Kisten packen, Möbel schleppen

Meine Oma wohnt seit über achtzig Jahren im selben Haus. Sie läuft jeden Tag die gleiche Treppe hoch und runter, kocht am gleichen Herd, sitzt auf dem gleichen Sofa, schliesst die gleiche Haustür ab. Meine Oma wurde in diesem Haus geboren. Sie ging von dort aus in die Schule, wurde grösser und älter, heiratete, bekam Kinder. Alles in diesem Haus. Die Kinder wohnen schon lange nicht mehr dort, sie schon. Vermutlich wird sie auch in diesem Haus sterben, irgendwann. Ich selber packe mindestens alle zwei Jahre mein gesamtes Hab und Gut ein und an einem anderen Ort wieder aus.

 

Ein Erfahrungsbericht

Wir leben in einer globalisierten Welt. Wir sind verbunden mit allem und jedem, reisen hierhin und träumen von Reisen dorthin. Wir sehnen uns nach Abwechslung,  zu schnell wird uns langweilig. Und manchmal haben wir einfach genug vom grauen eintönigen Alltag. Wieso aber klammern wir uns trotzdem so sehr an einen Ort, meist an unser Kinderzimmer, unser Elternhaus? Wechseln wir doch einfach mal die Tapete!

 

Ich probiere es also aus und packe meine Kisten – wieder einmal. Ich verstaue alles in Koffern und Taschen. Wie immer landen alle Bücher in einer Kiste, bis ich merke, dass ich sie dann nicht mehr tragen kann. Also wieder auspacken, Karton mit Kleidern auffüllen, Bücher verteilen. In die Tassen werden Socken gestopft, in die Schuhe auch, zwischen die vielen Schals kommen die feinen Kerzenhalter und andere zerbrechliche Dinge. Säuberlich wird alles beschriftet (“Bücher, Kleider, Schuhe” oder “CD’s, Bücher, Kleider” oder “Badezimmer, Küche, Bücher”) und gestapelt, bis ich umgeben bin von ganzen Karton-Türmen. Meine Holz-Kisten, bis anhin als Regale genutzt, staple ich ineinander, ich fühle mich wie in einem lebensgrossen Tetris-Spiel. Nägel werden aus der Wand gezogen, Bilder abgehängt, Klebestreifen weggekratzt. Und immer wieder stellt sich die eine Frage: “Behalten oder wegwerfen?” Auch andere Gedanken kehren beständig und zuverlässig zurück, wie bestellt: “Hier werde ich nie wieder duschen. Oder kochen. Joghurt essen. In den Türrahmen laufen, weil ich morgens noch nichts sehe. Frieren, weil die Heizung ausgefallen ist. Ich werde nie wieder diesen Boden staubsaugen, die Fenster putzen, mein Fahrrad durch die schmale Tür manövrieren.” Die Wehmut ergreift mich, und gleichzeitig die Neugier auf das, was kommt. Wie wird es an dem neuen Ort wohl werden? Was erwartet mich? Und wie lange werde ich dort bleiben?

 

Frei von Ballast

Während dem Kisten packen lässt sich noch ein Grund finden, einmal umzuziehen: Man findet so viele Erinnerungsstücke, taucht ein in vergangene Zeiten, denkt an vergessen geglaubte Erlebnisse oder gar Lebensabschnitte. Weiter merkt man, wie viel Ramsch sich doch so mit der Zeit ansammelt. Wie viele Dinge nur herumliegen und verstauben, obwohl sie an einem anderen Ort viel Freude bereiten oder nützlich sein könnten. Man entdeckt Kleider, die man jahrelang nicht mehr getragen hat. Spiele, Bücher, Briefe. Und das Schönste dabei: Man kann vieles mit gutem Gewissen wegschmeissen oder verschenken. Denn bei einem Umzug merkt man: Ich brauche eigentlich gar nicht so viel. Zumindest gelangen die meisten Umzügler spätestens nach dem Kisten schleppen zu dieser Einsicht. Und die Freiheit, die man spürt, wenn man zu einer Rucksackreise aufbricht und lediglich drei Kisten Hab und Gut in einem Keller verstaut hat, sollte niemand missen.

