Vielseitig bis hin zur Ananas aus Plastik

Angeblich  gab es aus Spargründen keine Garderobe. Irritierte Mädchen liefen von A nach B mit grossen Handtaschen, Jungs in Daunenjacken standen verloren im Saal. Beim Start der Show versammelten sich alle vor der Bühne. Das Konzert begann fulminant mit einer Lichtshow und dem Auftritt der fünf Australier. Sänger Dougy Mandagi ganz in Weiss; die Falten im Hemd verrieten den Koffer, mit dem er aktuell durch Europa unterwegs ist. Heute Hamburg, morgen Kopenhagen, eine Woche später Dublin und London –  bevor es Mitte Oktober auf US-Tour geht und im November auf Heimbühnen in Australien gespielt wird.

 

Keine 0815 Band

Was da auf der Bühne stand, ist weit mehr als eine simpel gestrickte Boyband. Die fünf Australier sind Musiker mit Herzblut. Sie alle können mehrere Instrumente. Sänger Dougy singt, spielt Gitarre oder gibt auf der Trommel den Takt an. Und auch Joseph Greer, der als letztes 2008 zur Band stiess, spielt Keyboard, mal Gitarre, ist Background-Sänger oder trägt mit einer rasselnden Ananas aus Plastik zur Perkussion bei.

Auf der Setliste standen viele Songs aus dem Album “Conditions”. Zum Beispiel das herzerwärmende und mit viel Leidenschaft gesungene “Fader”, der tanzbare “Drum Song”, zu welchem Dougy Wasser auf die Trommel leerte und das Publikum zum Wasserspiel einen Schrei der Begeisterung losliess. Als Zugabe gab es auch ihren Hit “Sweet Dispositions”, den viele aus dem Film “(500) Days of Summer” kannten und mitsingen konnten.

 

The Temper Trap hautnah

Jedes Bandmitglied war in seinem Element, wippte, klatschte und tanzte. Und kurz nachdem sie Bühne verliessen, tauchten sie am rasch leergekauften Merchandising-Stand auf und liessen sich mit ihren Fans fotografieren. Wo vorher noch tanzender Bewegungsmangel herrschte, zuckten auf einmal schnell die Arme und die Smartphones blintzten um die Wette.

Der Preis der Freiheit

“Freie Journalistin – Das wäre mir viel zu anstrengend”, sagte kürzlich ein Berufskollege einer Schweizer Lokalzeitung zu mir. Diese Meinung scheint sehr stark verbreitet zu sein. Insbesondere unter jungen Leuten. An einer Tagung in Bern wurde ich letzthin vorgestellt als “ein Beispiel der aussterbenden Spezies freier Journalisten”. Was ist dran an diesen Vorurteilen, dass es kaum mehr freie Journalisten gibt in der Schweiz und dass die Übriggebliebenen um jeden Auftrag kämpfen müssen?

 

Kein einfaches Unterfangen, Zahlen zum freien Journalismus in der Schweiz zu finden. In der Bachelor-Diplomarbeit von Deborah Neufeld kann man nachlesen, dass die Vereinigungen von Medienschaffenden die Zahl freier Journalisten in der Schweiz auf 2’500 schätzen. Leo Coray vom Berufsverband für Journalisten “Impressum” ist der Meinung, dass die Zahl der freien Journalisten über die letzten Jahre konstant geblieben ist, während die Zahl der Festangestellten immer kleiner werde. Solange es aber keine wirkliche, von der Mitgliedschaft in einem Verband unabhängige Erhebung gibt, kann so gut wie nichts gesagt werden darüber, ob wir die Dinosaurier der Journalisten werden.

 

Und davon können sie leben?

“Was sind Sie denn von Beruf?”, fragt mich die Artzgehilfin, die gerade Dokument XY für meine Krankenkasse ausfüllt. Mit der Antwort “freie Journalistin” kann sie nicht wirklich viel anfangen. “Aha. Ja, aber wer ist dann ihr Arbeitgeber?” Als sie dann von meinem durchschnittlichen Einkommen hört, ist sie zuerst schockiert und erst bereit, mir das Dokument zu unterschreiben, nachdem ich noch Adresse und Telefonnummer von meinen Eltern angebe. Das ist es schliesslich, was die meisten davon abhält, freie Journalistin zu werden. Das ungesicherte Einkommen, das Risiko in einem Monat mit viel weniger auskommen zu müssen, als noch im letzten. Für eine Demonstration in Moskau bin ich extra nochmals in die Stadt gereist und habe mein Visum verlängert. Aus Vernunftgründen habe ich mir von einer Sonntagszeitung mehrmals versichern lassen, dass sie ganz bestimmt Interesse an einem Artikel haben. Zwei Tage bevor die Demonstration stattfindet sitze ich also in einem Moskauer Kaffee, als eine E-Mail mich erreicht, dass nun doch kein Platz mehr frei sei für den Artikel, weil der Auslandteil sehr klein und die Welt gerade an anderen Orten stärker brenne als in Moskau. Während ich zuerst noch versuche den Platz in der Zeitung zurück zu erkämpfen, wird mir am Telefon vermittelt, dass das keine Ausnahmesituation sei, sondern immer wieder vorkomme. Dabei ist es die Kombination von freiem und Auslandjournalismus, welches das Ganze zu einem roulette-ähnlichen Spiel macht. Die Zeitungen mit Fokus auf Auslandberichterstattung leisten sich in den meisten Fällen noch immer eine eigene Korrespondentenstelle vor Ort. Steht das Ausland nicht im absoluten Zentrum, bleiben weniger Zeilen für Berichte und nur, was für die grössten Schlagzeilen ausserhalb der Landesgrenze sorgt, findet noch den Weg in die Zeitung. Aus Redaktionssicht sehr verständlich. Für freie Journalisten aber eine grosse Herausforderung.

