Kultur | 04.09.2012

Eine unbekannte Emulsion

Wenn Französisch auf Japanisch trifft oder umgekehrt, kann daraus eine Pâtisserie mit Zusatz entstehen. Der Zusatz wird mit Afternoon Tea, Brunch und Staunen deklariert. Tink.ch wagte sich nach Zürich um sich ebenfalls ein Stück der extravaganten Torte abzuschneiden.
Kleine Sünden, die sich zu wagen lohnen. Sojamilch und Grüntee ergeben den Matcha Latte. Das Schlaraffenland hat drei Stockwerke. Im untersten Stock drei verschiedene Arten Tofu von Lord of Tofu, einem Kleinbetrieb in Lörrach/D. Das Gefühl vom Puppenhaus im Grossformat.
Bild: Martin Sigrist und Chiara Nauer

Der Name des Lokals “Miyuko” verrät schon, dass es sich um einen aussergewöhnlichen Betrieb handelt. Nicht etwa, weil man sich ein bisschen wie in den 50er-Jahren fühlt. Auch nicht, weil man Grossmutters gehäkelte Decke auf einem Esstisch findet, sondern weil das Angebot von fleischhaltig über laktose- und glutenfrei bis hin zu vegan, vegetarisch und diabetes-freundlich geht.

 

Seit eineinhalb Jahren wird in drei verbundenen Räumen geschlemmt,. Im Mittleren befindet sich zudem eine etwas eng geschnittene Küche, in der anfangs die Produktion statt fand. Heutzutage wird ein schönes Atelier fürs Kochen gemietet, in dem auch Kurse besucht werden können.

 

Für Zwerge oder Kinder?

Um wirklich das vegetarische Essen beurteilen zu können, entschieden wir uns für den Sonntagsbrunch, den wir im Voraus reservierten. Einmal vegetarisch und einmal die vegane Variante. Ein kurzer Spaziergang führt vom Zürcher Hauptbahnhof bis zum Miyuko, das sich mitten in einem Wohnquartier befindet.

 

Da ein Lüftchen durch die Strassen weht, fällt die Entscheidung auf das Innere des Cafés. Der Platz befindet sich an einem Küchentisch, der wahrscheinlich für eher kleine Erwachsene oder Kinder vorgesehen ist, jedoch nicht für zwei gross gewachsene Menschen. Das ist allerdings nicht so schlimm, denn die interessante Dekoration macht alles wieder wett. Vom Röschen bis zu der wundervoll geschwungenen Handschrift auf kleinen Tafeln passt alles ins Bild. Auch die Mitarbeiterinnen unterstreichen den Eindruck von Verspieltheit, gutem Geschmack und Hilfsbereitschaft.

 

Ein Etagère und viel Essen

Nach kurzem Warten wird ein Etagère mit drei Ebenen serviert. Im Untersten befinden sich die gesunden Sachen: Obst und Birchermüesli. Im Zweiten gibt es verschiedene Tofu-Arten aus Lörrach, Käse und Korriander-Pesto für das Brot. Im Obersten sind die Kalorienbomben zu finden, etwa eine vegane Crèmeschnitte mit Kokos-Sojamilch, normales Schokoladenmousse oder selbstgemachte Pralinen anzutreffen. Nebst dem Gestell wird ein Brotkorb bereitgestellt, einschliesslich veganem Brot. Das glutenfreie Gebäck wird selbst hergestellt.

 

Auf den ersten Blick sieht das Ganze eher nach wenig aus und der  Wunsch nach einem Supplément kommt bereits auf. Wer aber etwas langsamer ist und viel spricht, wird am Schluss fast platzen. Daran sind nicht nur die Köstlichkeiten alleine Schuld sein, auch der Latte Macchiato mit Grüntee anstelle von Kaffee unterstützen den Sättigungsprozess.

 

Speziell zu empfehlen ist der dreifache Espresso nach Rezept des Chefs. Dazu wird Leitungswasser gereicht. Nur für Nachschub muss man sich bemerkbar machen. Die Bedienung dürfte etwas aufmerksamer sein.

 

Mitbringsel für Mama

Nach der humanen Rechnung – der Brunch kostet rund 30 Franken pro Person – kann man langsam zum Ausgang trotten. Und kommt dabei an der Vitrine mit den verschiedenen Tortenstücken vorbei. Da lohnt es sich durchaus einen etwas höheren Preis für so ein kleines Kunstwerk zu bezahlen. Als Mitbringsel für zu Hause.

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