Je nach Wohnsituation führt man ein anderes Leben. Das kann ich aus eigener Erfahrung mit Überzeugung sagen. Allein in einer Wohnung, mit Freunden in einer WG, mit Fremden in einem Wohnheim – unser Alltag und Lebensgefühl wird stark davon beeinflusst. Es lohnt sich, verschiedenes auszuprobieren. Also: Packt eure Kisten, zieht aus von daheim oder macht euch auf eine Reise, mit eurem ganzen Besitz auf dem Rücken. Wechselt die Tapeten. Ihr werdet es nicht bereuen. Und falls doch: Die Welt geht sowieso bald unter.

 

 

Zur Serie


 

Dieser Artikel ist der zehnte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.


 

Und die Kämpfe gehen weiter. Und weiter.

“Ja, das ist ein Bürgerkrieg”, liess der Sondervermittler der UNO, Lakhdar Brahimi, dieses Wochenende nach einem Treffen mit dem russischen Aussenminister verlauten. Letzterer sprach sich ausserdem für eine Rückkehr der Militärbeobachter nach Syrien aus – sobald das Blutvergiessen dort beendet sei. Die Worte: “Die Spirale der Gewalt dreht sich unaufhörlich”, lassen dann aber doch an seinem Willen zweifeln. Moskau und Damaskus sind nach wie vor enge Partner. Zusammen mit China hat Russland bisher alle Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates gegen Syrien abgeblockt.

 

Ein weiterer Anlauf scheitert

Es war nicht die erste angekündigte Waffenruhe in Syrien, die mit der Hoffnung erwartet wurde, der Anfang eines Dialoges zu sein. Heute, fünf Tage nach Beginn des Opferfestes und ein Tag nach dessen Ende, sieht die Zukunft immer noch dunkel aus, vielleicht dunkler als zuvor. Dem Fest zum Trotz wurde weitergekämpft, bei Bodenkämpfen, mit Luftangriffen und einer Autobombe. Dies zeigt, wie verbittert und existenziell der Kampf zwischen Regierungstreuen und Regierungsgegnern inzwischen geworden ist. Beinahe machtlos, jedoch bestimmt ratlos, sehen Regierungsvertreter aus der ganzen Welt zu, wie sich die Verwüstung ausbreitet und stellen fest, dass Menschen- und Kriegsrechte verletzt werden, während weiterhin, Tag für Tag, mehr Menschen sterben.

 

Ein grosses Fest unter Muslimen

Während dem islamischen Opferfest wird dem Propheten Ibrahim gedacht, der bereit war, seinen Sohn Ismael Allah als Opfer darzubringen. Es gilt als das höchste Fest im Islam, nebst dem Fastenbrechen zum Ende des Ramadan. 72 Prozent der syrischen Bevölkerung sind sunnitische Muslime, zwölf Prozent Alawiten und zehn Prozent Christen. Unter Präsident Assad war bis anhin die Religionsfreiheit garantiert, gerade unter Zivilisten herrscht die Angst, dass sie durch die Revolution bedroht ist.

 

Und nun?

Gemäss Schätzungen einer britischen Beobachtergruppe sollen seit Beginn des Widerstandes gegen das Assad-Regime mehr als 30’000 Menschen getötet worden sein. Ein Ende des Blutvergiessens ist kaum in Sicht. Zwar sprechen Russland und die UNO davon, dass alle Kräfte auf die verfeindeten Gruppen in Syrien einwirken sollen um sie dazu zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Konkret kommen aber gerade aus Moskau, das mit den guten Beziehungen zu Damaskus in der Position wäre, an Assad heranzutreten, keine neuen Bemühungen. Die Vereinten Nationen erwägen weiterhin keinen Einsatz von Blauhelmsoldaten in Syrien.

Berns buntester Schandfleck

Die 1897 erbaute Berner Reitschule wurde neben ihrem heutigen Zweck auch anderweitig genutzt. Sie beheimatete unter anderem Gewerbemessen, Landsgemeinden und Zirkusvorführungen. Bis 1980 wurden noch sechs Pferde in Boxen gehalten und zugeritten. Der Rest des Areals stand leer oder diente als Materiallager und wartete darauf, dem Erdboden gleichgemacht zu werden. Am 1.Oktober 1981 wurde das stark baufällige Gebäude schliesslich zum ersten Mal durch die alternative Szene von Bern besetzt – allerdings nicht für lange.

