Gesellschaft | 11.09.2012

Mit dem Theater gegen soziale Missstände

Akzeptanz von Romas, Homophobie oder schlicht Gewalt im Alltag: Alle diese Erscheinungen erfordern eine ausgeprägte Zivilcourage. Der Service Civil International (SCI) schickte deshalb zwei Mitglieder nach Slowenien, zu einem Seminar über das unsichtbare Theater. Es soll die genannten Probleme einer breiten Öffentlichkeit vor Augen führen. Ein Reisebericht.
Wenn die Aktivisten in der Innenstadt von Ljubljana gleich loslegen, wollen sie unerkannt bleiben. Zuvor haben sie im Seminar "Invisible Actors of Visible Acts" ihre Rollen eingeübt.
Bild: zvg

Anfang Juli 2012 brachen wir nach Ljubljana auf, um mit weiteren 21 jungen Menschen aus Mittel- und Osteuropa am 10-tägigen Trainingsworkshop “Invisible Actors of Visible Acts” teilzunehmen. Zu deutsch heisst der Anlass: “Unsichtbare Schauspieler sichtbarer Handlungen”. Nachdem wir uns durch zahlreiche Theaterspiele vor Ort als Gruppe besser kennengelernt hatten, näherten wir uns einigen Methoden des “Theater der Unterdrückten” vom Brasilianer Augusto Boal an. Diese von ihm in den 60er-Jahren entwickelten Methoden, verwenden Theater als Instrument, um soziale Missstände  aufzudecken. Vor allem aber auch, um zu intervenieren und alternatives Handeln aufzuzeigen. Beim sogenannten “unsichtbaren Theater” geschieht dies, indem in öffentlichen Räumen relevante Konfliktsituationen und Interventionen dargestellt werden. Das Publikum weiss dabei nicht, dass die Situation gespielt ist. Die Zusehenden werden also selber zu einem Mitspieler.

 

Macht, Unterdrückung und Ausgrenzung

Um diese Szenen zu entwickeln, arbeiteten wir mit eigenen Erfahrungen. Hitzige Diskussionen und Szenen zu den Themen Ausgrenzung und soziale Macht, zu den Roma in den verschiedenen Ländern Ex-Jugoslawiens, aber auch zu sexueller Orientierung und Normvorstellungen entstanden. Trotz der Ernsthaftigkeit dieser Themen, gerade weil sie uns oft direkt betrafen, erlaubten die verschiedenen Theatertechniken eine spielerische Auseinandersetzung.

 

Mit unsichtbarem Theater die Öffentlichkeit zum Nachdenken anregen

Sodann machten wir erste Gehversuche im unsichtbaren Theater in Ljubljana: In Cafés und Bussen legten wir los: Wir stellten Szenen der Ausgrenzung von Behinderten, aber auch zu Islamophobie und Homophobie dar und brachten diese so unter die Leute. Die grosse Herausforderung dabei war, dass wir auf alle möglichen Reaktionen vorbereitet sein mussten. Das Ziel jedenfalls wurde erreicht, die Themen waren in der Öffentlichkeit angesprochen.

 

 

Über die Organisation SCI Schweiz


Der Service Civil International (SCI) ist eine internationale Friedensorganisation, die Freiwillige in gemeinnützige, soziale, ökologische und kulturelle Projekte vermittelt. Regelmässig können Interessierte an Seminaren, wie jenem in Slowenien teilnehmen. SCI Schweiz ist eine Partnerorganisation von Tink.ch.

 

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