Kultur | 03.09.2012

Auf dem Heimweg

Text von Milena Krstic | Bilder von 3rd Eye / zvg
Bis am 15. September stellt das Kornhausforum Arbeiten junger afghanischer Fotografinnen und Fotografen aus, die Einblick in ihre Heimat gewähren. Die Bilder zeigen ein starkes, aufstrebendes, fröhliches Afghanistan - Adjektive, mit denen das kriegsgeplagte Land hier kaum in Verbindung gebracht wird.
Nicht nur Kriegsbilder. Afghanistan von seiner hoffnungsvollen Seite.
Bild: 3rd Eye / zvg

Wo sind die Einschusslöcher? Die Waffen? Die Tränen? Auf den Fotos der Ausstellung „EinBlick Afghanistan“ im Kornhausforum werden die Besucher nichts dergleichen finden. Dass Afghanistan ein kriegserschüttertes Land ist, dürfte mittlerweile sogar jenen bewusst sein, die sich kaum für das Weltgeschehen interessieren. Schreckensbilder, davon hat die Welt genug gesehen! Gut möglich, dass dies der Hintergedanke von Najibullah Musafir, Basir Seerat, Reza Sahel und Reza Yamak gewesen ist, als sie beschlossen haben, fotografisch zu dokumentieren, was für die Medien wenig interessant zu sein scheint: dass in ihrem Heimatland auch so etwas wie Hoffnung und Wiederaufbau existiert.

 

Unterwegs nach Hause

Man schreitet an Bildern von Vätern vorbei, die mit ihren Söhnen spielen, an einer Familie, die beisammen Tee trinkt. Das Leben hat erste Sorgenfalten in die zarten Kindergesichter eingraviert. Aber es sind lachende Kinder, die Ball spielen und zur Schule gehen. Verborgen werden die Folgen des Kriegs dennoch nicht. Wir betrachten hier ja auch Flüchtlinge. Aber die Erklärung zum Bild lässt wissen: Sie sind auf dem Heimweg. Und zuhause gibt es viel zu tun; Stromnetze werden aufgezogen, ein Bild weiter ernten Bäuerinnen Weizen.

 

Die Ausstellungsbesucher erhalten Einblick in Geschehnisse, die offenbar vom Zufall kreiert wurden. Was sähe ich, würde ich durch die Provinzen und Städte Afghanistans spazieren? Jede der fotografierten Szenen könnte sich ereignen. Es scheint den jungen Dokumentarfotografinnen und -fotografen weniger um einzelne Personen zu gehen, als um ein grosses Ganzes. Was auch die wenigen Portraits erklären dürfte. Eindrückliche Nahaufnahmen von Menschen, in deren Gesichtern zu lesen ist, dass Wiederaufbau meist mit harter Arbeit verbunden ist.

 

Die Rolle der Frau

Alle sind sie dabei, gerade auch die Frauen in den vorderen Reihen. Ihre Wichtigkeit für das Land und die Gesellschaft wird an der Ausstellung besonders hervorgehoben: Ein Grossteil der Schüler sind Mädchen und in den Spitälern werden die Patienten überwiegend von Ärztinnen behandelt. Auf einem Foto sieht man Plastikboxen, zu Wahlurnen umfunktioniert, Frauen sitzen darum herum und auf dem Tisch liegt, in einen grünen Strampelanzug gekleidet, ein Baby. All diese Bilder, sie machen Mut und geben Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Das, was ein vom Krieg erschüttertes Land eben auch braucht.

 

 

Info zur Ausstellung


Das Projekt „EinBlick Afghanistan“ wird vom eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (Deza) unterstützt und feiert das 10. Jubiläum des Engagements in Afghanistan. Die Deza engagiert sich in Afghanistan vor allem in den Bereichen Bildung, Anti-Korruption und Gender-Gleichstellung. Im Kornhausforum ist eine Auswahl aus über 10’000 Bildern zu sehen. Die Fotografen Najibullah Musafir, Basir Seerat, Reza Sahel und Reza Yamak haben 2007 das „3rd Eye“ Zentrum gegründet, das sämtliche ihrer Bilder archiviert und für welches mittlerweile über 20 weitere Fotografinnen und Fotografen arbeiten.

 

Links