 

Berner ABZ nach Kranich-Frevel geräumt

Das Autonome Begegnungszentrum Reitschule (ABZ) war die Folge auf ein jahrelanges Hickhack zwischen den jungen Bernern, die Freiraum und bezahlbare Wohnungen forderten und den Behörden, der Polizei und dem Abrissbagger. Aber schon ein knappes halbes Jahr nach der Besetzung wurde das Areal auf der Schützenmatte polizeilich geräumt, mit Stacheldraht umzäunt und ein Jahr lang rund um die Uhr bewacht. Die offizielle Begründung der Räumung war, dass Punks aus dem Umfeld der Reitschule in den Tierpark “Dählhölzli” einbrachen, einen Kranich stahlen und ihn am Spiess auf dem Vorplatz brateten.

 

Am selben Tag als Natodraht und Polizeigrenadiere den richterlichen Verbotstafeln bei der Reitschule wichen, zogen hunderte Aktivisten vor und in die Reitschule um sie in Augenschein zu nehmen. Ein Grossaufgebot der Polizei sorgte aber schnell wieder für die gewohnte Ordnung, spedierte die unwillkommenen Gäste aus dem Areal hinaus und zeigte etliche davon wegen Landfriedensbruch an.

 

Bewegte Gründungsjahre

In den Jahren darauf wurde das öffentliche Leben regelmässig lahm gelegt, als tausende Demonstranten zugleich in die Warenhäuser der oberen Altstadt strömten und dabei schlicht nichts kauften, um für Freiräume ohne Konsumzwang zu protestieren. Die Räumung, des 1985 gegründeten freien Landes Zaffaraya auf dem Gaswerkareal 1987, gab der erzürnten Bewegung neuen Antrieb und führte schlussendlich dazu, dass die Reitschule zum letzten Mal besetzt wurde.

 

Während des Berner Kulturstreiks im selben Jahr 1987 verlegten alle regionalen Kulturinstitutionen ihren Betrieb für eine Nacht in die Reitschule. 10’000 Leute besuchten neben Kunstausstellungen, Theater auch die Konzerte von Polo Hofer, Stephan Eicher und Züri West.

 

Wilde Zeiten auf der Schützenmatte

Als Reaktion auf die städtische Wohnungsnot und die massiv überbelegte Notschlafstelle Sleeper, formierte sich zeitgleich die “Aktion Hundehütte”, welche als Zeichen gegen die Missstände auf dem Vorplatz und unter der Eisenbahnbrücke bei der Reitschule ihre Zelte aufschlugen und ihre Wohnmobile parkierten – sehr zum Unmut der Stadt und der Behörden.

 

Stadtweit war bekannt, dass im berüchtigten Wohnhaus der Reitschule offen mit Drogen und Waffen gehandelt wurde und das veranlasste die Aktivisten zum Handeln. Nachdem die von ihnen gesetzte Frist ohne Reaktion verstrich, räumten am 2. März 1990 um die 50 Reitschüler frühmorgens das Gebäude und vertrieben die Bewohner, welche noch am selben Abend bewaffnet zurückkehrten und in Wildwest-Manier ziellos um sich schossen, wie Augenzeugen damals berichteten.

 

Am 12. Oktober 1990 wurde frühmorgens ein Brandanschlag mit Molotowcocktails auf die frisch renovierte Remise verübt, welche komplett abbrannte. Das Dach des Wohnhauses, in dem von der Feuerwehr danach mehrere  Propangasflaschen mit geöffneten Ventilen sichergestellt wurden, wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Noch im selben Jahr lancierte die nationale Aktion und späteren Schweizer Demokraten die erste Initiative zur Schliessung der Reitschule, welche mit über 57 Prozent von der Stadtberner Bevölkerung verworfen wurde.

 

Nachdem es im Umfeld der Reitschule im Februar und Dezember 1992 zu zwei Tötungsdelikten und nicht selten zu Gewalt auf dem Vorplatz kam, sah man das Image der Bundesstadt nun endgültig befleckt und die Polizei räumte mit einem Aufgebot von 120 Grenadieren am 31. Mai 1995 ein weiteres Mal den Vorplatz und die grosse Halle. Damit keine Wohnmobile mehr auf den Vorplatz fahren konnten, wurden zudem Betonquader über den Platz verteilt und die Eingänge und Fenster der Reitschule zubetoniert. Ein knappes Jahr später wurde der Vorraum mit 1000 Kubikmeter Beton und Kies aufgefüllt, nachdem sich Vorplatzbewohner dort eingerichtet hatten.