 

Die Konkurrenz im Gymnasium

Mein konkretes Beispiel lässt sich aber bestimmt nicht auf die Allgemeinheit der Freischaffenden übertragen. In der oben genannten Bachelorarbeit kann auch nachgelesen werden, dass die meisten “Freien” im lokalen tätig sind. Geht es aber um das Einkommen, ist auch dort die Situation mehr als prekär. “Meine Konkurrenz sind Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die ihren Text der Zeitung auch gratis anbieten würden”, schilderte mir letzthin eine Mit-Vierzigerin ihren Arbeitsalltag als freie Journalistin bei einer Ostschweizer Lokalzeitung. Weil sie auf das Einkommen angewiesen ist, bleibt ihr nicht viel zu sagen, wenn der Chefredaktor immer weniger bereit ist, ihre Arbeit noch “wie früher” zu entlöhnen. Der Lohn der freien Journalisten ist seit Beginn der 90er-Jahre auf dem gleichen Niveau und auch wenn Deborah Neufeld in ihrer Arbeit Schlüsse nur unter Vorbehalte ziehen konnte, so deutet sie ihre Ergebnisse dennoch so, “dass ein Grossteil Freier Journalisten entweder sehr kleine Arbeitspensen hat oder für geleistete journalistische Arbeit sehr wenig verdient.” Der Vergleich zu früher fehlt mir mit meinem halben Jahrzehnt im Journalismus. Von einer Sparmassnahme als freie Journalistin war ich aber selbst schon betroffen. Als die NZZ die Zürcher Landzeitungen bei der Tamedia eingetauscht haben, wurden bei den freien als erstes gespart. Verständlich aus Sicht der Chefredaktion, wenn man möglichst lange keinen Festangestellten entlassen möchte.

 

Wieso die ganze Mühe?

Bleibt also schlussendlich die eine grosse Frage, wieso man sich das “frei sein” den überhaupt antut. Das grosse kaum bezahlbare Plus ist die Flexibilität. Bei einer Festanstellung ist klar vorgeschrieben, wann an welcher Geschichte gearbeitet werden muss. Insbesondere für junge Journalisten, die neben dem Studium arbeiten, ist es mit der Präsenzpflicht an den Universitäten immer schwieriger, als Festangestellte zu arbeiten. Wählen wir uns also die “Freiheit” gar nicht aus, sondern erfordern es die Umstände? Zwei von drei freien Journalisten entscheiden sich freiwillig für das “Frei-Sein”, so die Ergebnisse der Umfrage Debora Neufelds. Aber so lange ich es mir noch irgendwie leisten kann, lohnt sich das Experiment freie Journalistin ohne Zweifel. Denn je älter man wird, umso schwieriger dürfte es werden. Oder wie sollte ich mit 50 Jahren die Arztgehilfin mit der Adresse meiner Eltern beruhigen können?

 

 

Zur Serie


Im Vorfeld der ersten Schweizer Jugendmedientage, die vom 19. bis am 21. Oktober in Zürich stattfinden berichtet Tink.ch über die Medienwelt. Auch dies, wie gewohnt, aus jugendlichem Blickwinkel. Die Texte erscheinen zudem auf www.jugendmedientage.ch/blog. Reinschauen lohnt sich.

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(Fast) Alles am richtigen Platz

Eigentlich hätte das – man muss es so bezeichnen – Konzertereignis des Jahres ja im Juli stattfinden sollen. Doch einige Wochen vor dem Auftritt in der Schweiz brach vor einem Konzert in Kanada die Bühnenkonstruktion und bei den Schweizer Fans eine kleine Welt zusammen. Der Einsturz war gleichbedeutend mit einer Verschiebung des Konzerttermins um etwa zwei Monate. Eigentlich eine lächerliche Zeitspanne, spielten Radiohead doch zuletzt vor gut sechs Jahren in der Schweiz. Das lange Warten hat sich indes gelohnt, und nach weiteren zwei Stunden, ganz am Ende ihres Auftrittes, erklang ein Song, mit dessen Titel man getrost das ganze Konzert umschreiben könnte: “Everything In Its Right Place”. Musikalisch war dementsprechend alles am richtigen Ort. Und wer hätte nebenbei bemerkt gedacht, dass dieser auf der Platte so filigrane, so zerbrechliche Song jemals einen derart kraftvollen Schlussakkord zu setzen fähig ist?

 

Konzentriert und locker

Wie ein dicht gewobener, bunter Teppich legt sich der Sound der Band über das Publikum. Jeder Faden, jede Farbe und jeder Knoten dient dem Ganzen und zeugt doch von grosser Liebe zum Detail. Zwei Schlagzeuger sorgen für verästelte, jazzige Rhythmen, unter die Colin Greenwood seine warmen Bassläufe legt. Jonny Greenwoods feinen, wendigen Gitarrenmelodien schlängeln sich durch das eng gestrickte rhythmische Netz, während über allem Thom Yorkes unvergleichliche Stimme schwebt. Die noch offenen Löcher werden behutsam mit elektronischen und rhythmischen Spielereien sowie allerlei Finessen gefüllt. Filigran, detailverliebt und fein austariert sind die Klänge, mit denen Radiohead ihren Teppich weben. Elektronisches (“Idiotique”) steht hier wie selbstverständlich neben Gitarrenorientiertem (“Paranoid Android”), und Klavierballaden (“Pyramid Song”) neben ungestüm vorwärtspreschenden Songs wie “Myxomatosis”. Beeindruckend, wie die Band es schafft, trotz so verschiedener Klangfarben, dem Konzert eine Einheit zu verleihen, die erst in den beiden Zugabeblöcken etwas gelockert wird. Was Radiohead in ihrer Musikkarriere, die sie in so unterschiedliche musikalische Regionen geführt hat, erreicht haben, wird an diesem Abend klar: Es gelingt ihnen, ihre Vielfalt souverän unter einen Hut, den Hut des Bandgefüges, zu bringen.

