Kultur | 03.10.2012

“Diese Leute sind hyperaktiv, das passt sehr gut zu uns”

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Sie machen wunderschöne selbstgebastelte Videos, ihre Musik mit Minipianos, Plastikglockenspielen und Kindergitarren klingen nach Kindergeburtstag, Sommerlager und Zuckerwatte. Ihre Videos spielen im Schultheater oder auf Trampolinen. Sie spielen im Wald, in Bahnhöfen oder auf Festivals. Und ihre Texte sind kitschiger und schöner als jene amerikanischer Teenie-Bands.
Haben in London erhalten, was sie sich erhofft haben: We Were Evergreen. Tink.ch verlost jetzt die aktuelle Single von We Were Evergreen (siehe ganz unten).
Bild: Martin Sigrist

Die lustigen und bunten We Were Evergreen aus Paris sind nach London gezogen um die grosse weite Welt zu entdecken und bald ihr erstes Album zu veröffentlichen. Tink.ch traf Michael Liot, Fabienne Débarre und William Serfass in Zürich.

Ihr seid als Band erst seit kurzem unterwegs, habt noch kein Album veröffentlicht, doch die Medien lieben euch bereits. Wie geht ihr damit um?

Michael: Das ist toll, denn bei unserer erst kurzen Bandgeschichte sprechen die Leute über uns weil sie uns mögen. Wir haben noch kein Album veröffentlicht, daher gibt es kaum etwas zu kritisieren. Dieses positive Feedback ist daher sehr ermutigend.

William: Wir haben uns entschieden, von Paris nach London zu ziehen, was ziemlich riskant war. Aber die Reaktionen darauf waren sehr gut, vom Publikum, den Medien und den Veranstaltern. Jetzt kommt der Punkt, wo wir ein Album veröffentlichen möchten, und damit kommen der Druck und die Erwartungen.

Fabienne: Dieser Druck macht uns aber nichts aus, denn an diesem Punkt wollen wir das Album wirklich machen, dafür werden wir unser bestes geben und sehen dann was passiert.

Habt ihr durch euren Umzug nach London bekommen, was ihr erwartet habt?

Fabienne: Wir hatten schnell die Möglichkeit, live zu spielen, in guten Clubs, zu guten Zeiten und sogar auf Festivals. Von den Konzerten her haben wir definitiv bekommen, was wir uns erhofft haben. Die britische Art hat uns dabei viel gelehrt, denn dort ist es harte Arbeit, man ist einer von sehr vielen und niemand hat Zeit. Diese harte Schule war sehr nützlich für uns. Wir haben dabei auch Produzenten getroffen und die Welt der Studios in London kennen gelernt.

William: Paris ist so klein, und die Leute denken sehr traditionell, vor allem jene, die schon lange im Geschäft sind. Die jungen Leute haben Angst vor dieser Welt. London hingegen ist das Zentrum der Musikszene von Europa. Sie machen Dinge, anstatt darüber zu reden.

Fabienne: Ja, diese Leute sind hyperaktiv, das passt sehr gut zu uns.

Viele Leute sehen euch als diese süsse Band mit den kleinen lustigen Instrumenten. Habt ihr Angst, in dieser Schublade zu bleiben?

Michael: Das ist das Problem mit dem Internet, denn viele Leute kennen uns nur aus den Videos, die man da von uns findet. Viele davon sind sehr alt und zeigen uns bei rein akustischen Sessions. So haben wir zwar angefangen, aber wir sind jetzt woanders. Gegen diese Erwartungen können wir nicht viel machen, ausser ein Album, um damit zu zeigen, wo wir jetzt sind. Es ist sowieso am besten, uns live zu sehen.

Was wird anders?

William: Es wird der nächste logische Schritt sein. Wir kommen aus dieser akustischen Welt und sind neugierig, etwas anderes zu machen, etwas mit mehr Kraft.

Fabienne: Im Oktober folgt eine EP, da können wir zeigen, was wir machen wollen. Wir zwingen uns dabei nicht, weniger süsse Musik zu machen.

Aber auch die Videos und Texte legen es nahe, zu denken, dass ihr nicht erwachsen werden wollt.

William: Wir sind wer wir sind, irgendwo zwischen Kindern und Erwachsenen. Dabei sehen uns Leute jetzt live und sind beeindruckt, dass wir nicht einfach nur süss sind. Aber wir stehen vor vielen Herausforderungen uns müssen noch vieles lernen. Anfänglich waren wir überhaupt nicht bereit, live zu spielen, dann haben wir bei den Aufnahmen viele Fehler gemacht, doch wir lernen.

Fabienne: Ja, und unsere Texte sind ein bisschen wie Geschichten, oder Märchen, die man Kindern erzählt. Doch es gibt auch Märchen für Erwachsene, die man nicht einfach zum einschlafen erzählt.

Ihr werdet also doch erwachsen, Schluss mit Trampolinhüpfen?

Fabienne: Ja, das haben wir gemacht, und jeden Tag haben wir gesagt, dass wir damit aufhören und ruhiger werden, und trotzdem machen wir es ab und zu wieder. Denn diese Seite mögen wir auch. Wir machen glückliche Musik, das heisst aber nicht, dass sie keine Tiefe hat. Nicht nur depressive Leute können erwachsen sein, du solltest nicht verzweifelt sein müssen, um ernst genommen zu werden. In vielen Ländern tanzen die Leute an Beerdigungen, ohne dass es ihnen egal wäre, dass jemand gestorben ist. Im Gegenteil, sie feiern diesen Teil des Lebens und die verstorbene Person. Das ist ein gutes Bild für unsere Musik. Wir sind uns der Krisen in der Welt bewusst, aber es geht uns auch um die Energie, nicht nur, immer glücklich zu sein.

Michael: Vielleicht ist es auch französisch, denn viele Popsongs der 60er bis 80er Jahre waren sehr leicht, die Leute hatten damals keine Probleme damit. Heute findet man diesen Stil naiv und denkt, das könne nicht gut sondern nur zynisch sein. Das erste Album der Beatles klang auch so. Es ist eine Frage der Zeit. Jetzt wollen viele Rockbands diesen dunklen Ton haben, um als coole Indie-Band zu gelten.

William: Wir sind drei verschiedene, ungeduldige Leute, die neue Musik entdecken möchten. Wir wollen alles so schnell wie möglich, brauchen aber eigentlich Zeit, um herauszufinden, was wir wirklich möchten.

Wettbewerb:


Die EP folgt im Oktober, das Album im kommenden Jahr. Tink.ch verlost jetzt die aktuelle Single von We Were Evergreen. Eine E-Mail an unsere Musikredaktion bis zum 7.10.2012 genügt, Betreff: We Were Evergreen.

 

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