 

Vom Pulverfass zum Epizentrum

Ein weiteres Jahr verstrich und im November 1996 wurde die grosse Halle während eines dreitägigen Festes mit Theater, Filmvorführungen und Konzerten offiziell eröffnet. Das nachdem Aktivisten Eingänge und Fenster in mühseliger Handarbeit von Beton befreiten und die Stadt grünes Licht zur Benützung gab. Der Vorplatz verwaiste aber mit der Zeit zusehends und sollte deshalb bald wieder in die Schlagzeilen zurückkehren. Eine offene und teils aggressive Drogenszene machte sich um die Reitschule breit. Wo vorher die Vorplatzbewohner auf ihre eigene Art für Recht und Ordnung sorgten, wurden nun ungestört Drogen verkauft und konsumiert. Die “Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule” (IKuR) sah sich gezwungen etwas gegen die herrschenden Zustände zu unternehmen und entwarf Pläne um den ausladenden Vorplatz aufzuwerten. Am 13. Juni 1999  wurde die Sanierungsvorlage schliesslich knapp angenommen und so konnte die längst fällige Renovierung neu angegangen werden. Mit 7,74 Millionen Franken wurden die Gebäudehülle und die Infrastruktur des maroden Gebäudes erneuert. Im April 2004 konnten nicht zuletzt auch dank dem unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen die Umbauarbeiten abgeschlossen werden.

 

Seit diesem Zeitpunkt hat sich weiterhin vieles verändert. Die Drogenszene wich dem monatlichen Flohmarkt, der Vorplatzbar und vielen bunten Festen. Manches wiederum blieb beim Alten wie zum Beispiel die ewigen Negativschlagzeilen und die Hetze gegen das bis über die Landesgrenzen hinaus bekannte Kulturzentrum auf der Schützenmatte. Namhafte Künstler wie Kraftwerk, Paul Kalkbrenner, Sven Väth und viele andere auch weniger bekannte Musiker wussten tausende Konzertbesucher zu begeistern und für manchen lokalen Barden war sie das Sprungbrett für ihre Karrieren.

 

Die Reitschule mit ihrem vielseitigen Kulturangebot ist für alle offen und stellt eine kleine Oase seit nun mehr als 25 Jahren in Berns Sandsteinwüste dar.

Der etwas andere Alltag

13.00 Uhr: Um die Ecke der EWB (Energie Wasser Bern) kommt der 18 jährige Julian Schmutz aus Niederönz bei Herzogenbuchsee. Er ist im letzten Lehrjahr als Logistiker. Eigentlich wie andere Jugendliche auch. Nicht ganz. Er besitzt ein grosses Talent: Eishockey. Seit 14 Jahren steht er bereits auf dem Eis und spielt nun seine vierte Saison beim SCB Future im rechten Flügel. Angefangen hat er mit vier Jahren. Nach einer längeren Zeit im Club von Heimenhausen wechselte er in der siebten Klasse nach Langenthal. Er besuchte das Projekt “Talent”, konnte dadurch zwei Morgentrainings besuchen und hatte eine Stundenreduktion an der Schule. Das neunte Schuljahr besuchte er im Anschluss daran in Bern, als er zum SCB wechselte. Letzte Saison stand Julian Schmutz bereits mit den SCB-Stars der Nationalliga A auf dem Eis.

 

Tink.ch: Du spielst nun seit 14 Jahren Eishockey. Bist du überhaupt noch nervös vor Spielen?

Julian Schmutz: Ja sicher. Vor allem wenn es spezielle Spiele sind wie an einer WM, einer Olympiade oder in der ersten Mannschaft des SCB. Besonders in der ersten Mannschaft; man hat ein anderes Team und will unbedingt sein Bestes geben. Auch an Weltmeisterschaften wird man nervös. Die Nationalhymne wird gespielt und die ganze Stimmung ist angespannter.

 

Dein Alltag sieht mit dem vielen Training etwas anders aus, im Gegensatz zu anderen Lernenden. Kannst du uns einen Tagesablauf schildern?

Der härteste Tag in der Woche ist wahrscheinlich der Donnerstag. Um 7.00 Uhr bin ich bei der Arbeit bis um 8.00 Uhr. Danach haben wir Training bis am Mittag. Anschliessend gehe ich wieder in die EWB bis um 16.00 Uhr. Anderthalb Stunden später heisst es aber bereits wieder Besammlung fürs Krafttraining. 19.30 Uhr dürfen wir dann wieder aufs Eis. Zu Hause bin ich erst wieder um 21.30 Uhr. Das ist ein langer Tag für mich.

 

Da bleibt nicht viel Zeit übrig. Was passioniert dich, wenn du mal nicht in der Eishockeyausrüstung steckst?

