Politik | 25.09.2012

Essensumstellung an der Uni Basel?

Text von Chiara Nauer | Bilder von Chiara Nauer
Das Anliegen ist im Grunde nicht neu: Schon vor einem Jahr wurde an der Universität Zürich gefordert, den Menuplan der Mensa fleischlos zu gestalten. Erfolglos. Vergangenen Dienstag taten vegane Studierende der Universität Basel dasselbe. Fleischkonsum sei ethisch nicht vertretbar und ökologisch ein Unsinn. Diesmal hatten sie Erfolg. Doch was bedeutet der Entscheid für die Fleischessenden der Universität Basel?
Bis die Studenten der Uni Basel nur noch vergünstigten Salat und Tofu auf ihrem Teller begrüssen dürfen, dauert es noch eine ganze Weile. 50 mal duschen könne man mit der eingesparten Energie und mehr als 10 Kilometer Auto fahren, wenn man nur für eine Mahlzeit aufs Fleisch verzichtet, so die Antragssteller.
Bild: Chiara Nauer

Es ist acht Uhr abends und vor der Tür des Fakultätenzimmers, in dem gerade die Sitzung des Studierendenrats der Universität Basel stattfindet sitzt ein Grüppchen aufgeregter junger Menschen und wartet darauf, endlich reingerufen zu werden. Heute werden zwei von ihnen, Jens Hermes und Frank Imhof, den Antrag “Vegetarisch-Vegane Mensa” einreichen.

 

Der Antrag sieht im Kern drei Punkte vor: Erstens soll das Salatbuffet an der Mensa der Universität Basel verbilligt werden. Zweitens soll die Mensa ein veganes Menu einführen. Diese beiden Punkte sind unter den Studierenden derzeit wenig umstritten. Für Diskussionsstoff und heftige Reaktionen sorgt indes der dritte Punkt: Die Mensa soll kein Fleisch mehr verkaufen dürfen.

 

Nach einer kurzen Umfrage unter den Wartenden ergibt sich, dass die Initianten durchaus positiv eingestellt sind. Sie blicken nicht nach Zürich, sondern nach Deutschland, wo die freie Universität Berlin die erste vegetarische Mensa betreibt.

 

Geprägt von Fakten

Dann ist es soweit: Die Veganer werden aufgefordert, das Zimmer zu betreten und auf den Gästeplätzen Platz zu nehmen. Abgesehen von den Antragstellern Jens und Frank, sie werden gleich im Zentrum stehen. Ein bisschen nervös beginnen sie mit ihrer Präsentation, werden aber zunehmend sicherer. Zum Schluss befinden sie sich ganz in ihrem Element. Vom Anfang bis zum Schluss knallen sie den  zwölf anwesenden Mitgliedern des Rats knallharte Fakten ins Gesicht. Etwa, dass 70 Prozent des abgeholzten Amazonaswaldes als Viehweiden genutzt werden. Oder dass man mit der Energie für die Produktion eines Big Macs mit 100 Gramm Fleisch, 40-mal duschen könnte.

 

Um letzte Bedenken zu zerstreuen, zeigen die beiden eine kurze Dokumentation von einem angeblichen Vorzeige-Bio-Schlachthaus, in dem die grausame Schlachtung und das Leiden von Rindern und Schweinen zu sehen ist.

 

Jens erklärt, dass sogar die UNO 2010 forderte, das Essverhalten bezüglich Fleisch zu überdenken. Am Ende erwähnt er die Vorbildfunktion, die gerade bei universitären Einrichtungen sehr wichtig sei.

 

Endlosschlaufe

Nach der Vorstellung des Antrags beginnt die Diskussion. Zunächst erstaunt, dass der Antrag bei allen zwölf Mitgliedern auf Zustimmung stösst. Im Verlauf der Diskussion wird ersichtlich, dass einige Ratsmitglieder die Idee eines veganen Menus zwar unterstützen, jedoch nicht für eine fleischlose Mensa einstehen wollen. Denn schliesslich sollen alle selber entscheiden können, was sie essen wollen. Die Gegner kontern damit, dass das nicht mehr unbedingt Privatsache sei, da der Fleischkonsum grosse ökologische Schäden mit sich bringe. Zudem sei der Verzicht in der Mensa nur ein Verzicht innerhalb der Mittagszeit.

 

Und so dreht die Diskussion ihre Runden. Immer wieder werden dieselben Vorwürfe und Argumente genannt. Irgendwann wird ein Gegenantrag gestellt, der ein veganes Menü verlangt, nicht jedoch ein Fleischverbot. Der Kompromissversuch stösst jedoch auf taube Ohren bei den Befürwortern des originalen Antrags. Er decke ihre Forderung nicht im Geringsten.

 

“Die Tiere sind die Leidtragenden”

Plötzlich reisst Marc Stöckli, ein Vorstand der Studierendenschaft die Diskussion in eine neue Richtung. Das momentane Gespräch werde aus der falschen Perspektive geführt, sagt er. So seien es nicht die Menschen, die das Leiden ertragen müssen, sondern die Tiere. Mit diesem Argument kann er eine Mehrheit des Rates für den Antrag gewinnen. Am Schluss wird dem Antrag mit sechs zu zwei Stimmen bei vier Enthaltungen zugestimmt.

 

Noch kein definitiver Entscheid

Trotz des Triumphes haben die Initianten noch nicht gewonnen. Denn mit dem Entscheid des Studierendenrates hat sich die Skuba als Vertreterin der Studierenden lediglich dafür ausgesprochen, sich für eine fleischlose Mensa einzusetzen. Der Studierendenrat besetzt jedoch nur zwei von sieben Sitzen in der Verpflegungskommission. Ist dieses Gremium überzeugt, muss auch das Rektorat noch überzeugt werden. Ein langer Weg für die Antragssteller und die studentische Körperschaft der Universität Basel.

 

Einige Zuhörer meinten vergangene Woche sogar, dass der Antrag schlussendlich in einem verbilligten Salatbuffet enden könnte, weil noch so viele Verhandlungen anstehen und mit jeder Verhandlungsrunde die Forderungen gesenkt würden. Und auch von Seiten der Fleischesser droht bereits Ungemach. Nur eine Woche nach dem Entscheid des Studierendenrats prüfte die Skuba ein eingegangenes Referundum. Mit 104 gültigen Unterschriften gegen den Entscheid, wird das Traktandum vegan-vegetarische Mensa auch in der nächsten Ratssitzung wieder ein Thema sein. Das Fleisch ist damit noch nicht vom Tisch. Sicher ist dagegen, dass es den Antragsstellenden gelungen ist, eine Diskussion zu lancieren.