Kultur | 11.09.2012

Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war.

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von Gabriela Steinemann
Bereits zum zehnten Mal wurde letzte Woche das internationale Animationsfilmfestival Fantoche in der Stadt Baden ausgerichtet. Während einer Woche präsentierten die Kinos täglich animierte Kurz- und Langfilme. Daneben bestand die Möglichkeit einer Teilnahme an diversen Workshops und Podiumsdiskussionen zum Thema Animation oder der Besuch zweier thematisch verwandter Ausstellungen.
Das Kino Trafo mit seinen fünf Sälen war einer der Ausstrahlungsorte während des Filmfestivals. An der Ausstellung "Turn on the Future!" in der Stanzerei war es möglich diverse Independent Games auszuprobieren. Origineller Shop-Wagon vor dem Festivalzentrum auf dem Merker-Areal.
Bild: Gabriela Steinemann

Fantoche feierte in diesem Jahr unter dem Motto “The future ain’t what it used to be” sein erstes rundes Jubiläum. Dementsprechend bildeten Rückblicke in die Vergangenheit des Animationsfilms und Ausblicke in seine Zukunft den roten Faden der Veranstaltung. Mehrere Programmblöcke widmeten sich dem Entwurf animierter Zukunftsvisionen, rangierend von euphorischen Utopien bis hin zu alptraumhaften Dystopien. Der von Frank Braun, dem Vorstand des Festivals, kuratierte Block von neun Kurzfilmen “Die Zukunft der Gegenwart” präsentierte zumeist beklemmende Entwürfe einer möglichen zukünftigen Realität.

 

Fukushima und Geiseln

In “663114” wurden etwa die Auswirkungen der Nuklearkatastrophe in Fukushima anhand der Entwicklung eines Insektes verarbeitet. Und im Werk “Metalosis Maligna” wurden mögliche Folgen der zunehmenden Langlebigkeit des Menschen aufgezeigt. Der darauffolgende Block hingegen widmete sich den Zukunftsentwürfen aus früherer Zeit, darunter befanden sich einerseits fortschrittgläubige Werke von bezaubernder Naivität wie “Joie de vivre” aus dem Jahr 1934 und andererseits jüngere Animationsfilme wie “Logorama”, eine schwarzhumorige Satire über die amerikanische Konsumgesellschaft, bei der die Maskottchen weltweit bekannter Grossunternehmen die Hauptrolle in einem Geiseldrama spielen.

 

Lasst die Puppen tanzen

Ein zweiter Themenblock bildete am Fantoche-Festival der Tschechische Animationsfilm. Nicht weniger als sechs Kurzfilmprogramme widmeten sich alten und neuen Kreationen aus den tschechischen Animations- und Puppenfilmstudios. Klassiker und Raritäten fanden ebenso Eingang in das Filmprogramm wie zeitgenössische Werke. So etwa am Samstag, in den beiden Blöcken “Tschechische Klassiker” und “Verborgene Schätze und Trouvaillen der Tschechischen Animation” ausgesucht. Im Gegensatz zu den “Zukunftsvisionen” zeichnen sich die Kurzfilme aus der ehemaligen sozialistischen Tschechoslowakei durch ein eher gemächliches Tempo und eine symbolistische Bildsprache aus: Holzpuppen und Glasfiguren werden zum Leben erweckt, Strichmännchen streiten sich um ein von der Sonne beschienenes Plätzchen.. Nicht wenige Kurzfilme spielen in subtiler Weise auf die strengen Zensurauflagen der sozialistischen Regierung an. So spielt beispielsweise der Künstler, der von einer höheren Instanz in seiner Tätigkeit behindert wird, als Hauptfigur mehrerer Werke eine Rolle.

 

Von Independent Games und Installationen

Nebst diversen Kurzfilmblöcken bot das Fantoche-Festival  auch eine Anzahl an abendfüllenden Langfilmen an. Darunter verdient das heitere Liebesdrama “Kokuriko-zaka kara” aus dem renommierten Japanischen Animationsstudio Ghibli besondere Erwähnung. Wem die Auswahl an Filmen nicht zusagte, dem Stand die Möglichkeit offen, an einer der diversen Nebenveranstaltungen zur Fantoche teilzunehmen. In der Aktionshalle “Stanzerei” bestand die Möglichkeit, im Rahmen der Ausstellung “Turn on the Future” verschiedene, in einem futuristischen Setting angesiedelte Independent-Games zu testen. Daneben befand sich im Kunstraum Baden die Installation des Schweizer Künstlers Patrick Graf, die gleichzeitig auch als Bühne für Performances diente. Es handelt sich dabei um eine Koproduktion zwischen dem Kunstraum und dem Animationsfilmfestival zum Thema “The future ain’t what it used to be” – Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war.

 

Alles in allem erwies sich der Besuch des Filmfestivals als eine lohnenswerte Erfahrung. Das Angebot an Filmen war vielfältig und gut durchmischt. Es ist erfrischend zu sehen, dass auch in der Schweiz dem Animationsfilm ein Platz neben dem Realfilm eingeräumt wird.

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