Das kommt etwas auf die Saison an. Im Winter haben wir nur samstags Zeit zum Ausruhen. Oft bin ich da auch nicht besonders motiviert mich noch einem zusätzlichen Sport zu widmen oder mich sonst gross zu belasten. Ich game sehr gerne mit Teamkollegen um etwas zu entspannen. Im Sommer kann es vorkommen, dass ich am Wochenende auch mal in den Ausgang gehe. Im Winter ist das aber ein Tabu.

 

Gibt es gewisse Dinge, für die es nicht reicht mit deinem Zeitpensum, die dir manchmal fehlen?

Ja die gibt es schon. Manchmal, wenn ich auf dem Weg ins Training bin, am Sonntagmorgen, und ich die Letzten vom Ausgang nach Hause gehen sehe, da frage ich mich, warum tue ich mir das eigentlich an? Sobald ich aber in meiner Ausrüstung bin, weiss ich wo ich hin gehöre. Das Eishockey füllt mich aus und gibt mir das, was andere im Ausgang oder in ihrer Freizeit finden.

 

Die Sommervorbereitung ist nun zu Ende. Wie hast du dich vorbereitet?

Indem ich zuerst die Frühlingspause von zwei Wochen in London geniessen durfte und danach motiviert ins Sommertraining gestartet bin. Nach zwei Wochen Trainingspause bekomme ich langsam ein schlechtes Gewissen und kann mich optimal für das Sommertraining motivieren. Das anschliessende Sommertraining ist hart. Kondition, Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit werden hart trainiert. Es sind zwar in der Anzahl weniger Trainings, aber diese sind körperlich anstrengender.

 

Was sind deine Ziele für die Saison 2012/13?

Anfangs war es klar mein Ziel, öfter in der ersten Mannschaft des SCB, also Nationalliga A, zu spielen. Mit dem Lockout* der NHL ist dies nun noch schwieriger. Für jeden Schweizer Nachwuchsspieler ist es im Moment praktisch unmöglich in der NLA zu spielen. Die Mannschaften ziehen die Ausländer vor. Deshalb musste ich auch meine Ziele etwas anpassen. Ich versuche in jedem Spiel mein bestes zu geben und somit Leader der Junioren werden.

 

Was war in dem Fall anders vor dem Lockout?

Vier bis fünf Spieler des SCB Future durften während der Vorbereitung oft mit der 1. Mannschaft trainieren. Seit dem Lockout können wir nur noch bei wenigen Trainings dabei sein. Oft nur auf der Bank um zuzusehen. Es hat zu viele Spieler auf dem Eis wenn wir Junioren auch noch mittrainieren.

 

Du durftest wie schon erwähnt bereits bei wichtigen Spielen des SCB in der NLA spielen. Was war das für ein Gefühl, wie wurdest du aufgenommen?

Das ist schwierig zu beschreiben (lächelt). Die ersten zwei Male kam ich gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Es war dunkel, wir kamen aufs Eis, mein Name ertönte in der Postfinance Arena und ich konnte es kaum glauben. Ab dem dritten Mal fing ich an das Ganze zu realisieren. Ich wollte mein bestes geben um die Coaches und auch die Spieler möglichst zu überzeugen. Beim dritten Spiel durfte ich dann sogar zwei Drittel durchspielen. Aufgenommen im Team wurde ich dabei eigentlich gut. Man hängt sich aber eher an die Jüngeren und nicht direkt an die Stars oder die ausländischen Spieler. In der Kabine sagt man nicht viel. Man will ja auch nicht gerade mit der Tür ins Haus fallen als Neuer.

 

Wo denkst du liegen deine Stärken und Schwächen im Sport oder allgemein?

Meine Stärke liegt sicherlich im offensiven Spiel. Da kann ich schon mal das eine oder andere Tor schiessen. Meine Schwäche ist jedoch die Defensive. Zudem ist es bei jüngeren Spielern oft so, dass sie direkt losstürmen und so viel Kraft verpuffen. So ist das auch bei mir. Ich muss lernen das Spiel besser zu lesen um präzise angreifen zu können. Allgemein denke ich, muss ich etwas geduldiger werden. Immer mein bestes geben und die Hoffnung nicht verlieren, wenn vielleicht ein anderer Spieler aufsteigen durfte oder wenn ich nicht nach dem erste Spiel eine Zusage bei einem Club habe. Dazu dient mir auch das Mentaltraining. Wir setzen gemeinsam realistische Ziele und machen Übungen um den Druck etwas zu reduzieren. Das kann schon das eine oder andere Mal helfen.