 

Mangelhafte Organisation

Auf weniger Begeisterung stiess dagegen die Organisation des Grossanlasses. Stau bei der Anreise, unbeschilderte und lange Wege, unmarkierte Parkplätze und dazu noch ein denkbar umständliches Gastrokonzept, mit dem sich langes Schlangenstehen doch nicht vermeiden liess, gaben Anlass zu  zahlreichen bösen Kommentare, mit denen viele Besucher und Journalisten nicht gerade sparsam umgingen. An dieser Stelle soll ein Kommentar eines französisch sprecheneden Kollegen zur Organisation ausreichen: “C’est nul!” Aber während dem Konzert gingen die Unannehmlichkeiten sowieso vergessen. Neben der eindrucksvollen Lichtshow verblassten auch die letzten Ärgernisse. Abwechselnd ist die Bühne in rotes, grünes oder blaues Licht getaucht. Mal flackerten die Lichter wie wahnsinnig, mal ruhten sie, aber immer war die Lichtregie minutiös auf die Songs zugeschneidert. An den Stromverbrauch und überhaupt an den Aufwand, aus dem Nichts für einen Abend eine riesige Bühne mitsamt der ganzen Infrastruktur aus dem Boden zu stampfen und eine so grosse Masse ins Niemandsland zu bringen, denkt man erst nach dem Konzerterlebnis – nicht zuletzt, weil Radiohead ökologische Überlegungen nicht fremd sind und sich die Band entsprechend engagiert. So waren auch in St. Triphon zahlreiche Mitglieder von Greenpeace auf dem Gelände unterwegs, um die Besucher auf den Schutz der Arktis und die Klimaproblematik aufmerksam zu machen.

 

Blick nach vorne

Obwohl sich die Band längst auf ihren Lorbeeren ausruhen könnte und mit dem immergleichen Strauss an Hits durch ausverkaufte Hallen touren könnte, bleibt die sie nicht stehen, sondern schaut stets nach vorne und entwickelt sich weiter. Mehr als die Hälfte der Songs sind von den neuesten zwei Werken “In Rainbows” (2007) und “The King of Limbs” (2011). Dazwischen streuen sie ausgewählte Songs ein, die ein wenig wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit anmuten. “What was that?” singt Yorke im Klassiker “Paranoid Android” anstatt “What’s that?” wie auf dem Album “Ok Computer”. Das Präteritum statt des Präsens unterstreicht, dass die Zeiten andere sind. Und das ist gut so. Radiohead bleiben spannend und untermauern einmal mehr ihren Status als absolute Grösse in der Musikszene.

Von toten Rindern und neuen Zahlen

Die Dauerausstellung “Entstehung Schweiz” des Forum Schweizer Geschichte führt vor, wie man heute gute Ausstellungen macht. Hier finden sich keine aus dem Zusammenhang gerissenen Münzen, in Glaskästen gestapelt, keine verbleichten Bleiwüsten, die zu lesen fünf Minuten erfordert. Die Ausstellung beginnt in der dritten Etage. Wer aus dem Lift steigt, wird von einem Ritter zu Pferd empfangen, der vor dem pechschwarzen Interieur auf einen loszustürmen scheint. Die Ausstellungsstücke stehen einzeln da, so, dass man sich in ihre Betrachtung vertiefen kann. Durch die getönten Scheiben dringt kaum Licht herein. Die Aussenwelt bleibt draussen.

 

Wissen als Mangelware

Das oberste Stockwerk widmet sich dem Europa des Spätmittelalters, wobei die Ausstellung wie ein Trichter aufgebaut ist. Zuerst verschafft sie dem Besucher einen Gesamtüberblick. Danach geht es um den Alpenraum und, in einem künstlichen Wald im Erdgeschoss, um die Gründung der Eidgenossenschaft. Das 12. und 13. Jahrhundert, erfährt man, war eine angenehme Zeit. Gute Ernten und eine Zunahme des Handels liessen die Welt enger zusammenrücken. Eine Globalisierung en miniature. Viele Städte machten sich unabhängig und gründeten Kommunen. Diese nahmen sich wiederum die Eidgenossen zum Vorbild.

 

Ausserdem wurde in diesen Jahren das Wissen der Antike wieder entdeckt: In einem Saal, in dem Thomas von Aquin den Besucher aufmerksam mustert, steht eine Reihe von Pulten, wie man sie in den mittelalterlichen Universitäten fand. Kopfhörer liefern eine imaginäre Vorlesung Aquins ins Ohr. Die Universitäten gründeten sich damals aufgrund ökonomischer Veränderungen. Im 13. Jahrhundert reichte die Bildung, die man in der Klosterschule erhielt, nicht mehr aus. Die Nachfrage nach Spezialkräften, nach Notaren und anderen Juristen, stieg. Deshalb wurde private Bildungsinstitutionen gegründet. Die Universitäten bedeuteten leider auch das Ende der Frauenbildung, denn Frauen waren dort nicht zugelassen, während sie in den Klöstern zumindest begrenzte Bildungsmöglichkeiten gehabt hatten.

 

In der Mitte eines anderen Raumes steht ein mittelalterliches Buch von der Grösse eines menschlichen Oberkörpers. Links locken einige weisse Throne, in welchen einem auf Knopfdruck arabische, altgriechische und lateinische Texte vorgelesen werden, von der Abhandlung über Masern bis zu Plato. Die Kinder haben ihren Spass daran. Auf dem gleichen Stockwerk ist ausserdem ein Film über die Einführung der arabischen Ziffern zu sehen. Diese waren der Bevölkerung zuerst suspekt. Vor allem die Null, der vorgeworfen wurde, sie lasse sich leicht zur 6 oder zur 9 umschreiben.

