Kultur | 23.10.2012

Einen Tag lang Teil des Netzwerks

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Wie verbringen die Profis der Branche ihre Musikfestivals? Das Waves in Wien organisierte eine Stadtrundfahrt, um Netzwerke zu knüpfen und Spass zu haben. Tink.ch schwang sich mit an Bord.
Die Eidgenossen servieren Kafi zu The Bianca Story. Ein Teil der "Delegates" wartet auf die Führung durchs Burgtheater. Hinter und unter der Bühne des Wiener Burgtheaters. Das ORF Funkhaus, Heimat der Radiostation FM4. Es ist das grösste Aufnahmestudio des ORF. Das UFO, pardon, Radiostudio des Senders FM4. Dust Covered Carpets im Hinterzimmer eines echten Plattenladens. Das Institut Française, zwar ohne Band, dafür mit Wein und Sonne. Fussball, DJ, und Aqauvit zum Abschluss der Tour.
Bild: Martin Sigrist

Schliessen Vertretungen von Medien, Festivals, Promotoren und Förderungen an einem Festival Deals in rauchigen Hinterzimmern? Grosse Festivals bieten ein reichhaltiges Nebenprogramm für die Pros der Branche, die sogenannten Delegates. Das kleine Wiener Waves geht den kompakteren Weg und lädt zu einer ganztägigen Stadtrundfahrt, die sogenannte “Waves Delegates Tour”.

 

Frühstück und Radio

Der erste Stopp galt dem Schweizer Musikschaffen, deren Vertretung Kafi, Gipfeli und The Bianca Story servierte. Swiss Music Export konnte mit der angesagten Basler Band in engem Ambiente exemplarisch zeigen, was die Eidgenossen musikalisch zu bieten haben. Dieser sogenannte “Mixer” ermöglichte es gleich schon, Chefs von Festivals und Promotionsagenturen in lockerer Umgebung kennen zu lernen. Der akustischen und gastronomischen Stärkung der Helvetier folgten Einblicke auf, hinter und unter die Bühne des Burgtheaters, eine der besten deutschsprachigen Bühnen. Die ganze Aufmerksamkeit galt hier der exzellenten Führung. Vorbei an der farbbeutelverschmierten griechischen Botschaft führte der Weg zum ORF-Fundhaus wo neben den Aufnahmestudios des ORF das Studio des staatlichen Alternativsenders FM4 zu sehen und zu hören ist.

 

Im Hinterzimmer und in der Villa

Österreich präsentierte sein Musikschaffen in einem der letzten echten Plattenläden der Stadt. Dust Covered Carpet spielten im Hinterzimmer zwischen Fanwäsche und Musikmemorabilien, in Hitze und Enge. Überzeugt waren jene, die Platz fanden. Bei straffem Tagesprogramm blieb danach kaum Zeit für Komplimente und Smalltalk, denn die Frankophonie lud in die stattliche Villa des Institut Française, leider ohne Band, denn diese hatte Verspätung. Doch Frankreich hat neben exzellenter Musik ebensolchen Wein, der hier gereicht und verkostet wurde. Die Pause auf der sonnigen Terrasse des Herrschaftssitzes bot erneut Zeit für Gespräche mit britischen Journalisten und Exporteuren deutschsprachiger Musik nach China.

 

Der Schoppen musste dennoch bald weichen, um bei frischer Luft die Fussballbegegnung der Färöer Inseln gegen Österreich 1990 nachzuholen, bei Aquavit und Trockenfisch; vertreten wurden die Staaten durch ihre jeweiligen Künstler am diesjährigen Festival. Als letztes lud das texanische SXSW, mit über 2’000 Bands eines der grössten Musikfestivals der Welt, zu einem Abschlussumtrunk. Hier liess es sich nochmals vortrefflich mit allen schwatzen und gleichzeitig Infos zum nächtlichen Hotspot erfahren.

 

Nachdem ein Tag lang kräftig Visitenkarten ausgetauscht und Kontakte geknüpft wurden, überkam der Hunger die Menge, man verabschiedete sich temporär, um sich zu den Konzerten des Abends später wieder zu treffen. Und in Kontakt zu bleiben, denn auch die Medien sind ein wichtiger Teil des professionellen Musikbetriebs.

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