 

Was erhoffst du dir von der Zukunft?

Im Moment versuche ich, meine Lehre zu bestehen. Danach hoffe ich natürlich auf einen Profi-Vertrag. Das Schönste für mich wäre natürlich, in Bern zu spielen, da ich schon immer ein SCB-Fan war. Schlussendlich will ich aber spielen und würde natürlich auch in einem anderen Team einen Profi-Vertrag annehmen.

 

 


*Exkurs Lockout
Im Herbst 2005 wurde ein Tarifvertrag zwischen Spieler und Teams der NHL (NHL Collective Bargaining Agreement) ausgehandelt. Darin wurde unter anderem die Gewinnbeteiligung der Spieler von den Teambesitzer festgelegt. Dieser Vertrag lief am 15. September 2012 ab. Spieler und Teambesitzer konnten sich bis dahin nicht einig werden über einen neuen Vertrag. Die Besitzer der Teams sperrten daher ihre Spieler der NHL. Somit mussten viele Vorbereitungsspiele abgesagt werden. Am 4. Oktober wurde bekannt, dass die Liga die ersten 82 Spiele der Saison gestrichen hat. Die in der NHL gesperrten Spieler suchen sich nun vorübergehend Spielgelegenheiten in anderen Ligen, so auch in der Schweiz.

Müslüm im Fokus

Der Berner Müslüm geht eigene Wege. Im Interview stellt er sich die Fragen von Lauro Mombelli (Swag On) deshalb gleich selber. Im Fokus steht dabei der Fokus. Dass da beim Herr Süpervitamin und Teilzeit-Single viel Adrenalin fliesst ist klar. Zudem erklärt der Berner, was er jungen Künstlern rät und warum die Faust in seinem Sack gar keinen Platz findet.

Podcast: Lauro Mombelli/Swag On
Bild: zvg

Apprendre la langue avec plaisir

Französisch ist ein Fach, welches bei vielen Jugendlichen auf der Hitliste der Lieblings-Schulfächer laut Umfragen im Freundeskreis eher die unteren Plätze belegt. Ist die obligatorische Schulzeit vorbei, werden Fremdsprachen leider nicht mehr bei allen erweitert und vertieft. Schwierige Grammatik, schlechte Erinnerungen an die Lehrer oder einfach “kein Bock”. Tatsache ist jedoch, dass man die französische Sprache immer mehr braucht. Es gibt schöne Wege an ein Diplom zu gelangen, doch geschenkt werden einem diese nicht.

 

Ein Sprachaufenthalt, wo immer auch, kann, wie zum Beispiel in Frankreich, die Einstellung zur Sprache positiv ändern. Man lernt so nicht einfach nur die Sprache, sondern das “savoir vivre”, den Charme, die Eleganz und vor allem die Vielfalt eines Landes lieben.

 

La vie en France

Die Idee einen Sprachaufenthalt zu machen hatte ich schon lange. Ich machte mir Gedanken, hörte mich um und liess mich von Fachleuten beraten. Es gab viele Orte und namhafte Schulen überall in Frankreich. Meine Entscheidung fiel auf Biarritz. Die kleine Stadt an der wilden und eindrücklichen Atlantikküste wurde mir empfohlen und ich merkte bald nach der Ankunft, dass es die richtige Entscheidung war.

 

Vier Wochen weg von zu Hause, andere Leute, eine neue Umgebung. Meine Gastfamilie wohnte in einem kleinen Quartier in der Nähe des Zentrums von Biarritz. Ich fühlte mich sehr schnell wohl bei ihnen. Gastbruder Romain sowie Gastschwester Mathilde waren in meinem Alter, davon profitierte ich sehr.

 

Neben dem Alltag in der Gastfamilie hatte ich, strukturiert, spannend und fördernd, meine täglichen Unterrichtslektionen. Die Schule befand sich im Zentrum. In der Klasse kam jedoch das erste Stück Heimat zum Vorschein. Wie ich vermutet hatte gab es eine grosse Anzahl Schweizer Studenten.  Aus Respekt gegenüber Mitschülern aus anderen Ländern und auch gegenüber den Lehrern wurde jedoch während den Lektionen weder Schweizerdeutsch noch eine andere Fremdsprache gesprochen.

