Kultur | 09.10.2012

Das Treffen der Schwarzen Gemeinde im Zeichen der Matrosen

Text von Julian Stiefel
Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr lud die Veranstaltungsreihe "More Than Mode" zum Schwarzen Ball ins X-Tra. Mit dabei waren am vergangenen Samstag die deutschen Bands Oomph! und Diorama. Fern vom Sound der grossen Masse feierte die Wave- und Gothic-Szene bis in die frühen Morgenstunden.
Sänger Dero Goi von Oomph! nahm kein Blatt vors Maul. In rot-weiss glich Dero einer nicht sehr stillvollen Mischung aus Superman und Super Mario. Die Rocker Oomph! stiessen nicht auf den Geschmack von jedem Besucher. Die Band Diorama mit Sänger Torben Wendt passte mit ihrer Darkwave- und Elektromusik sehr gut zum Schwarzen Ball.

Der Schwarze Ball ist in der Schweiz einzigartig: Das regelmässig stattfindende Treffen der dunklen Szene zieht Fans von nah und fern an. Veranstaltet wird der Ball der etwas anderen Art von More Than Mode. Die seit 1997 jeden Mittwoch stattfindende Party hat bereits Kultstatus. Sie zählt zu den ältesten wöchentlichen Partyreihen von Zürich und sogar der Schweiz.

 

Vielfältige Musik fernab vom Mainstream

Man darf sich den Schwarzen Ball nicht als klassischen Tanzabend vorstellen, bei dem die Teilnehmer paarweise und in Abendkleid und Jacket gekleidet erscheinen. Viel mehr steht bei More Than Mode die Musik und Subkultur im Zentrum. Wer Klänge abseits der grossen Masse mag, ist hier genau richtig. Das Spektrum reicht von Wave und Gothic über Elektro, EBM und Synthpop bis zu Indie. Im dunklen Ambiente der Tanzfläche lässt man sich zu den besonderen Klängen gerne in eine fremde Welt entführen. Auch der Tanzstil folgt hier seinen eigenen Gesetzmässigkeiten.

 

Ein Laufsteg für dunkle Mode

Wie der Name der Veranstaltungsreihe herleiten lässt, hat die Party auch mit Mode zu tun. Wer offen für Besonderes ist, entdeckt am Schwarzen Ball einen bewundernswerten Laufsteg der speziellen Art. Sorgfältig gekleidet und hergerichtet erscheinen die Frauen in ihren Corsagen und Strümpfen. Auf männlicher Seite dagegen ist kein klarer Einheitsstil zu entdecken. Nur eines haben alle gemeinsam: Die Farbe Schwarz überwiegt. Piercings, Tattoos und viel Leder sind in der Mehrzahl. Was an jeder anderen Party auffällig erscheinen würde, ist bei More Than Mode total normal.

 

Darkwave von Diorama

Am Schwarzen Ball fehlten auch die Live-Bands nicht. Diorama wärmte das Publikum am frühen Abend auf. Das Musikprojekt von Sänger Torben Wendt umfasst ein Spektrum von Klavierstücken bis hin zu Elektro-Pop. Mit vielen tanzbaren Stücken aus dem Darkwave-Bereich passten sie sich perfekt in den Abend ein.

 

Dero von Oomph! nimmt kein Blatt vor den Mund

Höhepunkt des Abends war der Auftritt der ebenfalls deutschen Band Oomph!. Als Matrosen verkleidet stürmten sie die Bühne. Die Rocker Dero, Crap und Flux nahmen kein Blatt vor den Mund. In Songs wie “Sandmann” griffen sie Angela Merkel an oder beschwerten sich über die überall aus dem Boden spriessenden Song-Contests. Über die Frage, ob die 1989 gegründete EBM-Rockband bezüglich Musikstil zum Schwarzen Ball passt, lässt sich streiten. Kleidungsmässig wirkte Sänger Dero wie eine Mischung aus Superman und Super Mario. Während sich viele Zuschauer im dunklen Hintergrund hielten, wurde in den ersten Reihen mitgesprungen und -gesungen. Auch der Crowdsurfing-VersuchV von Sänger Dero verlief erfolgreich.

 

Neben den elektronischen Grooves kam die Band mit einer Menge schwarzem Humor daher: “Dunkle Seelen, Depris und Selbstmordgefährdete, jetzt dürft ihr auch mitwippen”, stachelte Dero sein Publikum an. Selbst über die “typische” Rockerbekleidung liess er sich aus und erklärte humorvoll wie Rob Halford von Judas Priest für seinen Auftritt in den örtlichen Sex-Shop einkaufen ging – und voilà : Das Outfit war entstanden. Wo bei Dero Goi die Grenzen zwischen Humor und Beleidigung, ernstem Kommentar und Ironie liegen, ist nur schwer zu sagen. Aber dem aufgestellten Sänger kann man die Kommentare kaum übel nehmen.

 

Eine der abwechslungsreichsten Partys

Auch nach den beiden Konzerten wurde weitergefeiert. Auf insgesammt drei Dancefloors lieferten die DJs Musik bis in die frühen Morgenstunden. Der Schwarze Ball und More Than Mode bieten ein besonderes Erlebnis. Fernab vom Mainstream wird zu Darkwave, Industrial und Elektro gefeiert. Der einzigartige Mix macht die More Than Mode für viele Besucher zu einer der abwechslungsreichsten Partys überhaupt.