 

Fünf Gulden, 1880 Kilogramm Ochsenfleisch

Die Alpen als Handelsdrehscheibe sind das Thema des nächsten Stockwerks. Entsprechend sitzt am hinteren Ende des Saals ein Mann auf einem Holzbrett, das über dem Abgrund schwebt. Bei den Alpenüberquerungen liessen sich viele Leute mit verbunden Augen über die Pässe führen. Die Schluchten bereiteten ihnen zu viel Angst.  Eine andere Möglichkeit als den Weg über die Alpen gab es lange nicht. Erst im Spätmittelalter war die Seefahrt sicher genug, um Nord und Süd zu verbinden. Die einheimischen Bergler sahen im Handel eine lukrative Verdienstmöglichkeit. Oft arbeiteten Bauern und Hirten als Säumer.

 

Später begann man, Käse in den Rest von Europa zu transportieren und stieg immer mehr auf Viehwirtschaft um. Davor gab es in den Schweizer Bergen nicht so viele Kühe, wie es der Tourismus heute gerne vermittelt. Kühe und Käse sorgten jedoch dafür, dass mehr Salz importiert werden musste. So führte der Handel zu noch mehr Handel. Im Saal findet sich ein mittelalterlichen Markt. Wer die dort liegen Geldbeutel auf den Bildschirm legt, erfährt, wie viel er dafür im Jahre 1316 in Luzern hätte kaufen können. Die fünf Gulden aus Florenz zum Beispiel hätten mir 1880 kg Ochsenfleisch verschafft. Gleich dahinter kann man auf einem virtuellen Abakus lernen, wie ein mittelalterlicher Kaufmann zu rechnen.

 

Tote Rinder und brennende Felder

Im Erdgeschoss erwarten einen Vogelgezwitscher und ein Wald. In dessen Mitte versammeln sich bärtige Kerle im Kreis um ein Schwert. Ein frühes Landsgericht. Der Grund für deren Entstehung liegt in einer kleinen Blutlache am Waldeingang: Ein totes Rind. Im 14. Jahrhundert hatte die Schweiz keinen Landesfürsten und kaum eine juristische Instanz. Wem Unrecht angetan wurde, der rief seine Verwandten zusammen, um die Ernte des Übeltäters abzubrennen oder seine Kühe zu töten.

 

Auch sonst geht es gewalttätig zu. Die Grabplatte eines bei Morgarten schmählich getöteten Ritters umgeben die Hellebarden der Eidgenossen – vielleicht sogar diejenige, die ihn das Leben kostete. Natürlich wurden auch die Schweizer Mythen des 19. Jahrhunderts nicht ausgelassen. Auf einem martialischen Gemälde versammelt Winkelried Speere in seinem Bauch. Selbst das “Weisse Buch von Sarnen” findet sich, in dem die Tell-Geschichte zum ersten Mal erwähnt wurde.

 

Verfechter althergebrachter Ausstellungsweisen mögen sich an “Entstehung Schweiz” stören. Aber die meisten, die den schönen Bau verlassen, werden nicht auf die Mythen blicken können, ohne sich eine mittelalterliche Säumerkarawane vorstellen zu können, die sich gerade daran vorbeikämpft. “Entstehung Schweiz” spricht nicht nur den Kopf an, sondern auch die Fantasie.

Bis der Himmel leuchtet

Es ist kalt und die Nacht ist klar. Ich sitze eingehüllt in Wolldecken und mit einer Tasse Tee auf dem Balkon und lege den Kopf in den Nacken. Die Mission: Eine Sternschnuppe entdecken. Ich habe nämlich noch nie eine gesehen. Kein Zustand, in dem die Welt untergehen darf. Also sitze ich da und starre in den Nachthimmel. Was ich sehe sind jedoch keine kleinen weiss-leuchtenden Punkte. Ich sehe nur eine grosse gelb-orangene Fläche. Die Beleuchtung der Stadt Basel. Kein Sternenhimmel, keine Sternschnuppen. Das war wohl nichts, ich muss raus aus der Stadt.

 

Graue Streifen

Ein paar Tage später, es ist wieder Nacht. Ich bin jetzt auf dem Land, weit und breit sind keine Stadtlichter zu sehen. Also lege ich mich in eine Wiese, eingehüllt in Schlafsack und Decken, und schaue zum Himmel empor. Doch wieder sehe ich keine kleinen weiss-leuchtenden Punkte. Ich sehe nur graue Schleier. Wolken. Um eine Sternschnuppe sehen zu können, muss ich also eine klare Nacht ausserhalb der Städte erwischen. Ich gehe nach Hause und schaue den Wetterbericht an: übermorgen.

 

Ist da jemand?

Aller guten Dinge sind drei. Endlich ist der Himmel klar und ich bin nur umgeben von Kühen, Wald und Wiese. Tausende Sterne, weiss-leuchtende Punkte, umgeben mich. Ich lege mich gemütlich hin und lasse meinen Blick über das unendliche Sternenzelt schweifen. Wie schön. Ob es irgendwo da draussen wohl Leben gibt? Leben, das nach dem Weltuntergang am 21. Dezember weiterleben wird? Meine Gedanken treiben ab, die Augenlider werden immer schwerer und das Unglaubliche passiert: Ich schlafe ein.

 

Wünsch dir was

Minuten oder Stunden später schrecke ich auf, durchnässt und durchgefroren. Innerlich verabschiede ich mich von dem Gedanken, vor dem Weltuntergang noch eine Sternschnuppe zu sehen und packe meine Sachen zusammen. Etwas traurig gestimmt werfe ich einen letzten Blick zum Himmel. Doch – was ist das? War das nicht ein schnelles Licht, das über das schwarze Nichts wischte? Schnell presse ich meine Augen zusammen und wünsche mir das. Das darf man, hat man mir gesagt. Der Stern ist dann sozusagen für den Wunsch gestorben. Glücklich gehe ich nach Hause – ein weiterer Punkt auf meiner Löffelliste kann abgehakt werden.

