Gesellschaft | 23.10.2012

Bern verliert ein Stück Kultur

Text von Céline Tschannen | Bilder von Matthias Käser
Die Berner Markthalle schliesst per Ende Mai 2013 ihre Türen. Wie kann das sein? Sie ist doch immer prall gefüllt mit Menschen? Trügt der Schein etwa?
Ungewisse Zukunft der Berner Markthalle: Ob hier einst die Filiale eines Grossverteilers seine Tore öffnen wird?
Bild: Matthias Käser

In der Berner Markthalle finden wir elf Restaurants, vier Bars, eine Bäckerei, eine Gelateria und ein Fumoir. Dieses ganze Gebäude soll nächsten Sommer saniert werden. Den Geschäften wurden, wie zuvor befürchtet, im Februar dieses Jahres keine Vertragsverlängerungen gewährt. Alle müssen sie raus. Doch weshalb? Betritt man bei schlechtem Wetter die Markthalle, so ist es nicht zu übersehen: fröhliches Geplauder der Menschen, die überall an den Tischen sitzen, der Duft nach Essen und die viel beschäftigten Angestellten. Betritt man allerdings die Berner Markthalle im Sommer, ist sie wie leer gefegt. Verständlich, denn wer geht schon bei schönstem Sonnenschein in eine düstere Halle sein Eis essen? Ursprünglich war die Markthalle ohnehin nicht für die Gastronomie geplant. Dies erklärt auch die ungenügende Belüftung und die wenigen Toiletten.

 

Wie alles begann

Nicht alle von uns erinnern sich an die Anfangszeiten des Berner Wahrzeichens. 1998 wurde nach einem inspirierenden Beispiel, das Hans Merki in seinen Ferien entdeckte, die Markthalle eröffnet. Die Aktionäre waren damals hauptsächlich jene Bauern, die ihre Frischwaren in der Halle unter die Leute brachten. Im Untergeschoss hatten sie ihre Stände mit Gemüse und Früchten und oben wurde Fisch, Fleisch und Käse verkauft. Das Konzept klingt gut: Ein Markt, der bei jedem Wetter besuchbar ist. Die Berner Bevölkerung schien der Idee aber eher abgeneigt zu sein. Viel zu schlecht liefen die Geschäfte und nach und nach zog die Gastronomie ein. Heute finden wir dort, wo früher Marktstände sich reihten, multikulturelle Restaurants. Ob Sushi beim Kabuki, Mexikanisch bei Mad Mex, Thailändisch bei Tang Soriya – alles ist zu haben.

 

Undurchsichtige Kommunikation

René Huber, Mit-Geschäftsführer der Verwaltungs AG der Markthalle und Inhaber zweier insässiger Restaurants erklärt: “Trotz oder gerade wegen den saisonalen Schwankungen laufen die Geschäfte nur bedingt. Die laufenden Ausgaben der Markthalle können bei weitem nicht gedeckt werden, auch mit den Mieteinnahmen nicht.” Der einzige Ausweg, der noch bleibt: Einen alleinigen Mieter für die gesamten 3’000 m2  finden. Ein schwieriger Entscheid, der nicht überall gut ankommt. Vor allem die Inhaber der Geschäfte bringen wenig Verständnis dafür auf. Viele beklagen sich darüber, schlecht informiert worden zu sein und seit der Kündigung Anfang Jahres habe man keine Partnersitzungen mehr abgehalten, so dass niemand weiss, wer oder was sie ersetzten wird.

 

Auch andere Kritik ist zu vernehmen: “Uns wurde nur erklärt, keine Verlängerung unseres Vertrags zu bekommen. Bis anhin war noch nie die Rede, dass die Möglichkeit bestünde, mehr Miete zu bezahlen, um damit die Kosten ausgleichen zu können und unsere Markthalle zu erhalten.” Andere  beschweren sich über zu wenig Unterstützung der Stadt. Gerade das zunächst bewilligte Strassencafé durch die Stadt, das der Markthalle auch bei schönem Wetter mehr Umsatz garantieren sollte, wurde kaum bewilligt wieder untersagt.

 

Grossverteiler statt Kleingewerbe

Für einige der Geschäfte ist die Markthalle besonders wichtig, da sie das Herz ihrer meist kleinen Ladenkette bildet. Zum Beispiel besitzt La Cucina zurzeit noch einen Laden im Westside Bern Brünnen. Zudem dürfte eine Umsiedelung viele Kunden kosten. Denn einen besseren Standort als die Markthalle beim Berner Bahnhof ist kaum auffindbar. Dies wiederum könnte auch den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten.

 

René Huber erklärt auf die Frage nach der Zukunft der Markthalle: “Unser Plan ist es, einen Grossverteiler oder einen Kettenladen in das Gebäude zu bringen.” Da ein Stillschweigeabkommen zwischen den Vertragspartnern unterschrieben wurde, will das Verwaltungsbüro bisher keine näheren Informationen über den Einzug geben. Derweilen kursieren viele Gerüchte durch Berns Strassen. Passanten etwa meinen zu einer möglichen Zukunft: “Ich habe gelesen, dass es einen Aldi geben wird.” Andere behaupten, es werde ein einfaches Warenhaus oder einen Media Markt. Andere wiederum sind sich sicher: “Ein Manor wird einziehen. Die wollen schon lange ins Loeb Gebäude einziehen, und das ist die Möglichkeit.” Nach Aussage des Verwaltungsbüros sei aber nie Interesse von Manors Seite an der Markthalle da gewesen.

 

Der genaue Zeitpunkt um das neue Gesicht der Berner Markthalle bekannt zu geben, bleibt also weiter unbekannt. Allerdings soll es noch irgendwann in diesem Jahr soweit sein. Was die Zukunft bringen wird, entscheidet wohl schlussendlich ein Geldbetrag.