Kultur | 23.10.2012

Die Kunst liegt im Gedankenlosen

Am vergangenen Donnerstag zeigte der Oscarpreisträger seine Musik in Zürich. Seine authentische und leidenschaftliche Darbietung zog die Zuschauer in seinen Bann. Wer sich ganz auf die Musik einliess, kam um Gänsehaut nicht herum.
Die Zugabe gemeinsam mit Hannigan war ein kleiner Trost für das Ende des Abends.
Bild: © siimons Mit Gefühl und Authentizität spielte Glen Hansard seine Musik für das Publikum im Kaufleuten. © siimons

Draussen steht ein grosser, imposanter Tourbus im klassischen Schwarz. Drinnen hat sich der Saal bereits beachtlich gefüllt, nur mit den üblichen Entschuldigungen und etwas Rücksichtslosigkeit kommt man der Bühne näher. Man ist versucht, den Iren als eine kleine, eigene Entdeckung zu beschreiben, dabei stimmt das gar nicht: Seit Wochen ist das Konzert im Kaufleuten ausverkauft.

 

Zur Einstimmung gibt Lisa Hannigan im Solo etwas von ihrer klaren, zarten Stimme an das Publikum ab. Sie spricht genauso sanft wie sie singt und dabei sympathisch verträumt. Die Assoziation mit Damien Rice wird sie wohl nie ganz abschütteln können; ihre Musik ist eingehend, wie eintönig.

 

Anschliessend betritt Glen Hansard hinter der Band die Bühne. Ohne Umschweife beginnt er den ersten Song, an dessen Ende er sich die rote Mütze vom Kopf zieht und das Publikum begrüsst.

 

Einnehmend

Unverkrampft, humorvoll, spontan. So präsentiert sich der rotschöpfige Ire, umringt von seinen fünf Bandmitgliedern, auf der Bühne. Unterstützt werden sie von drei improvisierenden Bläsern und drei Zürcher Streicher. Hansard grinst verschmitzt in die Menge. Seine Kommentare sind witzig, es wird herzlich gelacht. Und er macht Spässe mit Hans, dem Lichttechniker. Der Hitze wegen bittet der Sänger eingangs um weniger Licht, es entsteht eine wiederkehrende Konversation mit Hans, der ab und an über Dimmen zu antworten scheint.

 

Die Freude Hansards an der Musik ist sicht- und spürbar. Er steckt Energie, Hingabe und eine ganze Seele hinein. Dann und wann wird es soulig, mal integriert er das Publikum in seine Songs, dann ist es nur seine leise, eindringliche Stimme, die den Saal ertastet. Ausdrucksstark nimmt die kraftvolle Musik den ganzen Raum ein, dehnt sich gänzlich in ihm aus.

 

Augen schließen

Die wirklich guten Songs, so Hansard, die überkommen einen einfach, ohne dass man sich viele Gedanken dabei macht. So muss man sie auch hören, dem Gefühl hingebend, welches man gerade in sich trägt. Seine Songs erzählen mehr von der Liebe des “sich finden”, als von der Liebe an sich. Mit atemberaubender Authentizität und vibrierender Vehemenz trägt er sie vor, mal leise, dann laut, fast episch.

 

Plötzlich sind die zwei Stunden vorbei – schneller als es einem lieb ist. Auch die Zugabe kann darüber kaum hinwegtrösten. Man geht nach Hause und weiss, dass es kein Ersatz für die Leidenschaft sein wird, die man gerade live gesehen hat. Trotzdem: Man macht die Musik an, Augen zu und lässt sich fallen.