 

 

Zur Serie


Dieser Artikel ist der neunte aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legt Tink.ch-Autorin Veronika Henschel hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 21. Dezember (vielleicht) untergeht.

 

Voller Freude und mit Vater

Schon beim ersten Lied klatschen die Besucher im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) im Takt mit. Zum Singen kann der junge und vor Freude sprudelnde Musiker Zuhörer noch nicht bewegen, aber das tut seiner Motivation keinen Abbruch. “Ich bi sehr dankbar, dass ich hüt dörf do sii”, begrüsst Alain Clark in niederländischem Schweizerdeutsch. Man kann förmlich sehen, wie ihm zahlreiche Sympathiepunkte zufliegen.

 

Steife Besucher

Es folgt ein abwechslungsreicher Abend mit viel Gelächter, viel Gefühl und gern gehörten Tönen. Das 21st Century Symphony Orchestra unterstreicht die Balladen mit sanften Streichern und peppt die Soulstücke mit Saxophon, Percussion und vielen anderen Instrumenten auf. Die Freude aller Musiker ist deutlich sichtbar, auch Clarks beide Backgroundsänger und der Dirigent Ludwig Wicki sind begeistert bei der Sache. Das Publikum hat zwar sichtlich Spass, bleibt den ganzen Abend über trotzdem eher passiv. Das dürfte unter anderem am hohen Altersdurchschnitt und dem edlen Konzertort gelegen haben. Sitzende Hörer sind eben schwieriger vom Hocker zu reissen als stehende.

 

Zwei Überraschungsgäste

Die zweite Hälfte des Konzerts beginnt eindrucksvoll mit einem Orgelstück. Die Luft scheint jedoch draussen zu sein, die Sänger wirken müde. Doch dann kommt Überraschung Nummer eins: Die Schweizer Sängerin Caroline Chevin ist zu Gast und gibt mit Alain Clark ihr Duett “What you see is what you get” zum Besten. Das Publikum ist begeistert. Noch grösserer Applaus folgt, als beim Lied “Father and Friend”, einer Hommage des Sohnes an seinen Vater, Alains Papa als Überraschung Nummer zwei die Bühne betritt. Auch sie singen ein wunderschönes und emotionales Duett. Ganz zum Schluss schafft es der Musiker mit seinem optimistischen Texten doch noch das scheinbar Unmögliche: Das ganze KKL singt. Und verschafft Alain Clark damit ein “unvergessliches Erlebnis”, das er mit zahlreichen Dankesworten schliesst.

Paralympics 2012 – an den Schweizer Medien vorbeigegangen

Während in Deutschland manche Wettkämpfe in voller Länge live im Fernsehen zu sehen waren, musste man sich in der Schweiz auf kurze Zusammenschnitte im Sport Aktuell, welche zumeist knapp die Schweizer Erfolge abdeckten, begnügen. Die Highlights-Sendung am Nachmittag des Schlusstages war nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Dies zog sich durch die ganze mediale Bandbreite. Wenn man sich die Olympia-Seite des staatlichen deutschen Senders ARD Anfang Septmeber angesehen hat, hat man kaum Informationen über die Olympischen Spiele mehr gefunden. Die Mittelspalte, die Seitenleiste, einfach alles war voll mit News über die Paralympics. Es ist auch naheliegend, denn während die Olympischen Spiele schon seit einiger Zeit vorbei waren, waren die zur Schau gestellten News zumindest noch lauwarm.

 

Im Gegensatz dazu die offizielle Olympia-Seite vom SRF. Dort hatte man den Eindruck, dass sich in London seit der Schlussfeier der Olympischen Spiele nichts mehr getan hat. Keine News zu den Paralymischen Spielen – nicht einmal Erfolge der Schweizer Delegation. In der Sportauswahl auf der linken Seite fand man auch kein Wort darüber. Unter der Rubrik ‘Mehr Sport’ wurde man schlussendlich doch fündig. Dabei hätte es aber so viele wunderbare Momente, Emotionen und unglaubliche Leistungen gegeben, die eine Übertragung oder eine intensive Berichterstattung mehr als nur gerechtfertigt hätten.

 

Faszinierende Spiele – Wenn man sie denn sehen könnte

Wieso wurde dann nicht ausführlicher berichtet? Hat der Schweizer und die Schweizerin einfach keine Lust auf Paralympische Spiele?  Bei einer adäquaten Berichterstattung würde sich auch das Interesse der Zuschauer vermutlich steigern. Damit wäre gleichzeitig den Sportlern geholfen. Dadurch, dass die Paralympischen Spiele nicht mehr während den Sommerferien stattfinden, sind tiefere Zuschauerzahlen zu erwarten. Deshalb sollte aber die Berichterstattung darüber nicht vollkommen gestrichen werden.

 

Fussball bei den Paralympics

Da gäbe es beispielsweise das Paralymische Fussballturnier. Gespielt wird fünf gegen fünf mit jeweils einem Torwart. Sämtliche Feldspieler tragen eine Art Maske auf den Augen, damit auch nicht komplett blinde Mitspieler keine Vorteile haben. Der Torwart kann uneingeschränkt sehen und teilt den Spielern aus seinem Team mit, wo sie sich gerade befinden. Der Ball ist mit einer integrierten Rassel modifiziert, damit er Geräusche von sich gibt. Der Boden ist hart, dadurch können auch Bewegungen durch die Geräusche wahrgenommen werden. Kommt es zu einem Elfmeter, klopft ein Helfer mit einem Stab gegen beide Torpfosten, damit der Schütze weiss, wo sich das Tor befindet. Nicht zu vergessen sind die Zuschauer – diese müssen ganz leise sein, damit die Spieler nicht abgelenkt werden. Auf Youtube kann man sich ein solches Match ansehen.

 

Wie populärer machen?

