Gesellschaft | 04.09.2012

“4+ soll die Programmnischen am Abend füllen”

Text von Michael Küng | Bilder von zvg
3+ hat viel Neues vor, unter anderem überraschte die 3+-Gruppe am 02. August 2012 mit der Ankündigung, einen neuen Sender zu starten. 4+ soll sich auf Spielfilme konzentrieren. Dominik Kaiser, Senderchef von 3+ nimmt im Interview mit Tink.ch Stellung zu den Herausforderungen seiner neuen Sendergruppe.
Der Senderchef von 3+, Dominik Kaiser.
Bild: zvg

Tink.ch: Warum lanciert 3+ einen neuen Sender?

Dominik Kaiser: Wir wollen strukturelle Bedingungen schaffen, die es uns erlauben, mittel- und langfristig mit 3+ unabhängig zu bleiben. Der zweite Sender wird uns dabei helfen. Wir können nun die Talente unserer Mitarbeiter, Netzwerke, Partner und die bisherige Infrastruktur für zwei Sender nutzen. Damit verteilen wir die Kosten des Overheads auf beide Sender und können noch mehr Geld direkt ins Programm investieren.

 

Sie sind jetzt Chef einer Sendergruppe – Birgt das auch Risiken?

Natürlich, jedes neue Projekt birgt Risiken. Wir gehen davon aus, dass 4+ erst nach drei Jahren profitabel sein wird.

 

Wäre es nicht sinnvoller, die erworbenen Spielfilm-Rechte ins Programm von 3+ zu nehmen, anstatt einen zweiten Sender zu lancieren, der 3+ eventuell Konkurrenz machen könnte?

 

Ein Sender kann nur ein Programm zeigen – zwei haben das doppelte Potential. Die bestehenden Sender zusammen verfügen über ein sehr grosses Programmangebot. Die Konkurrenz an einem bestimmten Abend im Free TV ist jedoch überschaubar. Es gibt an jedem Abend Programmnischen, welche bisher nicht bedient wurden. Diese werden wir mit 4+ füllen. Ausserdem gibt es Sendungen, von denen wir wissen, dass sie auf 3+ im ersten Schritt unterdurchschnittlich laufen würden. 4+ ist nun der richtige Ort, solchen Sendungen eine Chance zu geben. Dort müssen sie nicht sofort top-Zuschauerzahlen liefern.

 

Soll auch das Programm am Nachmittag ausgebaut werden?

Am Nachmittag gibt es in der Schweiz im Unterschied zu Deutschland kaum Zuschauer. Ein Ausbau ist deshalb im Moment nicht geplant.

 

Warum gestalten Sie die Eigenproduktionen häufig so ähnlich wie die Sendungen auf RTL?

Die Auswahl an erfolgreichen Formaten ist überschaubar. RTL ist der erfolgreichste Sender Deutschlands und von der Demographie der Zuschauer am ähnlichsten zu unseren. ProSieben ist zum Beispiel deutlich jünger positioniert. So ergibt es sich, dass es auf 3+ bei den Eigenproduktionen einige ähnliche Programme wie auf RTL gibt. Wir investieren viel Zeit, die international erfolgreichen Formate jeweils auf unsere eigene Schweizer Art umzusetzen.

 

Sendungen, die nach Quoten-Hits wie “Bauer, ledig, sucht…” ausgestrahlt werden, haben es einfacher, auf gute Quoten zu kommen. Somit werden diese häufiger fortgesetzt. Sendungen an anderen Tagen haben es oft nicht so leicht – Was unternehmen Sie dagegen?

Eine beliebte Sendung hilft den nachfolgenden natürlich. Wir zeigen nach “Bauer, ledig, sucht…” meist Schweizer Doku-Soaps. Die deutlich teureren Eigenproduktionen wie “Wer wird Millionär” müssen sich um 20:15 bewähren

 

Bis jetzt sind alle grossen Hits importiert. Haben Sie für die Zukunft auch komplette Eigenproduktionen geplant?

Nicht alle Programmideen kamen aus dem Ausland, “Jung, wild & sexy” wurde bei uns vor den Deutschen Sendern ausgestrahlt. Bauern im Fernsehen zu verkuppeln, ist eine Schweizer Idee. Doch auch wenn man eine Idee übernimmt, ist der Entwicklungsaufwand nicht unbedingt kleiner. Der Erfolg einer Sendung hängt sehr stark von den Details und dem Bezug zu den lokalen Zuschauern ab.