus Gesang bestehen. Eine  Spezialität beim Poetry Slam: Das Publikum bestimmt, wo es lang geht. Sie geben mit Punktetafeln von eins bis zehn Wertungen ab. Die höchste und die tiefste Noten werden gestrichen um Feinde und Freunde der Poeten zu eliminieren, der Rest wird addiert.

 

Die Vorrunde

Laurin Buser nimmt nicht am Wettbewerb teil, beginnt aber mit einem sogenannten Opferlammtext. Dieser gibt dem Publikum einen Ausgangspunkt für die Bewertung der folgenden Slammern.

 

Als erste Teilnehmerin des Abends trägt Martina Hügi aus Winterthur ihren Text vor. Sie erzählt von Karl, ihrem inneren Schweinehund und ihren erfolglosen Versuchen beim Aquajogging. Ihr Text ist zugespitzt bis ins Absurde und regt damit das Publikum zum Lachen an. Christian Ritter aus Bamberg (D) verfolgt dagegen eine andere Taktik. “Ihr werdet alle sterben” dreht sich um die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit zu sterben 100 Prozent ist und zwar immer. Simon Libsig aus Baden steigt ruhig in seinen Text ein und zeigt wieder einmal, wie feinfühlig er mit Sprache und Vokabular umgeht. Gegen Ende des Texts lacht das Publikum bei jeder einzelnen seiner Wortkombinationen. “Früchte dich nicht mein Schatz” oder “auf Ingwer und ewig” heisst es da.

 

Björn Högstal aus Kield (D) bringt eine ganz andere Textsorte. Drei Gedichte: Über Liebe, die subjektive Wahrnehmung, als er Vater eines Sohnes wurde, und wie sich diese veränderte, als dieser zu zahnen begann. Er schrieb daraufhin als früherer Rapper seinen ersten Diss-Track (Hasslied) an seinen Sohn. Nach Högstal tritt die zweite Slammerin des Abends auf: Fatima Moumouni aus Zürich kündigt ein Emo-Gedicht an. Der Gegensatz von den humorvollen Texten von Björn Högstal zu ihrem eher traurigen Text ist stark. Mit ihrem riesigen Vokabular und der bildhaften Sprache macht auch sie klar, dass sie als Slammerin ernst zu nehmen ist. Es scheint aber der nötige Fluss und Rhythmus gefehlt zu haben, denn wie auch Martina Hügi schafft sie es nicht in den Final. Den Abschluss bildet Renato Kaiser aus Freiburg. Er beschreibt die direkten Auswirkungen von Floskeln wie “Die Zeit heilt alle Wunden”. In seinem Text ist die Reaktion ein Kinnhacken und ein Lächeln.

 

Special Guest: Die Blockflöte des Todes

Zur Auflockerung spielt Matthias Schrei, alias die Blockflöte des Todes, vor dem Final einige seiner Lieder. Um deutlich zu machen, dass das Lied “Pummelchen” von Ironie zeugt und damit ihm das weibliche Publikum nicht augenblicklich den Rücken kehrt, entledigt er sich seines T-Shirts. Es hilft, denn er wird mit tosendem Applaus verabschiedet.

 

Das Finale

Gemäss der Punktewertung sind die vier Poeten Björn Högstal, Renato Kaiser, Simon Libsig und Christian Ritter fast gleichauf. Deshalb wird gemeinsam mit dem Publikum spontan bestimmt, dass es alle vier Poeten ins Final schaffen sollen und einen zweiten Text präsentieren dürfen.

 

Im Final geben die Poeten nochmal alles. Simon Libsig trifft mit seinem Text über analoge Gefahren auf offene Ohren. Er beschreibt, wie er mit seinen Kollegen die abstruse Idee hatte offline zu gehen und sein Smartphone zur Seite zu legen. Christian Ritter übertrifft dies mit seinen merkwürdigen Dialogen zwischen ihm und der Frau hinter der Fleischertheke beziehungsweise mit seiner Mutter. Er holt den Sieg, wie schon am Vorabend in der roten Fabrik in Zürich. Ein erfolgreiches Wochenende für den Deutschen Slammer und das Publikum geht nach so vielen guten Slams zufrieden nach Hause.