Die Frage ist, wie man solche Sportarten populärer machen könnte. Sie sind interessant, teilweise sogar extrem spannend und die Protagonisten haben zumeist eine sehr berührende Lebensgeschichte. Emotionen gibt es ebenfalls genug. Das Problem ist wohl, dass die Sportarten und Sportler unbekannt sind. Für jeden Sport wird Geld benötigt und dieses kommt erst dann, wenn sich eine breitere Öffentlichkeit für diese Sportarten interessiert. Hier können die Medien viel leisten – nur tun sie dies hierzulande leider zu wenig. Beispielsweise könnte man bei einer Champions League Übertragung im Vorfeld einen Blindenfussballer ins Studio einladen, der die Sportart erklärt, einige Tricks vorführt und anschliessend die Zusammenfassung des Paralympischen Fussballfinales gezeigt. Somit wäre allen Beteiligten geholfen!

Neue Krimiserie: “Der Bestatter”

Vor dem Kommissariat in Aarau, der örtlichen Polizei, werden Szenen gedreht, die für zwei unterschiedliche Folgen der neuen Serie „der Bestatter“ gebraucht werden, mit der SRF die Eigenproduktion wiederbeleben möchte. Dies soll mit dem ernsthaften Krimi mit schwarzem Humor der Autoren Hartmut Block und Dave Tucker nun geschehen. Mike Müller “Luc” spielt darin die Hauptrolle als unkonventioneller Bestatter. Seine Ex-Freundin “Anna Maria”, gespielt von Barbara Terpooten, ist eine engagierte Polizistin.

 

Jede Szene wird mit derselben Kamera gedreht

Mit hoher Professionalität geht das Filmteam vor. Jede Szene wird mehrmals mit derselben Kamera gedreht. Das Drehen in dieser Art erfordert, dass die Kamera immer wieder auf eine andere Position gestellt wird und die Szene somit aus einer anderen Perspektive zeigt. Anders als bei Live-Produktionen wird der Schnitt nicht direkt vor Ort gemacht – die verschiedenen Aufnahmen werden erst in der Postproduktion zusammen geführt. Mit zwei Kameras zu drehen, wäre aufwändiger und sie könnten sich gegenseitig im Wege stehen. Wer sich grosse Sets und abgesperrte Strassen vorstellt, liegt bei dieser Produktion falsch. Im Gegenteil, die Tatsache, dass nur mit einer Kamera gedreht wird, macht das Filmteam wendiger und flexibler. Ab und zu bleiben Passanten stehen, die ohne Hektik vom Produktionsteam weggeschickt werden.

 

Alle Szenen, die gedreht wurden, werden in der endgültigen Fassung nur wenige Minuten Film darstellen. Wie Zum Beispiel die Verfolgungsjagd einer verdächtigen Russin, die im Hinterhof des Kommissariats endet. Diese Szene erfordert auch Einsatz vom Kameramann, denn er muss mit der Kamera mitrennen. Die Schauspielerin Olga Dinnikova “Dalia” verletzte sich den Fuss bei ihrem vollen Einsatz.

 

“Heimspiel” für den Regisseur

Der Regisseur Markus Fischer freut sich, im Aargau drehen zu können, für ihn als Aargauer sei es speziell. Die Stadt Aarau wurde nicht wegen besonderen Merkmalen ausgewählt, sondern eher aus dem gegenteiligen Grund, es sei einfacher dort zu drehen, da man weniger auf die Wahrzeichen achten muss als in anderen Städten. Markus Fischer ist auch froh, nach der erfolgreichen Hunkeler Reihe, nun mit der neuen Serie am Dienstagabend auf SF 1 eigenproduzierte Krimis zu etablieren.

 

Tink.ch sprach mit den Hauptdarstellern Mike Müller und Barbara Terpoorten. Mike Müller ist die Thematik der Serie nicht fremd, da er als Totengräber gearbeitet hat.  “Das ist aber auf keinen Fall miteinader vergleichbar”, so Müller.. Die intensive Aufnahmezeit sei für ihn kein Problem, da er schon immer an verschiedenen Filmen beteiligt gewesen sei..

 

Barbara Terpooten bereitete sich auf die Rolle der Polizistin mit intensivem Studium anderer Krimis vor. Sie betonte, dass der Alltag einer Polizistin nicht zu vergleichen sei mit der Rolle im Film. “Wir haben viel weniger Büro Kram zu erledigen”, meinte sie lachend.

 

Die Rahmenbedingungen für eine gute Produktion stimmten zwar –  angesichts des kurzen Einblicks ist es aber nicht möglich, Rückschlüsse auf die Handlung und die Qualität der Serie zu machen. Somit bleiben viele Fragen offen, bis die erste Folge am 8. Januar 2013 ausgestrahlt wird.

Essensumstellung an der Uni Basel?

Es ist acht Uhr abends und vor der Tür des Fakultätenzimmers, in dem gerade die Sitzung des Studierendenrats der Universität Basel stattfindet sitzt ein Grüppchen aufgeregter junger Menschen und wartet darauf, endlich reingerufen zu werden. Heute werden zwei von ihnen, Jens Hermes und Frank Imhof, den Antrag “Vegetarisch-Vegane Mensa” einreichen.

 

Der Antrag sieht im Kern drei Punkte vor: Erstens soll das Salatbuffet an der Mensa der Universität Basel verbilligt werden. Zweitens soll die Mensa ein veganes Menu einführen. Diese beiden Punkte sind unter den Studierenden derzeit wenig umstritten. Für Diskussionsstoff und heftige Reaktionen sorgt indes der dritte Punkt: Die Mensa soll kein Fleisch mehr verkaufen dürfen.

 

Nach einer kurzen Umfrage unter den Wartenden ergibt sich, dass die Initianten durchaus positiv eingestellt sind. Sie blicken nicht nach Zürich, sondern nach Deutschland, wo die freie Universität Berlin die erste vegetarische Mensa betreibt.