 

Schulalltag mal anders

Die Sprachschule Escapade in Biarritz ist eine kleine und sehr familiäre Schule. Nach der Sommersaison gibt es es in Biarritz weniger Schüler, das heisst es gibt kleinere Niveau-Klassen und man kann so vom Unterricht mehr profitieren.. Man verstand sich schnell, auch wenn man mit den anfänglichen sprachlichen Schwierigkeiten ein wenig Mühe hatte. Nach kurzer Zeit legte sich das. Der Unterricht wurde nicht nur von den Lehrern gestaltet, sondern auch mit den Schülern gemeinsam. Neben dem erweitern der grammatikalischen Kenntnisse gab es den Ausgleich mit Spielen und Diskussionen. Unsere Lehrer verhielten sich auf kollegialer Basis mit uns. Man duzte sich, hatte einen lockeren Umgang, aber alles mit dem nötigen Respekt.

 

Sonne, Strand und beaucoup des fêtes

Das Meer war ein grosser Anziehungspunkt. Was nach der offiziellen Sommersaison bleibt sind dank der Spanischen Hitze die warmen Temperaturen. Biarritz ist ein Surferparadies. Jedes Jahr verbringen hier Surfer aus aller Welt ihren Sommer. Hohe Wellen und ein wilder Ozean, das gefällt den waghalsigen Sportlern. Doch es ist grosse Vorsicht angesagt. Schon vielen wurde das unberechenbare Meer zum tödlichen Verhängnis.

 

Neben dem Entspannen am Strand war das Nachtleben in Biarritz natürlich ein Muss für alle Partyfreudigen. Laute Musik, viele tanzlustige Leute und das gemütliche Ambiente, bis in die frühen Morgenstunden.

Einen Tag lang Teil des Netzwerks

Schliessen Vertretungen von Medien, Festivals, Promotoren und Förderungen an einem Festival Deals in rauchigen Hinterzimmern? Grosse Festivals bieten ein reichhaltiges Nebenprogramm für die Pros der Branche, die sogenannten Delegates. Das kleine Wiener Waves geht den kompakteren Weg und lädt zu einer ganztägigen Stadtrundfahrt, die sogenannte “Waves Delegates Tour”.

 

Frühstück und Radio

Der erste Stopp galt dem Schweizer Musikschaffen, deren Vertretung Kafi, Gipfeli und The Bianca Story servierte. Swiss Music Export konnte mit der angesagten Basler Band in engem Ambiente exemplarisch zeigen, was die Eidgenossen musikalisch zu bieten haben. Dieser sogenannte “Mixer” ermöglichte es gleich schon, Chefs von Festivals und Promotionsagenturen in lockerer Umgebung kennen zu lernen. Der akustischen und gastronomischen Stärkung der Helvetier folgten Einblicke auf, hinter und unter die Bühne des Burgtheaters, eine der besten deutschsprachigen Bühnen. Die ganze Aufmerksamkeit galt hier der exzellenten Führung. Vorbei an der farbbeutelverschmierten griechischen Botschaft führte der Weg zum ORF-Fundhaus wo neben den Aufnahmestudios des ORF das Studio des staatlichen Alternativsenders FM4 zu sehen und zu hören ist.

 

Im Hinterzimmer und in der Villa

Österreich präsentierte sein Musikschaffen in einem der letzten echten Plattenläden der Stadt. Dust Covered Carpet spielten im Hinterzimmer zwischen Fanwäsche und Musikmemorabilien, in Hitze und Enge. Überzeugt waren jene, die Platz fanden. Bei straffem Tagesprogramm blieb danach kaum Zeit für Komplimente und Smalltalk, denn die Frankophonie lud in die stattliche Villa des Institut Française, leider ohne Band, denn diese hatte Verspätung. Doch Frankreich hat neben exzellenter Musik ebensolchen Wein, der hier gereicht und verkostet wurde. Die Pause auf der sonnigen Terrasse des Herrschaftssitzes bot erneut Zeit für Gespräche mit britischen Journalisten und Exporteuren deutschsprachiger Musik nach China.

 

Der Schoppen musste dennoch bald weichen, um bei frischer Luft die Fussballbegegnung der Färöer Inseln gegen Österreich 1990 nachzuholen, bei Aquavit und Trockenfisch; vertreten wurden die Staaten durch ihre jeweiligen Künstler am diesjährigen Festival. Als letztes lud das texanische SXSW, mit über 2’000 Bands eines der grössten Musikfestivals der Welt, zu einem Abschlussumtrunk. Hier liess es sich nochmals vortrefflich mit allen schwatzen und gleichzeitig Infos zum nächtlichen Hotspot erfahren.

