Gesellschaft | 03.10.2012

Fight or Fly – den Stress bekämpfen

Als Journalist ist man einem permantenten Informationsfluss ausgesetzt und damit ständig unter Druck. Adrienne Légeret, Geschäftsinhaberin der Coaching-Firma Leadnet zeigt, worauf man achten sollte und wie man sich gegen Stress schützen kann.
"Planung ist ein wichtiger Teil" - dem Stress kann durch gezielte Massnahmen abgeholfen werden.
Bild: Gerd Altmann/pixelio.de

Frau Légeret, was ist Stress, und wann ist Stress schlecht?

Beim Stress unterscheidet man zwischen Distress und Eustress. Eustress kommt vom griechischen und ist eine Art “positiver” Stress. Der Mensch braucht ein wenig Druck, das macht ihn produktiv und kreativ. Wird es aber zu viel, reden wir vom Distress, und dies ist der so genannte “negative” Stress. Dabei läuft im Körper ein Stressprogramm ab, welches schon seit Urzeiten im menschlichen Körper verwurzelt ist. Man kann sich das so vorstellen, dass es, wenn in der Steinzeit der Bär kam, nur zwei Möglichkeiten gab: Kämpfen oder flüchten, fight or fly. Der Körper begann sich auf den Kampf oder die Flucht vorzubereiten, die Atmung wurde schneller, man fing an zu schwitzen, das Gedächtnis fokussierte sich und die Verdauung setzte aus. Wenn wir heute Stress haben, reagieren wir genau gleich wie früher. Da wir aber den Stress nicht durch Kampf oder Flucht abreagieren, kommt es zu einem erhöhten Adrenalinwert im Körper. Wenn dies über längere Zeit stattfindet, können Schäden entstehen. Mögliche Folgen sind Magengeschwüre, Herzrasen, Entzündungen und eine Verengung der Blutbahnen. Viele chronische Krankheiten sind ursprünglich auch Stresskrankheiten.

 

Wann klingeln bei Ihnen die Alarmglocken, wenn sie mit einem Kunden sprechen?

Ein typisches Indiz für dauerhaften Stress ist, wenn man nicht mehr gut schläft. Wenn man nicht mehr einschlafen kann oder in der Nacht erwacht und anfängt zu denken, ist dies ein Warnzeichen. Grundsätzlich ist alles, was sich verändert, ein Indiz. Wenn man plötzlich unter Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen leidet, zynisch wird oder sich sonst das Verhalten verändert. Alles was sich körperlich oder psychisch verändert, ist für mich auffällig. Unser Körper reagiert mit Signalen, welche wir erkennen können und müssen.

 

Wie kann man sich bei der Arbeit vor Stress schützen?

Planung ist ein wichtiger Teil. Man sollte sich bei Arbeitsbeginn fragen, welches die dringendsten Aufträge sind, und diese als Erstes erledigen. Dabei ist es wichtig, sich nicht ablenken zu lassen, dass heisst, auch keine Telefonate und Mails zu beantworten. Mails zu checken ist teilweise wie eine Sucht, man muss lernen, sich zu beherrschen. Studien zeigen, dass das Hirn dabei jedes Mal massiv gestört wird und man sehr viel Energie verliert, bis man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Auch wenn wir oft glauben, dass es kein Problem sei – unser Hirn ist nicht dazu geschaffen, ständig zu multitasken. Laut Studien sind wir alle von diesem permanenten “online sein” überfordert. Man muss sich also Zeitinseln schaffen, in denen man sich nur auf die eigentliche Aufgabe konzentriert. Bleiben Handy und Mailbox während dem Schreiben ausgeschaltet, so kommt man schneller voran und hat dadurch ein Erfolgserlebnis, was stressmindernd wirkt.

 

Worauf sollte man im Alltag achten?

Ein guter Stressausgleich ist Bewegung. Wer joggt oder allgemein Ausdauersportarten betreibt, kann das Adrenalin im Körper wieder abbauen. Zentral ist aber nicht, welchen Sport man macht – wichtig ist vor allem der Spass daran. Auch auf die Ernährung sollte man achten. Häufig isst man im Stress nicht richtig und verdrückt nur schnell ein Sandwich vor dem Computer. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist das Benzin für unseren Körper und Geist. Auch das Trinken sollte man auf keinen Fall vergessen. Im Alltag sollte man sich gezielt Zeitinseln schaffen. Dabei hilft es, sich nicht nur Termine, sondern auch den Ausgleich dazu in die Agenda zu schreiben. Während einem Abendessen mit Freunden oder einem Kinoabend sollte man sich vor Stress schützen, indem man das Handy ausschaltet. So wird vermieden, ständig zwischen zwei Welten hin- und her wechseln zu müssen.

 

Haben Sie einen «Notfallplan« für stressige Situationen?

Atemübungen helfen, den Zustand schnell wieder zu normalisieren. Am Besten ist es, wenn man Distanz schafft zwischen sich und der Situation. Dazu reicht es schon, 10 Mal tief einzuatmen, aufzustehen, die Füsse und den Boden spüren. Das klingt einfach, ist es aber nicht, wenn man wirklich im Stress ist. Danach sollte man sich hinsetzen und sich fragen: “Was ist jetzt wirklich wichtig?” Im Stress verzettelt man sich oft, es ist wichtig, kurz ruhig zu werden und neu zu planen.

 

Die Hände aneinander legen, die Finger leicht verschränken und die Handflächen aneinander reiben. Am besten vor dem offenen Fenster und mindestens 1 Minute lang. Mit dieser Übung stimuliert man die Mudras, das sind Energiepunkte. Die Hirnhälften werden wieder besser verknüpft und man wird leistungsfähiger.

 

Bewegungen sollten bewusst langsam ausgeführt werden. Langsam trinken, langsam essen, langsam schreiben. Sich künstlich zu verlangsamen ist enorm schwierig. Im Stress erledigt man Dinge oft fahrig, und die künstliche Verlangsamung hilft, sich wieder zu entspannen und runterzufahren.

 

 

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Im Vorfeld der ersten Schweizer Jugendmedientage, die vom 19. bis am 21. Oktober in Zürich stattfinden berichtet Tink.ch über die Medienwelt. Auch dies, wie gewohnt, aus jugendlichem Blickwinkel. Die Texte erscheinen zudem auf www.jugendmedientage.ch/blog. Reinschauen lohnt sich.

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