 

Geprägt von Fakten

Dann ist es soweit: Die Veganer werden aufgefordert, das Zimmer zu betreten und auf den Gästeplätzen Platz zu nehmen. Abgesehen von den Antragstellern Jens und Frank, sie werden gleich im Zentrum stehen. Ein bisschen nervös beginnen sie mit ihrer Präsentation, werden aber zunehmend sicherer. Zum Schluss befinden sie sich ganz in ihrem Element. Vom Anfang bis zum Schluss knallen sie den  zwölf anwesenden Mitgliedern des Rats knallharte Fakten ins Gesicht. Etwa, dass 70 Prozent des abgeholzten Amazonaswaldes als Viehweiden genutzt werden. Oder dass man mit der Energie für die Produktion eines Big Macs mit 100 Gramm Fleisch, 40-mal duschen könnte.

 

Um letzte Bedenken zu zerstreuen, zeigen die beiden eine kurze Dokumentation von einem angeblichen Vorzeige-Bio-Schlachthaus, in dem die grausame Schlachtung und das Leiden von Rindern und Schweinen zu sehen ist.

 

Jens erklärt, dass sogar die UNO 2010 forderte, das Essverhalten bezüglich Fleisch zu überdenken. Am Ende erwähnt er die Vorbildfunktion, die gerade bei universitären Einrichtungen sehr wichtig sei.

 

Endlosschlaufe

Nach der Vorstellung des Antrags beginnt die Diskussion. Zunächst erstaunt, dass der Antrag bei allen zwölf Mitgliedern auf Zustimmung stösst. Im Verlauf der Diskussion wird ersichtlich, dass einige Ratsmitglieder die Idee eines veganen Menus zwar unterstützen, jedoch nicht für eine fleischlose Mensa einstehen wollen. Denn schliesslich sollen alle selber entscheiden können, was sie essen wollen. Die Gegner kontern damit, dass das nicht mehr unbedingt Privatsache sei, da der Fleischkonsum grosse ökologische Schäden mit sich bringe. Zudem sei der Verzicht in der Mensa nur ein Verzicht innerhalb der Mittagszeit.

 

Und so dreht die Diskussion ihre Runden. Immer wieder werden dieselben Vorwürfe und Argumente genannt. Irgendwann wird ein Gegenantrag gestellt, der ein veganes Menü verlangt, nicht jedoch ein Fleischverbot. Der Kompromissversuch stösst jedoch auf taube Ohren bei den Befürwortern des originalen Antrags. Er decke ihre Forderung nicht im Geringsten.

 

“Die Tiere sind die Leidtragenden”

Plötzlich reisst Marc Stöckli, ein Vorstand der Studierendenschaft die Diskussion in eine neue Richtung. Das momentane Gespräch werde aus der falschen Perspektive geführt, sagt er. So seien es nicht die Menschen, die das Leiden ertragen müssen, sondern die Tiere. Mit diesem Argument kann er eine Mehrheit des Rates für den Antrag gewinnen. Am Schluss wird dem Antrag mit sechs zu zwei Stimmen bei vier Enthaltungen zugestimmt.

 

Noch kein definitiver Entscheid

Trotz des Triumphes haben die Initianten noch nicht gewonnen. Denn mit dem Entscheid des Studierendenrates hat sich die Skuba als Vertreterin der Studierenden lediglich dafür ausgesprochen, sich für eine fleischlose Mensa einzusetzen. Der Studierendenrat besetzt jedoch nur zwei von sieben Sitzen in der Verpflegungskommission. Ist dieses Gremium überzeugt, muss auch das Rektorat noch überzeugt werden. Ein langer Weg für die Antragssteller und die studentische Körperschaft der Universität Basel.

 

Einige Zuhörer meinten vergangene Woche sogar, dass der Antrag schlussendlich in einem verbilligten Salatbuffet enden könnte, weil noch so viele Verhandlungen anstehen und mit jeder Verhandlungsrunde die Forderungen gesenkt würden. Und auch von Seiten der Fleischesser droht bereits Ungemach. Nur eine Woche nach dem Entscheid des Studierendenrats prüfte die Skuba ein eingegangenes Referundum. Mit 104 gültigen Unterschriften gegen den Entscheid, wird das Traktandum vegan-vegetarische Mensa auch in der nächsten Ratssitzung wieder ein Thema sein. Das Fleisch ist damit noch nicht vom Tisch. Sicher ist dagegen, dass es den Antragsstellenden gelungen ist, eine Diskussion zu lancieren.

Wie uns Suchmaschinen beinflussen

Pro Monat werden weltweit über 27 Milliarden Gigabyte an Daten über das Internet ausgetauscht. Anfang 2011 betrug die geschätzt existierende digitale Datenmenge gemäss Forschungen der International Data Corporation IDC rund 1.8 Billionen Gigabyte. Eine solch immense Flut an teilweise auch online zugänglichen Informationen ist aber komplett unbrauchbar ohne ein geeingnetes Mittel, um sich darin zurecht zufinden, ohne Webkataloge und Suchmaschinen. Doch wie funktioniert eine Suchmaschine? Wie zuverlässig und objektiv gibt mir Google zurück, womit ich es füttere?

 

Wie Google weiss, was wir wollen

Eine konventionelle Suchmaschine ist im Grunde nichts anderes als eine umfassende Datenbank. Darin sind URL, Inhalt und Metadaten möglichst aller Webseiten gespeichert, die zu einem Zeitpunkt online sind. Diese Informationen werden automatisiert mittels sogenannter Crawler gesammelt. Dies sind Programme, die ausgehend von einer Seite sämtlichen Links folgen und alle so registrierten Seiten analysieren und in die Datenbank eintragen. Wird nun eine Suchanfrage an einen Server der Suchmaschine gesendet, werden die Suchbegriffe mit dem Inhalt der Datenbank verglichen. Je nach Suchmaschine und Einstellungen werden die Treffer nach unterschiedlichen Kriterien und Algorithmen sortiert und zurückgegeben. Nicht spezialisierte Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo sortieren grundsätzlich nach Relevanz der Treffer. Die genauen Sortierverfahren werden meist jedoch nicht bekanntgegeben.