 

Nachdem ein Tag lang kräftig Visitenkarten ausgetauscht und Kontakte geknüpft wurden, überkam der Hunger die Menge, man verabschiedete sich temporär, um sich zu den Konzerten des Abends später wieder zu treffen. Und in Kontakt zu bleiben, denn auch die Medien sind ein wichtiger Teil des professionellen Musikbetriebs.

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Vom Spitzen- zum Schnellkoch

Der Punkte- und Sternekoch Eduard Hitzberger war gemäss der Finanzzeitschrift Bilanz Koch des Jahres. 2009 gründete er seine Take-Away-Kette Hitzberger. Mittlerweile ist Hitzberger auf sieben Filialen in Basel, Bern und Zürich angewachsen. Ausschliesslich vegetarisch ist das Angebot bei weitem nicht, dennoch soll das Versprechen nach nachhaltigem, gesundem und bezahlbarem Essen mit Fokus auf vegetarischer Kost getestet werden.

 

Chice Selbstbedienung

Das Konzept basiert auf Selbstbedienung, entweder als Take Away oder zum Verzehr in den eigenen Lokalen, welche für Schnellverpflegung ganz schönes Design beweisen. Das Lokal in Basel liegt direkt am Aeschenplatz und spricht so eher Geschäftskunden an. Trotzdem oder deswegen ist das Lokal über Mittag erstaunlich schlecht besucht.

 

Das Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten ist knapp, je ein Wrap und Sandwich sowie Salate, Suppen und ein Curry; Wrap und Sandwich unterscheiden sich nur durch die Ummantelung. Auch der Salat ist vom Inhalt her genau dasselbe ohne Kohlenhydrate.

 

Magere Deklaration, volle Freundlichkeit

Die Deklaration bezüglich vegan und vegetarisch auf der Karte ist in Ordnung, bei den Desserts muss allerdings nachgefragt werden. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, kann aber ohne nachzufragen nicht sagen, welche Speisen Eier oder Butter enthalten. Das Hitzberger versteht sich nicht als vegetarisches oder veganes Restaurant, der Fokus liegt gemäss Website auf Qualität, sowie lokalen Produkten aus biologischem Anbau, wobei laut Deklaration nicht sehr viele Gerichte tatsächlich bio sind. Einmal abgesehen vom Fair-Trade-Kaffee. Die Speisekarte kann online ohne Preisangaben angeschaut werden, so kann der Besuch vorbereitet werden.

 

Die Gerichte sind für ein Take-Away-Lokal eher teuer, die Gerichte werden schnell und vor den Augen der Kundschaft zubereitet. Studierende und Schüler erhalten Rabatte. Leitungswasser ist auf Anfrage kostenlos erhältlich, Brot hingegen kostet extra. Für die Gesundheit kann man auf dem Kassenzettel die Nährwertangaben des eigenen Verzehrs nachschauen.

 

Knackiger Salat, weiche Sandwiches

Das Testmenu bestand aus einem vegetarischen Wrap und einem vegetarisches Sandwich, dazu einen grünen Salat und eine Karotten-Ingwer-Suppe, als Getränk ein Haus-Eistee und ein Bio-Sirup, der leider aus dem Supermarkt stammt, zum Schluss zwei nicht vegane Desserts: ein Schoggi-Bananen-Muffin ohne Eier und ein Brownie. Komplett mit Menü- und Studierendenrabatt kostete der Einblick in Hitzbergers Take-Out-Welt gut 40 Franken. Der Preis für die Speisen bewegt sich im üblichen Rahmen der urbanen Take-Away-Gerichte.

 

Das Essen ist war gut und schmackhaft, kam jedoch ganz allgemein etwas fade daher. Die erwärmten Hauptspeisen Wrap und Sandwich waren sehr weich, fast matschig. Die vegetarischen Patti in den Hauptspeisen vermischten sich so mit der Vinaigrette zu einer Sosse. Das probierte Red Thai Curry war pikant, geschmacklich jedoch weniger spannend als das Aussahen versprach.

 

Das Fazit bleibt durchzogen. Das Angebot ist für Vegetarier leider nicht sehr gross und preislich kein Schnäppchen, wobei es in Städten selten günstiger geht. Die frische Zubereitung ist erfreulich, doch vermögen die Gerichte die Erwartungen an günstige, schnelle, dennoch aufregenden Spitzengastronomie zum mitnehmen nicht ganz zu erfüllen.

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