Kultur | 05.09.2012

Die Beutejagd ist eröffnet

Text von Jessica Hefti
Der Eulenblick auf dem Cover ist ähnlich eindringlich wie die neun Songs auf dem Debütalbum von Dead Bunny.
Rockband aus Bern: Dead Bunny. Debüt-Album: The Truth is a Fucking Liar.

Im März 2011 konnten Dead Bunny das “Demo of the Year 2011” und den “SUISA Foundation Award” in der Kategorie Rock an den M4Music einheimsen – ein guter Vorbote für die drei Charakterköpfe. In der Region Bern besagt der Aberglaube, dass Eulengeschrei die Geburt eines Kindes ankündigt. Das Baby, das Debütalbum von Dead Bunny, ist geboren. Die Platte hat ein schickes Cover:  schlicht, das Innenleben mit den Eulenaugen in gross, keine  überflüssigen Erklärungen, kein Booklet – nur die CD versteckt sich in der Seitenlasche.  Auf der CD selbst ist ebenfalls  ein Eulenauge abgebildet. Nur der Titel ist Geschmackssache: “The Truth is a Fucking Liar”. Ein toller Schnabelwetzer mit Sicherheit; aber braucht es das Schimpfwort? Eine junge Gemeinschaft mag darüber hinweg sehen. Und besser ist vom Inhalt zu reden und da den Dreck zu suchen

Die neun Songs fahren ein. Es ist ein Album, das seine Anlaufzeit braucht, bis es in die Gehörgänge eindringt und sich dort  festnistet. Das liegt vielleicht daran, dass es gerade mächtig viel Anderes gibt, das auf den ersten Ton ähnlich klingt: Jack White, Black Keys, Queens of the Stone Age zum Beispiel. Aber Dead Bunny in einem Atemzug zu nennen kann auch ein triftiger Vorteil sein.

 

Eine eindringliche Stimme

Sauber produziert ist die Klangwelt, welche die Band aus Bern da schafft. An der Mischung sass der Toningenieur von The Young Gods Bertrand Siffert. Da gibt es noch genug Dreck und doch qualitativen Rock. Sofort einnisten  wird sich der Song “Shadow”, der mit Xylophon eine prägnante Tonabfolge mit Ohrwurmcharakter präsentiert. Manchmal nur wünscht man sich, dass er weniger straight ist und mehr abgeht, statt im Popsummen zu verbleiben. Dafür gibt es aber auch andere Nummern wie “Cold Blow”, die im Tempo keine Kompromisse machen. Thomas Schmidigers eindringliche Stimme setzt im Song “Forever” zu einem Höhenflug an und ist auch durch den Stimmenverzerr in “As He Said” noch ein Hörgenuss.

 

Was  die Hände auf die Schenkel klopfen und mit dem Fuss wippen lässt und erste Headbangversuche anzettelt, ist bereit bald live  gesehen zu werden. Noch hält sich Dead Bunny mit Tourdaten bedeckt. Aber die Beutejagd der Programmeulen aller Konzerthäuser dieser Welt sollte nicht lange auf sich warten lassen. Und da wird es sicherlich eine nachtaktive Meute geben, die gerne in den Genuss kommt, Dead Bunny live und lebendig zu sehen.

 

 

Dead Bunny in Concert


Plattentaufe am 14. September 2012 im Dachstock, Reitschule, Bern

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