 

Grundlage einer jeden Relevanzbeurteilung sind statistische Werte. Wie oft kommen die Suchbegriffe im Inhalt einer Seite vor und wie hoch sind sie zu gewichten? Desweiteren spielt bei modernen Algorithmen die Linkstruktur zwischen verschiedenen Seiten eine zentrale Rolle. Je häufiger auf eine Seite verwiesen wird und je relevanter die verlinkende Seite ist, desto besser wird die Seite beurteilt. Verweise werden also als Qualitätsmerkmal betrachtet. Als drittes wichtiges Sortierkriterium ist die immer stärkere Personalisierung von Webtechnologien zu nennen. Immer mehr wird die Suche dem oder der Suchenden angepasst. Google schreibt über seine Dienste für Privatnutzer: “Die Suche soll möglichst intelligent und schnell funktionieren und unterscheiden können, ob Sie bei der Eingabe von [Jaguar] nach dem Auto oder nach dem Tier suchen. Wir möchten, dass Sie erkennen können, welche Anzeigen oder Suchergebnisse Ihre Freunde gut finden, wenn diese auch für Sie von Nutzen sein können. Unsere Produkte sollen intuitiv funktionieren […].”

 

Wie relativ Relevanz ist

Dass Webseiten mit günstigen statistischen Werten als relevant bewertet werden macht für eine Websuche durchaus Sinn. Bereits die Gewichtung anhand der Linkstrukturen ist allerdings umstritten, da schnell eine Tendenz zu den grossen, den etablierten Seiten entsteht. Zudem erhält der Link neben seiner Funktion als Verweis noch jene der Relevanzsteigerung einer Seite. Mit diesem Wissen wird ein Verweis als Qualitätsmerkmal noch unzuverlässiger.

 

Diese Unzuverlässigkeit kann auch ausgenutzt werden, indem gezielt Links zu einer bestimmten Seite gestreut werden. Wenn auch diese Methode für allgemein Begriffe eine ziemlich breite Streuung benötigt, zeigt sie bei spezifischen Wortkombinationen doch schnell Wirkung. Gutes Beispiel hierfür sind die sogenannten Google-Bomben. Dabei wird der Umstand ausgenutzt, dass Suchmaschinen-Algorithmen die Suchbegriffe nicht nur mit dem Inhalt einer Seite vergleichen, sondern auch mit den Bezeichnern von auf diese Seite verweisenden Links. So können gezielt Links mit festgelegtem Bezeichner verbreitet werden. Bei der Suche nach diesem Bezeichner wird die verlinkte Seite als besonders relevant eingestuft, wodurch sie an hoher oder gar erster Stelle in den Ergebnissen erscheint.

 

Obwohl grosse Suchmaschinen wie Google viele solcher Bomben bereits entfernt und seine Algorithmen an diese Möglichkeit der Manipulation angepasst haben, existiert nach wie vor das gute Beispiel des “creator of the universe”. Ohne auf den nachfolgenden Ergebnisseiten je wieder erwähnt zu werden, steht bei der Suche nach diesem Term an erster Stelle die Webpräsenz der Church of the Flying Spaghetti Monster, einer der grössten Religionssatiren überhaupt. Dies freilich ohne die Zeile “creator of the universe” jemals zu erwähnen.

 

Zensur oder Verzerrung der Realität?

Während sich die Personalisierung von Suchergenissen zur Zeit noch in Grenzen hält, ist in naher Zukunft mit einer starken Ausweitung dieser Tendenz zu rechnen. Dies belegt insbesondere die Studie der University of London von Martin Feuz et. al. Durch die immer breiteren Angebote der grossen Betreiber entstehen konstant neue Möglichkeiten zum Sammeln personenbezogener Daten. Durch die daraus folgende Anpassung sämtlicher Dienste an die vermeintlichen Bedürfnisse der User – dadurch dass vieles “intuitiv” funktionieren soll – entsteht eine Verzerrung der Resultate. Dies mag in vielen Fällen praktisch sein, da man schliesslich massgeschneiderte Ergebnisse erhält. Im Grossen und Ganzen verliert die Suchmaschine durch Personalisierung und Berücksichtigung von Linkstrukturen aber die Objektivität die eine Internetsuche haben kann und je nach Bedürfnis auch haben sollte.

 

An dieser Stelle ist man verlockt, den grossen Suchmaschinen eine Form der Zensur vorzuwerfen, nämlich indem das unserem Blickfeld entzogen wird, was nicht zu unserem Profil passt. Mit einer detaillierten und ausformulierten Suche und genügend Zeitinvestition sollten aber auch vom Algorithmus benachteiligte Seiten gefunden werden, weshalb hier eher von einer Verzerrung als einer Zensur der Suchergebnisse zu reden ist.

 

Wege jenseits des Tellerrands

Welches Fazit also zieht man aus diesem Wissen um Suchmaschinen? Grosse Suchmaschinenanbieter sind böse und stehlen uns den unverklärten Blick aufs Internet? Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, man muss nur gut genug fragen? Ob man sich darauf verlassen will, dass Google weiss was man will, oder ob man lieber Aufwand und dafür Garantie zu objektiven Ergebnissen hat – schlussendlich ist es wohl weise, im Hinterkopf zu behalten, dass das Netz eben doch grösser ist, als es uns eine Suchmaschine zu zeigen vermag.

 

Man kann seinen Horizont aber sinnvoll erweitern, indem eine gewisse Spannweite von Quellen gewahrt wird. Dies ist durch sogenannte Metasuchmaschinen, auf ein explizites Thema gemünzte Spezialsuchmaschinen, oder durch die mittlerweile etwas unpopulären Webkataloge möglich.

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