Kultur | 16.10.2012

Eine Genfer Band auf Weltreise

Text von Chiara Nauer | Bilder von Chiara Nauer
«Bye Bye Bayou" ist das neuste Werk der Genfer Band Mama Rosin, das in New York von Jon Spencer aufgenommen wurde. Nicht nur dieser Fakt klingt vielversprechend. Auch die Musik lässt sich nicht mit dem Rest der Schweizer Rockszene in einen Topf werfen.
Mit Cajuns und schneller, tanzbarer Musik das Publikum zum Ausflippen bringen: Die Genfer Band Mama Rosin.
Bild: Chiara Nauer

Seit 2007 besteht das Trio Mama Rosin aus der Romandie. Und die drei haben von Anfang an den Turbo gezündet. Kurz nach der Gründung kam es zu einer Europa-Tournee, zwei Jahre später schon zum eigenen Label Moi J’Connais, welches teilweise vergessene und neue Musik in Form von CDs oder Platten freigibt, mit handgedruckten Covern. Mit dem Besuch in der Sendung von Jools Holland, dem bekannten britischen Pianisten, haben sie sich endgültig den Weg zu einer Band mit bekanntem Namen geebnet.

 

Louisiana zu Besuch

Mittlerweile kann man ihr viertes und neustes Album “Bye Bye Bayou” in den Geschäften kaufen. Sie touren durch grosse Länder wie Grossbritanien, Deutschland oder die Benelux-Staaten. Geplant sind weitere Auftritte in den USA und Kanada. Die haben sie wohl auch ihrem speziellen Musikstil zu verdanken. Denn ihren Stil kann man nicht einfach als Garagen-Rock abstempeln. Mit der Sprache der Cajuns, französischer Einwanderer in Louisiana und den Einflüssen des Zydeco, einer schnellen, tanzbaren Musik aus Louisiana bringen sie jedes Publikum zum Ausflippen. Gutes Beispiel dafür ist das letzte St. Gallen Openair, an dem sie am Freitagmittag bei knapp 40 Grad in der prallen Sonne fast zwei Stunden lang auf der Bühne spielten und hüpften. Dem Publikum gefiels.

 

Diese Energie und Freude machten nicht nur die Schweizer auf Mama Rosin aufmerksam. Auch Jon Spencer von der Band “The Jon Spencer Blues Explosion” bekam Gefallen an den jungen Herren. So wurden sie von ihm als Vorband rekrutiert und noch dazu nahm Jon auch gleich das neuste Album der drei in New York auf.

 

Die Kontroverse aus Fröhlichkeit und Traurigkeit

Der Auftakt dieses neuen Albums beginnt mit “Marilou”, einem schnelleren und fröhlich gespielten Lied. Der Spielstil zieht sich weiter bis zum vierten Lied “Casse mes objects (You broke my stuff)”. Die Frische und die Leichtigkeit ist dem Akkordeon zu verdanken, das typisch für den Zydeco-Stil ist.

 

Danach kommt “Wivenhoe”, das ähnlich klingt wie sein Vorgänger, nur langsamer. Die Fröhlichkeit ist nach wie vor vorhanden. Diese wird von “Black Samedi” und den zwei darauf folgenden Liedern unterbrochen. Alle drei sind ruhig, langsam und mit sehr wenig Text unterlegt. Sie bringen Abwechslung, in das Album, wenn auch keine aufheiternde. So kann man sich seiner Melancholie hingeben, aus dem verregneten Fenster gucken und in eine Lethargie verfallen.

 

Keine Zeit für Gummistiefel

Und plötzlich wird man wieder in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Denn “Bye Bye Birdy Black (Part 2)” ist aufdringlich, rasant und verleitet einen, im eben noch von innen betrachteten Regen tanzen zu gehen. Zeit für Gummistiefel gibt es nicht, schliesslich geht das auch barfuss!

 

Noch ein weiteres Lied und dann kann’s wieder rein gehen. Natürlich mit Erkältung. Gott sei Dank gibt es noch drei verbleibende Musikstücke zu hören, die man sich zum Hustentee anhören kann. Zwei davon sind “I don’t feel at home” und “Story of love and hate”. Beide sind von der ruhigeren Sorte und doch nicht vergleichbar mit “Wivenhoe”. Traurig und schön zugleich leiten sie in die Welt der Gedanken, in der es niemanden gibt, ausser einen selbst. Wenn man die Augen dazu schliesst, kann man mit einer gedanklichen Schaukel durch die Luft fliegen und dabei die Welt beobachten. Die Melancholie kehrt zurück, hinterlässt jedoch gleichzeitig eine Faszination, die man nicht loslassen will. Darum sollte man diese zwei Lieder am besten in der Endlosschlaufe hören.

 

Ein Muss

Für die Aufnahmen ist Mama Rosin weit gereist und hat einiges erlebt. Das hört man in den Texten, welche nachdenklich und hinterfragend sind. Auf den guten Rhythmus ist nicht zu verzichten. Passend zu ihrer aufgeweckten Art mischen sie Englisch und Französisch in ihren Texten, was ein schönes Cajun-Flair  ergibt. Alle, die sich die gute Laune aus einer Musikscheibe holen wollen, sind mit “Bye Bye Bayou” genau richtig. Und jene, die während dem Fahrradfahren lauthals mitsingen werden vielleicht schon bald von Robin, Cyril oder Xavier entdeckt und bei Moi J’Connais unter Vertrag genommen. Wer weiss.