Kultur | 16.10.2012

Eine Plattform für Künstler und Hobbyisten

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von Katharina Good
Seit 2008 präsentiert die Galerie Katapult unter der Führung des Ehepaares Meyerhans-Soto gleichermassen Werke von professionellen Künstlern und Amateuren. Ihr Konzept ist für einen Kunstraum durchaus ungewöhnlich: Zeitgenössische Originalkunst wird zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen vertrieben, was einer breiteren Bevölkerungsschicht den Zugang zu Kunst und den Kauf von Kunstobjekten ermöglichen soll.
Im Grafikständer der Galerie Katapult befinden sich auch Werke des Young Art Shop für das schmalere Budget. Turnschuhe sind ein beliebtes Motiv des spanischen Street-Art-Künstlers Fafa.
Bild: Katharina Good

An einer viel befahrenen Kreuzung in der St. Johanns-Vorstadt liegt die Galerie Katapult. Ein luftiger Ausstellungsraum dessen Sammlung eine Auswahl an Gemälden, Zeichnungen, Grafiken und Fotografien diverser Kunstschaffender mit den unterschiedlichsten Bildungshintergründen präsentiert. Manche sind Absolventen einer Kunstakademie, andere wiederum lediglich leidenschaftliche Amateure. Katapult schliesst keine festen Verträge mit bestimmten Künstlern ab und es existieren keine fixen Auflagen oder Zulassungsbedingungen für die Ausstellenden. Im Grunde genommen sei Katapult weniger eine Galerie im traditionellen Sinne, als eine Plattform für talentierte Newcomer in der Kunstszene, erklärt Frau Meyerhans-Soto, welche gemeinsam mit ihrem Ehemann die Auswahl der auszustellenden Objekte bestimmt.

 

Kunst für den kleinen Geldbeutel

“Jeder der Interesse an etwas Schönem hat, soll die Möglichkeit erhalten, es zu einem vernünftigen Preis erwerben zu können”, erklärt Frau Meyerhans–Soto bestimmt. Dieser Grundgedanke, dass Kunst allen Menschen zugänglich sein sollte bestimmt nicht nur das Ausstellungs- sondern auch das Verkaufsprinzip der Galerie. Nebst grossformatigen Bildern bietet Katapult in der Abteilung des sogenannten Young Art Shop eine Anzahl kleinformatiger Gemälde und Grafiken zu Preisen von 100 bis 900 Franken an. Die Käuferschicht ist entsprechend dem Leitgedanken der Galerie sehr durchmischt. “Es betreten oft auch Kunden unseren Ausstellungsraum die sich sonst nicht in eine traditionelle Galerie trauen würden”, erklärt Meyerhans–Soto. Die Besuchenden einer Galerie im klassischen Sinne gehören im Gegensatz dazu vermehrt der besser verdienenden Schicht an und verfügen bereits über ein breites Fachwissen in Bezug auf die Objekte ihres Interesses. Dies ist bei den Kunden von Katapult keineswegs eine Voraussetzung.

 

In unregelmässigen Abständen und bei Anfragen richtet die Galerie Katapult ausserdem auch Ausstellungen aus. Die Letzte fand Ende September unter dem Motto “Die Kunst der Politik, politische Kunst” statt.

 

Street Art trifft auf klassische Malerei

Zu den Künstlern, die der Galerie Katapult als Ausstellungsraum treu bleiben gehört auch der spanische Graffiti- und Street Art-Künstler Rafael Marquez aus Sevilla, genannt Fafa. Dessen grossformatige Leinwandgemälde von Turnschuhen und Szenen aus dem Alltag eines Sprayers zieren mehrere Wände des Galerieraumes. Fafas Ausbildung war eher ungewöhnlich für einen ursprünglich mit der Graffiti- und Hip-Hop-Szene verbundenen Künstler: Er studierte an einer auf die klassische Malerei fixierten Kunstakademie in Sevilla und sein Interesse an Licht und Schattenwurf resultiert aus einer intensiven Beschäftigung mit den Werken der Impressionisten. Entsprechend beschreibt Fafa seine Werke auch als eine Mischung von zeitgenössischen Themen gepaart mit traditionellen Techniken wie der Öl- oder Acrylmalerei. Die Sujets seiner Gemälde oder Wandbilder verweisen jeweils auf Dinge, die im Leben des Künstlers eine wichtige Rolle einnehmen: Graffiti-Künstler bei der Arbeit, Spraydosen, Jugendliche auf der Strasse und immer wieder Turnschuhe in allen möglichen Farben.

 

Das Konzept der Galerie Katapult scheint bisher durchaus Früchte zu tragen und der Ausstellungsraum zieht auch aufgrund seiner besonderen Lage immer wieder neue Künstler und Kunstinteressierte an. Die Zukunft wird zeigen, ob die Plattform mit dem sinnigen Namen Katapult auch weiterhin als Sprungbrett für angehende Künstler fungieren kann.

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